Die Synode begann mit einem stimmigen und stimmungsvollen Abendmahlsgottesdienst, zu dem insbesondere die Musikgruppe Forum um den Unterbarmer Kirchenmusiker Wolfgang Sülz und die Predigt von Pfarrer Klaus Harms beitrugen und Oberkirchenrat Klaus Eberl überbrachte die Grüsse der Kirchenleitung und des Landeskirchenamtes. Im Blick auf das Thema Jugendarbeit dankte er Ehrenamtlichen und Profis, die sich in diesem Bereich nachhaltig engagieren.
"Jugendarbeit ist ein zentrales Thema unserer Kirche, aber es steht unter dem Diktat der Kassen. Deshalb sind die Wuppertaler Beschlussvorschläge wirklich richtungweisend", und mit Blick in die Zukunft sagt der Oberkirchenrat: "Neue Prioritätensetzungen sind zu treffen, unsere Kirche wird sich weiter verändern; aber dies ist ein Grundprinzip unserer Kirche. Die Volkskirche ist in die Jahre gekommen, aber sie wackelt mit Würde."
Mit dem Beschluss der Synode wird festgelegt, wie die Pfarrstellen bis 2015 verteilt werden. "In Absprache mit den Kirchengemeinden hat der Kreissynodalvorstand sich darum bemüht, die absehbaren personellen Veränderungen in den nächsten Jahren zu nutzen, um die von der Landeskirche für das Jahr 2015 vorgegebenen Pfarrstellen gerecht und sinnvoll zu verteilen", sagt Superintendent Manfred Rekowski.
Obwohl in den 18 Gemeinden des Kirchenkreises insgesamt 6,25 von derzeit 42,16 Stellen gestrichen werden, gebe es bis 2015 im Pfarrdienst keine Kündigungen. Pensionierungen reichten aus, um die vorgegebene Zahl zu erreichen. "Die Gemeinden entscheiden selbst, wohin das Geld geht", sagt Rekowski. So setzte beispielsweise Ronsdorf vor allem auf die Gemeindearbeit, während andere Gemeinden mehr Geld für die Kirchenmusik oder die Instandhaltung ihrer Gebäude benötigten.

In folgenden Gemeinden werden Stellen abgezogen: Elberfeld Südstadt-1; Ev. Cronenberg-0,75; Ev. Ronsdorf-1; Langerfeld -0,5; Sonnborn-1; Unterbarmen - 1;Elberfeld Nord - 0,5; Gemarke-Wupperfeld - 0,5. Die ungleiche Verteilung der Gemeindeglieder je Pfarrstelle wird sich damit bis 2015 zum Teil noch verstärken: In Sonnborn kommen heute 4372 Mitglieder auf zwei Pfarrstellen. Eine Stelle soll wegfallen, so dass sich dann eine Pfarrstelle um 3833 Gemeindemitglieder kümmern wird. Rekowski: "Die Arbeitsbedingungen der Pfarrer müssen so verändert werden, dass möglichst viel Zeit für den unmittelbaren Dienst am Menschen übrig bleibt".
Im Vergleich dazu soll es in Ref. Ronsdorf keine Kürzungen geben - 1659 Gemeindeglieder kommen dort dann auf eine Stelle. Deshalb will die Synode schon jetzt diskutieren, wie die Arbeit des Pfarrers unter den veränderten Bedingungen funktionieren kann und wo es noch Gestaltungsmöglichkeiten gibt.
Im Rahmen der jeweiligen Gemeindekonzeptionen haben die Kirchengemeinden des Kirchenkreises Wuppertal jeweils festgelegt, welche inhaltlichen Schwerpunkte sie setzen und mit welchen Mitarbeitenden sie diese umsetzen wollen. Während einige (meist kleinere) Gemeinden bewusst einen Schwerpunkt im pastoralen Dienst gesetzt haben, haben andere Gemeinden entschieden, auch Mitarbeitende anderer Profession (Jugendmitarbeiter/innen, Kirchenmusiker/ innen, Küster/innen usw.) anzustellen.
Nach Vorgabe der Landeskirche wird sich die Situation bis 2030 deutlich verschärfen: Dann wird es nur noch halb so viele Pfarrstellen wie im jahr 2004 geben. "Da müssen wir mit einem Verteilungskampf rechnen", ist sich Rekowski bewusst.
