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Jugendkirche durch Zusammenschluss PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Dienstag, 7. April 2009
Ein fröhliches Grossereignis wirft seine Schatten voraus: Am 30. April wird Wedel-Schulau das Zentrum der Christen aus dem westlichen Hamburg und dem Kreis Pinneberg sein. Denn hier feiern die Kirchenkreise Altona, Blankenese, Niendorf und Pinneberg das Fest ihrer Fusion zum zweitgrössten Kirchenkreis
in der Nordelbischen Kirche. Die neue Einheit umfasst künftig 250 000 Mitglieder, 55 Kirchengemeinden und etwa 140 Pastorinnen und Pastoren. Hintergrund dieses Zusammenschlusses ist es, gemeinsam Projekte auf die Beine zu stellen, die jeder einzelne Kreis aus finanziellen Gründen nicht bewältigen könnte, wie die Jugendkirche bereits bewies.
 
Das erste Projekt dieser Art ist die gemeinsam in Gross Flottbek aufgebaute erste Hamburger Jugendkirche. Weiteres Feld der Zusammenarbeit ist die Kirchenmusik - musikalische Angebote für mehrere Gemeinden können koordiniert werden, und die Gefahr ist abgewandt, dass einzelne Gemeinden ihre Musiker allein finanzieren müssen und sich womöglich überheben. In der Bildungsarbeit wird es nach Angaben der Kirche auch Synergien geben.

So wird im neuen Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein eine Arbeitsstelle Ökumene mit mehr als zwei hauptamtlichen Referentenstellen entstehen. Sie werden Fortbildungsangebote für die kirchliche Partnerschaftsarbeit mit Tansania und Südafrika sowie für kirchenpolitische Entwicklungsarbeit anbieten. Ausserdem soll eine schlankere Organisationsstruktur die Kosten möglichst gering halten. Die Verwaltung der Kirchenkreise wurde bereits vor einem Jahr in Pinneberg konzentriert.

Doch die eher trockenen Organigramme werden beim "Elbfest" mit dem Tanz in den Mai an Wedels schönster Ecke durch Musik und gute Laune etwas in den Hintergrund treten. Denn das Programm auf der Wiese neben dem Willkomm Höft kann sich sehen lassen. Nachdem Vertreter der vier Alt-Kreise am Donnerstagnachmittag mit historischen Schiffen in Wedel angelandet sein werden, werden viele Gruppen und Initiativen aus den Kirchengemeinden sich und ihre bunte Arbeit im Sinne der Liebe zum Nächsten präsentieren.

Ein kleines Pavillondorf ist dafür aufgebaut. Kinderprogramm und Kurzandacht, Spiele, Aktionen, leckeres Essen und mehr erwartet die Gäste. Welche Kirchengruppen mit welchen Angeboten dabei sein werden, ist im Internet zu erfahren. Für jeden Geschmack sind Knüller im Programm. Die 30 stimmgewaltigen Kapitäne des Hamburger Lotsenchores beispielsweise werden Shantys schmettern.

Rocklegende Inga Rumpf plus Band und die südafrikanische Soul- und Gospelsängerin Chystal werden das Publikum ebenfalls verzaubern - eine jede nach ihrer Art. Gegen 22 Uhr wird ein Feuerwerk, das von einem Kirchenmitglied aus Haselau spendiert wurde, die Glanzlichter zum Beginn des Tanzes in den Kirchenkreis setzen (siehe auch: www.elbfest-wedel.de).

Damit ist im hohen Norden die Fusionswelle jedoch noch nicht an ihrem Höhepunkt angelangt: Kirchenparlamente stimmen über Nordkirche ab

Ende dieser Woche wollen die Synoden der evangelischen Landeskirchen auf dem Gebiet von Mecklenburg-Vorpommern sowie Schleswig-Holstein und Hamburg über eine Fusion zur Nordkirche abstimmen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, rief in einer am Montag verbreiteten Erklärung die Synoden von Nordelbien, Mecklenburg und Pommern zur Zuversicht bei der Abstimmung auf. Die Nordkirche soll Anfang 2012 entstehen und hätte rund 2,4 Millionen Mitglieder.

Eine Fusion gelinge nur, wenn der Wunsch, auf etwas Neues zuzugehen, sich mit der Bereitschaft zum Kompromiss verbinde, sagte Huber. Viele Christen in ganz Deutschland blickten auf die Beratungen und hofften "auf ein weiteres Zeichen für die Reformfähigkeit des deutschen Protestantismus". Nach Hubers Worten würden 20 Jahre nach dem Fall der Mauer unterschiedliche Traditionen und gesellschaftliche Erfahrungen als wechselseitige Bereicherung erkannt.

Die drei Synoden stimmten am Samstag (28. März) in zeitgleich geplanten Sitzungen über einen Fusionsvertrag ab. Diesen hatten die Kirchenleitungen am 5. Februar im Ratzeburger Dom unterzeichnet.

Umstritten waren und sind insbesondere die vorgesehene Trennung der Standorte für das Landeskirchenamt (Kiel) und für den leitenden Landesbischof (Schwerin) sowie das Tempo des Fusionsprozesses. Weiter wird eine Ost-West-Polarisierung befürchtet. Andere Synodalen haben ihre Angst geäussert, in einer "riesengrossen Kirche" könne das Heimatgefühl verloren gehen.

siehe auch: Das ABC der Nordkirche


 
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