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Wie? - z.B. Jugendkirche ohne Ehrenamt PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Dienstag, 12. Mai 2009

Jeder dritte Bundesbürger über 14 Jahre engagiert sich ehrenamtlich. Angesichts des weit verbreiteten Wehklagens über soziale Kälte und zunehmenden Egoismus ist das ein erstaunlicher und erfreulicher Befund. Es stimmt also nicht, dass jeder nur an sich selbst denkt – Millionen von Menschen in Deutschland gestalten durch ihren Einsatz für andere Kirche, Vereine und Gesellschaft mit.

 
Diese Zahlen sind Grund genug, genauer hinzuschauen: Was sind die Motive, freiwillig und unentgeltlich Zeit und Kraft aufzuwenden? In welchen Bereichen geschieht dies? Wo gibt es Spannungen und welche Entwicklungen sind zu beobachten? Diese Fragen wird die 11. Synode der EKD aufgreifen: Auf ihrer zweiten Tagung in Ulm Ende Oktober wird das Ehrenamt Schwerpunktthema.  "Ehrenamt ist im Aufwind", sagte die scheidende Präses Barbara Rinke bei der Vorstellung des Themenvorschlags in Würzburg. "Aber wir wollen in der Kirche auch immer noch mehr um Ehrenamtliche werben."

Die Zahlen sprechen für sich: Die Menschen brauchen nicht mit der moralischen "Keule" bedrängt zu werden, sich doch endlich ehrenamtlich zu engagieren. Für viele ist solches Engagement ganz selbstverständlich. Der Einsatz der eigenen, ganz besonderen Fähigkeiten zum Nutzen aller wird als Quelle der Zufriedenheit erlebt: Es ist wichtig, dass ich da bin, ich werde gebraucht. Wenn ehrenamtlich Engagierte Auskunft über ihre Motive geben sollen, läuft ihre Antwort häufig auf den Hinweis hinaus: Es ist mir eine Ehre ...

Umso mehr gilt es, den Rahmenbedingungen dieses Engagements Aufmerksamkeit zu schenken. Das Potential freiwilliger Dienste ist noch längst nicht ausgeschöpft: Weitere 34 Prozent der Bundesbürger könnten sich vorstellen, ebenfalls ehrenamtlich tätig zu werden, so das zweite Freiwilligengutachten der Bundesregierung von 2004. Die Motive für das Ehrenamt sind ganz verschieden, wie auch die gewählten Tätigkeitsfelder. Die meisten Ehrenamtlichen gibt es im Bereich "Sport". Egal ob Stadtmarathon, Kinderturnfest oder Bundesligaspiel: Ohne zahllose Freiwillige wären diese Veranstaltungen undenkbar. An zweiter Stelle kommt der Bereich "Schule/Kindergarten", gefolgt von "Kirche und Religion".

Der christliche Glaube und christliche Werte sind offenbar eine besonders ergiebige Ressource für das freiwillige Engagement: Sozialempirische Studien belegen, dass die Kirchenbindung bei den freiwillig Tätigen überdurchschnittlich hoch ist. Der Apostel Paulus hat darauf hingewiesen, dass in der Gemeinde Jesu Christi die verschie¬densten Gaben des Geistes Gottes miteinander verbunden sind: die Gabe, gesund zu machen, die Kraft, Wunder zu tun, geeignet zu sein für Lehre oder Ermahnung oder Trost, die Gabe, die Geister zu unterscheiden (Römer 12, 4-8; 1. Korinther 12,7-11).

Die Kirche ist sozusagen ein "Verbindungsmodell" für die Fähigkeiten, die der Geist Gottes in einem und einer jeden offenbart. Und Paulus fügt ausdrücklich hinzu: "Es sind verschiedene Gaben; aber es ist ein Geist." Die Verschiedenheit hat gerade nicht zur Folge, dass jeder nur für sich oder seinesgleichen da ist, sondern es ist derselbe Geist, von dem alle Gaben kommen, und darum werden sie wirksam zum Nutzen aller. Gabe heisst im griechischen Neuen Testament "charisma", wörtlich: Gnadengabe. Sie gehört nicht zur natürlichen Ausstattung des Menschen, sondern ist gnädiges Geschenk Gottes. Indem es sich Menschen zur Ehre anrechnen, sie zum Nutzen aller einzusetzen, sagen sie Gott Dank.

Zugleich wird immer wieder darauf hingewiesen, dass in Kirche und Gesellschaft zu vieles für selbstverständlich genommen wird. Eine bessere und aufmerksamere Würdigung wird eingefordert. In manchen Landeskirchen hat sich die Tradition eingespielt, einmal im Jahr einen grossen "Tag des Ehrenamts" zu veranstalten. In einer zentralen Veranstaltung begegnen die Ehrenamtlichen einander und erfahren Ermutigung, auch dadurch, dass sie erleben: Wir werden wahrgenommen. Wir sind viele. Wir können einander An¬regungen geben und miteinander Erfahrungen austauschen.

Dass sich die Synode der EKD in besonderer Weise mit dem ehrenamtlichen Engagement in Kirche und Gesellschaft befassen wird, liegt schon aus folgendem Grund auf der Hand: Für die grosse Mehrheit der Mitglieder ist die Arbeit in der Synode selbst ein Ehrenamt. Darum ist die Synode eine vorrangige Sprecherin für die Millionen von ehrenamtlich in der Kirche Engagierten. Indem sie das ehrenamtliche Engagement ins "Schaufenster" ihrer öffentlichen Tagung stellt, leistet sie einen Beitrag dazu, dass die Ehrenamtlichen erleben: Wir sind wichtig für unsere Kirche. Wir werden wahrgenommen und wertgeschätzt.

Zugleich bietet die Vorbereitung des Schwerpunktthemas Raum für die Beschäftigung mit Fragen und Problemen wie zum Beispiel: Wie können und sollen Hauptamtliche und Ehrenamtliche im Alltag des kirchlichen Lebens zusammenwirken? Wie kann und soll dies speziell auf der Leitungsebene gewährleistet werden? Was erwarten ehrenamtlich Tätige, was wird von ihnen erwartet? Was kann geschehen, um die Motivation der ehrenamtlich Tätigen zu stärken? Was kann die Rolle des bürgerschaftlichen Engagements in der Nachbarschaftshilfe sein?

Die 2. Tagung der 11. Synode der EKD findet vom 25. bis 29. Oktober in Ulm statt. Das Schwerpunktthema wird voraussichtlich am Montag, 26. Oktober, verhandelt. Und mit einem deutschlandweiten Aktionstag am Samstag, 9. Mai, startet die ARD-Themenwoche "Ist doch Ehrensache! Wie Menschen sich für die Gesellschaft engagieren":
 
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