"Zukunft Jugendarbeit"Pfarrer Dr. Jochen Denker, Vorsitzender des Arbeitskreises "Zukunft Jugendarbeit" und Mitglied im Kreissynodalvorstand, formulierte das Ziel der Veränderungen so: "Die Jugendarbeit im Kirchenkreis Wuppertal soll ein erkennbar geistliches, evangelisches und ein diakonisches Profil haben und die gemeindliche Jugendarbeit mit der kreiskirchlichen und diakonischen enger zusammenrücken. In einer Stadt, wo ‚Kinderarmut’ leider kein Fremdwort ist, müssen wir unsere Angebote um der Menschen und um Gottes Willen so effektiv bündeln, damit auch in schwieriger Zeit unsere Botschaft ankommt: Du bist ein wertvoller Mensch!"
Uwe Malkus, Vorsitzender des Arbeitskreises Kinder- und Jugendarbeit betonte: "In den letzten Jahren ist eine gute Arbeit in den einzelnen Bereichen gemacht worden. Dafür sei den Verantwortlichen besonders gedankt. Aber alles was gut ist, kann auch besser gemacht werden und jetzt soll ohne Sparzwang ein völlig neues Kooperationskonzept für die Jugend in Wuppertal entstehen."
Diakoniedirektor Dr. Martin Hamburger ergänzte: "Unser Land war immer, schon seit dem vorletzten Jahrhundert, dadurch geprägt, wie Kirche sich für Jugend einsetzte. Mit zunehmendem Wohlstand entwickelten sich gemeindliche und diakonische Arbeit auseinander. Jetzt müssen wir die beiden Säulen wieder aufeinanderzu bewegen. Denn die Evangelische Kirche ist auf vielfältige Weise für junge Menschen in Wuppertal da. Ich freue mich, dass durch diesen Vorschlag die Angebote unserer Gemeinden, die Angebote des Kirchenkreises und diakonische Kinder- und Jugendhilfe enger zusammenrücken. So wird das gemeinsame Profil noch sichtbarer als bisher."
Superintendent Manfred Rekowski hob schlussendlich hervor, dass es sich um eine unwiderrufliche Grundsatzentscheidung handeln würde, die im Laufe des Jahres 2009 umgesetzt werden soll. "Die Synode kann eine entsprechende Weichenstellung vornehmen. Das konstruktive Mitdenken und die Kooperation von Kirchengemeinden und anderer Anbieter der Jugendarbeit ist weiterhin erwünscht." Ausserdem werden Diakonie und der Kirchenkreis bei der Kinder- und Jugendarbeit enger zusammenrücken. Rekowski: "Wir wollen einen Schwerpunkt bei der Jugendarbeit setzen. Die Jugendkirche ist da bereits ein erfolgreiches Signal".
Festes Angebot Jugendkirche
Das zeitlich befristete "projekt jugendkirche" wird ein zum Profil kreiskirchlicher Jugendarbeit gehörendes Regel-Angebot. Dafür soll dauerhaft eine Stelle eingerichtet werden. Die Angebote des Jugendreferates als Dienstleisterin für die Gemeinden bleiben substantieller Bestandteil der Jugendarbeit des Kirchenkreises. Die Diakonie Wuppertal wird, auch angesichts zunehmender sozialer Herausforderungen, zu einem institutionalisierten Partner der kreiskirchlichen Kinder- und Jugendarbeit. "Leere Stühle machen leere Stühle", beschrieb Rekowski den Trend, dass zunehmend weniger Jugendliche in der verfassten Kirche ihre religiöse Heimat finden.
Aber das heisst nicht, dass die junge Generation generell mit dem Glauben abgeschlossen hätte. Angesichts und trotz des "atemberaubend langsamen Tempos bei Reformen in unserer Kirche", wollte sich Manfred Rekowski schon lange nicht mehr mit dem beinahe flächendeckenden Fehlen von Jugendlichen in den Gottesdiensten der evangelischen Kirche abfinden.
Die Erkenntnis, dass herkömmliche Kirchenstrukturen selten dazu geeignet erscheinen, Jugendlichen eine Heimat für den Glauben zu eröffnen, führte zum Beschluss der Wuppertaler Synode, Räume und Personal für die Gründung einer Jugendgemeinde bereitzustellen. Jugendliche sind zwar mit 14 Jahren religionsmündig. In der EKiR sind sie auch mit der Konfirmation bzw. ab 16 Jahren stimmberechtigt bei Presbyteriumswahlen. Aber faktisch, so Rekowski, "endet der Kontakt der allermeisten Jugendlichen zur Kirche mit der Konfirmation".
