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Auch Jugendkirchen sollen erste Adresse für Sinnsuchende werden PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Donnerstag, 30. April 2009
Die Kirchen haben nach Ansicht des Wiener Religionssoziologen Paul Zulehner heute kein kulturelles Monopol mehr. Sie seien in diesem Sinne nicht mehr Volkskirchen, sondern "Kirchen im Volk". Der katholische Theologie-Professor sagte bei einem Vortrag in Ehningen bei Stuttgart, die Kirchen müssten heute jede Generation wieder neu für sich gewinnen. "Mich ärgert, dass wir für manche Sinnsucher nicht mehr die erste und beste Adresse für Spiritualität sind - wir hätten schon das Zeug dazu", sagte Zulehner im Hinblick auf den wachsenden Markt an spirituellen Angeboten ausserhalb der grossen Kirchen. Jugendkirche scheint ein Ausweg.

Um auch nachwachsende Generationen wieder für sich zu gewinnen, empfahl der Religionssoziologe den Grosskirchen drei Reformprojekte: Christinnen und Christen sollten sich im Sinne von Pilgerwegen oder Wallfahrten auf eine spirituelle Reise machen, die Kirchen bräuchten Leitfiguren wie den populären Benediktinermönch Anselm Grün, an denen man sich orientieren und von denen man lernen könne, und sie sollten das Abendmahl wieder in die Mitte des christlichen Lebens stellen.

Dem anwesenden Böblinger Freikirchenpastor Christoph Schrodt hielt Zulehner entgegen, die Freikirchen sahnten im Becken der religiös Motivierten ab und liessen den Grosskirchen nur die "Magermilch" übrig: "Wir brauchen aber die Grosskirchen, weil sie freiheitlicher sind und für jeden einen Platz haben."

Die Kirchen haben nach Ansicht des Wiener Religionssoziologen Dr. Paul Zulehner heute kein kulturelles Monopol mehr. Sie seien in diesem Sinne nicht mehr Volkskirchen, sondern "Kirchen im Volk". Der katholische Theologie-Professor sagte beim Ehninger Abendgespräch "Im Brennpunkt" am Freitag, 27. März im evangelischen Gemeindehaus Ehningen, die Kirchen müssten heute jede Generation wieder neu für sich gewinnen.
 
"Mich ärgert, dass wir für manche Sinnsucher nicht mehr die erste und beste Adresse für Spiritualität sind - wir hätten schon das Zeug dazu", sagte Zulehner im Hinblick auf den wachsenden Markt an spirituellen Angeboten ausserhalb der grossen Kirchen. Um auch nachwachsende Generationen wieder für sich zu gewinnen, empfahl der Religionssoziologe den Grosskirchen drei Reformprojekte:
Christinnen und Christen sollten sich im Sinne von Pilgerwegen oder Wallfahrten auf eine spirituelle Reise machen, die Kirchen bräuchten Leitfiguren wie den populären Benediktinermönch Anselm Grün, an denen man sich orientieren und von denen man lernen könne, und sie sollten das Abendmahl wieder in die Mitte des christlichen Lebens stellen.
Gegen die wachsende Zahl an religiösen Kleingruppen und Freikirchen, die er als "sektoid" bezeichnete, reklamierte Zulehner den gesellschaftlichen Anspruch der beiden grossen Kirchen: "Es wäre wichtig, dass die Politik in den Kirchen ihr ethisches Gewissen hat." Der evangelische Prälat Professor Dr. Christian Rose aus Reutlingen stimmte dem zu: "Wir setzen uns dafür ein, dass diese Gesellschaft menschlicher wird und dass das Evangelium in ihr Gestalt gewinnt." Er sprach sich deshalb für einen missionarisch-diakonischen Gemeindeaufbau aus: "Wir haben gelernt, seelsorgerlich zu predigen, aber die wenigsten von uns können evangelistisch predigen".

Dr. Christoph Schrodt, Pastor der freien evangelischen Gemeinde in Böblingen, erklärte, Freikirchen seien Entscheidungskirchen, wobei der Akt der Entscheidung dann auch ein hohes persönliches Engagement nach sich ziehe: "Wir haben 160 Mitglieder, davon arbeiten 160 ehrenamtlich mit." Zulehner warf ihm vor, die Freikirchen sahnten im Becken der religiös Motivierten ab und liessen den Grosskirchen nur die "Magermilch" übrig: "Wir brauchen aber die Grosskirchen, weil sie freiheitlicher sind und für jeden einen Platz haben", betonte der Religionssoziologe: "Es gibt bei uns Charismatiker, aber es gibt auch den Stephansdom, wo du selbst hinter einer Säule noch gerettet werden kannst."
 
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