Wenige Stunden nach dem Ende seiner Amtszeit als Propst für die Propstei Oberhessen blickte Pfarrer Klaus Eibach auf die wichtigsten Etappenziele und Schwerpunkte seiner 18-jährigen Tätigkeit in diesem Amt zurück. Bis zum offiziellen Eintritt in den Ruhestand am 31. Oktober 2010 - dann hat er die Altersgrenze von 65 Jahren erreicht - arbeitet Eibach an einem Dienstauftrag im Zentrum der Ökumene der EKHN in Frankfurt - vorwiegend von seinem bisherigen Arbeitsplatz in Gießen aus, wo das Ehepaar Eibach weiterhin wohnen wird.
Zunächst will sich der Ex-Propst bei einem vierteljährigen Studienaufenthalt mit Fragen des Glaubens, des Kreationismus und der Naturwissenschaften beschäftigen. Nach seiner Überzeugung wird diese "aus den USA rübergeschwappte Welle" in Deutschland auch künftig ein Thema sein. "Die Diskussion über Glaube und Naturwissenschaft muss in unserer Kirche noch intensiviert werden."
Natürlich müsse auch die Debatte, wie die Bibel zu verstehen ist, ständig weitergeführt werden, betont Eibach. Dazu sei das Gespräch mit den Kirchengemeinden besonders wichtig. Seine Maxime: "Wir muten unseren Christen zu, im Gespräch miteinander der biblischen Wahrheit möglichst nahe zu kommen." Eine alleinige Wahrheit könne niemand für sich in Anspruch nehmen.
Nicht nur bei den theologischen Erkenntnissen hat Eibach im Laufe seiner Amtszeit eine Weiterentwicklung festgestellt. Verändert hat sich auch die kirchliche Praxis. Während bei seinem Amtsantritt an Sonntagen "in zehn Gemeinden zehnmal das Gleiche" stattfand, sei "die Landschaft in Gießen und im Umland vielfältiger geworden". Vor allem, weil die Pfarrerinnen und Pfarrer viele unterschiedliche Modelle von Gottesdiensten anbieten. Verändert hat sich auch der Konfirmandenunterricht.
Unter dem Strich fällt Eibachs Bilanz positiv aus. Nicht zuletzt wegen des guten Miteinanders von Kirchenvorstehern und Pfarrern. Dabei gehören in den Bereichen Vogelsberg, Wetterau und Gießen in zehn Dekanaten nicht weniger als 326 Kirchengemeinden mit rund 280 Pfarrerinnen und Pfarrern zur Propstei Oberhessen. Dass sein Amt "kein Schreibtischjob" ist, untermauert Eibach mit Zahlen: Pro Jahr hat er rund 35000 Kilometer in der Propstei zurückgelegt und 120 bis 150 Besuche in Kirchengemeinden gemacht. Die Gesamtzahl seiner Predigten beziffert er auf etwa 900.
"Die Kirche muss präsent sein, wenn junge Menschen durchs Raster fallen." Pfarrer Klaus Eibach "In der Regel war ich jeden Sonntag zwei- bis dreimal auf der Kanzel." Ein Thema, um das es "nicht ganz einfache Diskussionen" gegeben habe, war die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Letztlich habe er aber mit seiner Haltung immer Gehör gefunden.
Besonders wichtig war Eibach die Einrichtung, der Ausbau und die Fortentwicklung der zusammen mit Pfarrer Christoph Geist in den 70er Jahren ins Leben gerufenen Jugendwerkstatt. Sein Anliegen: "Die Kirche muss präsent sein, wenn junge Menschen durchs Raster fallen."
Hohen Stellenwert hatten für ihn ferner die Begegnungen mit ehemaligen Zwangsarbeitern in Weissrussland und das für diese zusammen mit der Firma Merck eingerichtete Apothekenprojekt. Auf diese Weise konnten Medikamente nach Weissrussland geschickt werden. Immer im Blickfeld hatte Eibach die Begleitung und Beratung der Kirchengemeinden.
Dabei achtete er darauf, dass Stellen möglichst rasch wiederbesetzt wurden. "Im Moment gibt es überhaupt keine Vakanz." Dass der von ihm zusammen mit Jugendpfarrer Eberhard Klein im Jahr 2002 in Gießen ins Leben gerufene Jugendkirchentag mittlerweile im zweijährigen Rhythmus stattfindet, erfüllt Eibach mit Freude und Genugtuung.
Die Gesamtzahl von 345000 evangelischen Christen in der Propstei Oberhessen verringert sich pro Jahr um 800 bis 1000. Allerdings nicht nur durch Austritte ("die gibt es vermehrt im Bereich von Städten"), sondern auch durch Tod oder Wegzug. "Ich bedauere die Austritte, weil wir als Kirche ein gutes Lebensangebot machen, sei es in den Gottesdiensten, in Arbeitskreisen oder in der seelsorgerischen Begleitung."
Um gegenzusteuern, möchte Eibach "überzeugen durch das, was wir tun". Der scheidende Propst weiss, dass die Erwartung an die Präsenz von Kirche ständig steigt, da die Vereinsamung in Städten und Dörfern zunimmt. Die weitere Entwicklung hängt aus seiner Sicht auch von der Finanzsituation der Kirche ab. "Wenn Opel in die Insolvenz ginge, wäre das auch für uns eine schwierige Situation."
Überhaupt: Die evangelische Kirche muss seiner Ansicht nach verstärkt Themen wie Arbeitslosigkeit und Armut in den Blick nehmen. "Das ganze Hartz-IV-Debakel diskutieren wir in unserer Kirche zu wenig", hatte der 63-jährige Theologe einmal gesagt. Und: Kirche sei "Stachel im Fleisch einer Gesellschaft, ein Stück Gewissen". Sie dürfe aber nicht immer nur mahnen, sondern müsse selbst aktiv werden und sich um Menschen bemühen, um die sich sonst niemand kümmere.
Offiziell wird Eibach am Sonntag, 6. September, durch Kirchenpräsident Dr. Volker Jung aus seinem Amt verabschiedet. Der Festgottesdienst beginnt um 15 Uhr in der Johanneskirche mit anschliessendem Empfang in der Kongresshalle. Nach dem Ausscheiden aus dem Propstamt wird Klaus Eibach bis zum Eintritt in seinen Ruhestand am 31. Oktober 2010 als Pfarrer für das Zentrum Ökumene der EKHN tätig sein. Dort wird er im Bereich "Weltanschauungsfragen" mitarbeiten und für die EKHN eine "Konferenz Weltanschauungsfragen" aufbauen.
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