Die Jugendkirche sollte von Anfang an durch die Beteiligung der Jugendlichen selbst leben und nicht an die bestehenden Grenzen von Ortsgemeinden gebunden sein. Bestehende Angebote der Jugendarbeit sollen auch weiterhin durch die Jugendkirche ergänzt, keineswegs aber überflüssig gemacht werden.
Der Beschluss im Wortlaut:
1. Der Kreissynodalvorstand wird beauftragt, zum nächstmöglichen Zeitpunkt folgende Massnahmen umzusetzen:
a) Das Jugendreferat und das "projekt jugendkirche" werden zu einem abgestimmten Angebot kreiskirchlicher Kinder- und Jugendarbeit, das darauf abzielt
- gemeindliche Jugendarbeit zu unterstützen
- und ergänzende Angebote auf kreiskirchlicher Ebene vorzuhalten.
b) Die Unterstützung der gemeindlichen Jugendarbeit beinhaltet insbesondere
- Schulungen von ehrenamtlichen Jugendmitarbeiter/innen
(JuLeiCa und zukünftig auch: Schulungen für Jugendliche ab 14 Jahre)
- Unterstützung und Belebung der Jugendgottesdienstkultur in den Gemeinden durch Entdeckung und Entwicklung von spirituellen Angeboten mit breiten Partizipationsmöglichkeiten für die Jugendlichen selber
- Planung, Koordination und Durchführung von Aus- und Fortbildungsangeboten für hauptamtliche Mitarbeiter/innen
- Beratung (z. B. Rechtsberatung, Hilfestellung bei konzeptionellen Fragen)
- Abwicklung von Förder- und Zuschussanträgen
c) Die Angebote auf kreiskirchlicher Ebene beinhalten insbesondere
- Planung und Durchführung von jährlich 2 - 4 "Events" für Jugendliche mit geistlichem Akzent (eventuell in Kooperation mit Schulen oder anderen Einrichtungen der Jugendarbeit)
- Vertretung der "Evangelischen Jugend" im Kontext kirchlicher und städtischer Verbandsarbeit (Wahrnehmung von Jugendverbandsfunktionen)
d) Die Möglichkeiten einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen der kreiskirchlichen Kinder- und Jugendarbeit und dem Diakonischen Werk in den Bereichen
- Administration/Verwaltung
- Freizeiten
- Projekte
- Aus-, Fort- und Weiterbildung
sollen zukünftig genutzt werden.
Eine personelle und institutionelle Zusammenarbeit wird angestrebt.
2. Der Kreissynodalvorstand wird beauftragt,
a) die für eine kompetente und wirkungsvolle Durchführung der oben beschriebenen Aufgaben (der kreiskirchlichen Kinder- und Jugendarbeit) notwendigen finanziellen, räumlichen und personellen Rahmenbedingungen zu gewährleisten.
b) unter Berücksichtigung der aktuellen Haushaltslage den Haushaltsplan 2010 im Unterabschnitt Jugendarbeit mit den Finanzmitteln auszustatten, die näherungsweise dem durchschnittlichen Anteil der Kosten für Jugendarbeit in den Jahren 2005 bis 2008 am Gesamthaushalt des Kirchenkreises entspricht (ca. 60.000 € pro Jahr).
3. Der Kreissynodalvorstand setzt eine aus vier Mitgliedern bestehende Steuerungsgruppe ein, die das weitere Beratungsverfahren koordiniert und die anstehenden Entscheidungen vorbereitet. Der Arbeitskreis Kinder- und Jugendarbeit, der Kreis der hauptamtlich Mitarbeitenden sowie der Vorstand von KEMA sind am Beratungsverfahren zu beteiligen.
4. Der Kreissynodalvorstand wird beauftragt, angesichts weitreichender Veränderungen z. B. im Bereich des Schulbetriebs (Ganztagsschulen), in Zusammenarbeit mit (allen) kooperationsbereiten evangelischen Anbietern und unter Beteiligung von Jugendlichen mittel- und langfristig einen Beratungsprozess über eine Weiterentwicklung der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit in Gang zu setzen.
Die Möglichkeit der u.a. vom Jugendreferenten angeregten verstärkten personellen Kooperation zwischen der von Gemeinden verantworteten Kinder- und Jugendarbeit und der kreiskirchlichen Kinder- und Jugendarbeit sollte dabei geprüft werden.
(mit zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung beschlossen)