Zu einer mutigen Fortsetzung des ökumenischen Gesprächs hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, aufgerufen. Die Kirchen verbinde über Konfessionsgrenzen hinweg viel mehr, als sie trenne, sagte er in einer Mitteilung zum Auftakt der Gesprächsreihe "Ökumene heute" in Karlsruhe. Gerade bei gesellschaftspolitischen Themen wie Ehe und Familie sollten die Kirchen verstärkt mit einer Stimme sprechen, so der Freiburger Erzbischof.
In den meisten Jugendkirchen ist Ökumene im Allgemeinen sowieso Usus, da viele Jugendliche sich zwar als Christen verstehen, die Differenzierungen zwischen dem katholischen und evangelischen Glauben dagegen schlichtweg ignorieren. Für sie ist christlicher Glaube an Gott da, wo sie sind.
"Am 31. Oktober 2009 begehen wir den 10. Jahrestag der Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre durch die katholische Kirche und den Lutherischen Weltbund. Dies ist Anlass, nach der derzeitigen Situation der Ökumene und den Perspektiven für die Zukunft zu fragen. Insbesondere soll das Augenmerk auf die ökumenische Situation in Deutschland gerichtet werden:
Wir bewegen uns auf den zweiten Ökumenischen Kirchentag 2010 zu, ebenso stellt das Reformationsgedenken 2017, die vorgeschaltete Lutherdekade und das Melanchthonjubiläum die Ökumene vor besondere Herausforderungen. Die Situation in Baden verdient dabei noch einmal besondere Beachtung", so Dr. Robert Zollitsch, Erzbischof von Freiburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK).
Denn "von einer ökumenischen Eiszeit kann keine Rede sein", ist Zollitsch überzeugt. In einer immer mehr säkularisierten Welt sei es wichtig, sich als Christen gemeinsam zu Wort zu melden. "Die Entscheidung der katholischen Kirche ist unumkehrbar." Damit hob Zollitsch die Bedeutung des Zweiten Vatikanischen Konzils als "verbindliche Grundlage des Glaubens der Kirche" hervor - dies wolle er angesichts der vergangenen Wochen besonders betonen.
Der Vorsitzende der DBK hat im Karlsruher Stephansaal am 26. März 2009 an die Notwendigkeit einer mutigen Fortsetzung des ökumenischen Gesprächs erinnert. Gerade in einer immer säkularer werdenden Welt sei es wichtig, sich als Christen gemeinsam zu Wort zu melden, sagte er am Donnerstag im Roncalli-Forum in Karlsruhe zum Auftakt einer Gesprächsreihe "Ökumene heute".
Die Reihe, so das Ansinnen der Organisatoren Dr. Günter Frank (Europäische Melanchthon-Akademie) und Dr. Albert Käuflein (Roncalli-Forum), soll deutlich machen, dass die Zukunft der Ökumene eine Fortführung und Vertiefung des Dialogs auf verschiedenen Ebenen erfordert, und dies auf der Grundlage von gegenseitiger Achtung und einem gemeinsamen gelebten Glauben.
"Wir werden umso mehr wahrgenommen, je mehr wir die Fragen in ökumenischer Gemeinsamkeit mit den anderen christlichen Kirchen aufgreifen", betonte Zollitsch. Die Kirchen verbinde über Konfessionsgrenzen hinweg viel mehr, als sie trenne. "Leider vergessen wir das manchmal in der Auseinandersetzung um Unterschiede in Lehre und Ordnung." Gerade bei gesellschaftspolitischen Themen wie etwa Ehe und Familie sollten die Kirchen verstärkt mit einer Stimme sprechen. Die in Kürze stattfindende nächste ökumenische "Woche für das Leben" biete dazu gute Voraussetzungen.
Insgesamt stelle sich die Lage der Ökumene äusserst komplex dar und verlange eine differenzierte Bewertung. "Wir haben allen Grund dankbar zu sein, für das, was uns in den zurückliegenden Jahren geschenkt wurde. Von einer ökumenischen Eiszeit kann nicht die Rede sein", so Zollitsch.
Auch trennende Elemente
Mit Blick auf die vor zehn Jahren in Augsburg unterzeichnete gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre sagte der Erzbischof: "Wer nach Augsburg behauptet, die Unterschiede in der Rechtfertigungslehre hätten kirchentrennenden Charakter, vertritt damit seine Privatmeinung und kann sich dafür nicht auf die kirchliche Lehre berufen. Mit der offiziellen Bestätigung der Erklärung erhält das Verhältnis von Lutheranern und Katholiken eine neue Qualität", so Zollitsch.
Gerade durch den Annäherungsprozess der katholischen und evangelischen Kirche seien aber auch trennende Elemente und unterschiedliche Auffassungen spürbar geworden, sagte Zollitsch weiter. Diese seien "wohl kurzfristig nicht überwindbar". In der Ökumene sei derzeit nicht die Zeit der grossen Aufbrüche, sondern eher "die Zeit zum Innehalten, zur Konsolidierung und zur Bestandsaufnahme, mit dem Ziel das gemeinsame Fundament zu sichern."
Dabei sei es auch wichtig, die konfessionell unterschiedlichen Auffassungen gegenseitig zu respektieren. "Wo immer es lehrmässige Unterschiede zwischen den Kirchen gibt, ist für uns der Respekt vor der Andersheit des Anderen bestimmend anstelle eines ökumenischen Einverständnisses, das dem Anspruch der Wahrheit nicht standhält", unterstrich Zollitsch.
Er fügte hinzu: "Die Frage der ökumenischen Zielbestimmung halte ich für eine der drängenden ökumenischen Aufgaben unserer Tage, damit wir sicher sein können, dass wir uns künftig in die gleiche Richtung bewegen. Die theologische Arbeit an einer tragfähigen Übereinkunft in bislang strittigen Lehrfragen ist und bleibt Voraussetzung für die dauerhafte Wiederherstellung der vollen Einheit der Kirche. Ohne sie läuft die Ökumene Gefahr, den Eindruck von Beliebigkeit zu erwecken und so neue Unsicherheiten und Irritationen auszulösen."
Als besondere Chance sieht der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz den Ökumenischen Kirchentag 2010 in München. Mit seiner Konzentration auf gesellschaftspolitische Fragen biete er die Möglichkeit, "dass die Kirchen gemeinsam ein Zeichen setzen und sich Gehör verschaffen. Es ist zu hoffen, dass uns ein überzeugendes Wort der Orientierung in die Gesellschaft hinein gelingt."
Die Vortragsreihe des Karlsruher Roncalli-Forums, der europäischen Melanchthon-Akademie Bretten und des Instituts für ökumenische Forschung Strassburg dauert bis November. Die Folge von Vorträgen startete am 26. März 2009 mit einem Beitrag "Zur Zukunft der Ökumene. Perspektiven aus der Sicht der Deutschen Bischofskonferenz" von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Freiburg, der der Versammlung der Deutschen Bischöfe vorsteht: