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Jugendkirche in den Netzen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Freitag, 12. Juni 2009
 
In Finnland trafen sich Internetbeauftragte aus zwölf europäischen Ländern zur 14. European Christian Internet Conference. Soziale Netzwerke - wie StudiVZ, SchülerVZ, Facebook und auch Twitter, um nur einige zu nennen, verändern die Kommunikation im Internet. Auf diese Entwicklung müssen die europäischen Kirchen reagieren.
 
 Steht in den Dörfern und Städten die Kirche häufig am Marktplatz und ist deshalb ein natürlicher Gesprächspartner für viele, so gehören die sozialen Netzwerke privaten Investoren und Firmen, die die Spielregeln für ihre Netzwerke festlegen. So unterbindet der Betreiber des grössten sozialen Netzwerkes in Finnland, bei dem 80 Prozent der finnischen Bevölkerung zwischen 15 und 25 Jahren registriert sind, aus Angst vor Sektierern und Extremisten das Einspeisen religiöser und politischer Inhalte in seine Netzwerke. Zurzeit laufen jedoch Gespräche mit der evangelisch-lutherischen Kirche in Finnland, um doch Möglichkeiten der Kooperation auszuloten.

Bei anderen Netzwerken in Finnland macht die Kirche dagegen positive Erfahrungen. So kam die Online-Redaktion einer grossen Zeitung aus Helsinki auf den lutherischen Gemeindeverband in Helsinki zu, mit der Bitte, im Netzwerk einen eigenen Bereich zu Lebensfragen zu übernehmen. Gemeindepfarrer und -mitarbeitende aus Helsinki engagieren sich nun neben der Gemeindearbeit im Netzwerk der Zeitung und erreichen so auch Kirchenmitglieder, die sonst nicht den Weg in die Kirche fänden.

Neben der Aktivität auf populären Netzwerken setzt die finnische Kirche aber auch auf eigene soziale Netzwerke für verschiedene Zielgruppen. Zurzeit wird ein Team aufgebaut, das bis zum Jahresende zehn Mitarbeitende haben soll. Ziel ist es, in den kommenden Jahren 3.000 Geistliche und Gemeindepädagogen so fortzubilden, dass sie das Internet aktiv für die Gemeindearbeit vor Ort nutzen können.

Auf die Frage, wie solch ein Projekt zu finanzieren sei, machten die Initiatoren folgende Rechnung auf: Da auch die Kirche in Finnland langfristig in der Gemeindearbeit sparen müsse, aber junge Menschen das Internet auch für Gestaltung von Freizeitaktivitäten nutzen, kann so auch bei weniger Mitteln Gemeindearbeit wirkungsvoller gestaltet werden, wenn soziale Netzwerke aktiv genutzt werden.

Ein Webmaster aus Italien berichtete vom Experiment des katholischen Bistums Padua. Neben der offiziellen Website der Diözese gibt es eine Mitmach-Seite des Bistums, die z.B. Videos von Youtube, Kurznachrichten von Twitter und Selbstdarstellungen aus Facebook einbindet. Bei der Nutzung solcher Dienste stellt sich - da waren sich die Konferenzteilnehmer einig - die Frage, welche Informationen besser privat und welche öffentlich sind. Soll die Gemeinde zum Beispiel über den Status bei Facebook erkennen können, wann der Pfarrer am PC sitzt und im Netz surft? Wenn eine Kirche über solche Netzwerke kommuniziert, so benötigt es Absprachen und Regeln, ob die Institution spricht, oder einzelne Menschen aus einer Einrichtung.

Es geht darum, soziale Netzwerke sinnvoll einzusetzen, denn sie können eine kostengünstige Kommunikationsquelle sein. Die lutherische Kirche aus Lettland wollte auf ihre Auslandsgemeinde in Dublin aufmerksam machen und pastorale Betreuung für die lettischen Gastarbeiter in Irland anbieten, die von der gegenwärtigen Wirtschaftskrise besonders betroffen sind. Da viele lettische Gastarbeiter über ihre Profilseite bei einem lettischen Anbieter mit ihren Familien daheim kommunizieren, brachte ein einziger Aufruf in diesem Netzwerk den Erfolg.

Der Lutherische Weltbund berichtete von einem Pilotprojekt, bei dem schwedische Freiwillige über Handy Kurznachrichten aus Gegenden in Afrika ohne zuverlässige Internetanbindung versandten, die über den Twitter-Dienst auf der Homepage des Weltbundes ausgespielt wurden. So konnten die Freiwilligen unmittelbar von ihren Erfahrungen vor Ort berichten.

Der gelungene → Bibelrekordversuch von evangelisch.de fand grosse Beachtung. Über den Kurznachrichtendienst Twitter oder direkt auf evangelisch.de konnte jeder einen Bibelabschnitt auf 140 Zeichen zusammenfassen.

Ein Teil des Erfolges war es, dass man in Twitter darüber redete, was die Kirche macht und so die Bibel ins Gespräch kam. Ob die Netzwerke Twitter, Facebook, StudiVZ, Xing heissen, wichtig ist, dass christliche Inhalte in diesen verschiedenen Netzen präsent sind und ihre Mitglieder auch diese Netzwerke nutzen, um über ihren Glauben zu kommunizieren.
 
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