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Jugendkirche "Stay wild ... " PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Mittwoch, 18. März 2009
"Stay wild statt burnout" könnte das Motto der den Jugendkirchen zugewiesenen Seelsorgern lauten, die oft ohne eine ausreichende Praxiserfahrung diese auf Erfolgskurs bringen sollen. Die Kirche handelt hier nach dem Rezept 'junge Leiter zu jungen Leuten'. Einige erleiden regelrechte Stressattacken und sehen sich einem enormen Erfolgsdruck ausgesetzt - die meisten JuKis können nur langfristig weitermachen, wenn sie eine Erfolgsbilanz ausreichender JuGodi-Besucher vorweisen können, die "Pi mal Daumen" in den meisten Gemeinden irgendwann einmal auf 100 festgesetzt wurde. Unter dem Titel "Stay wild statt burnout" hat die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) eine Publikation veröffentlicht, die sich "aus christlicher Perspektive" mit der Pein der Seelsorger, dem Burnout, beschäftigt.

Stay wild statt Burn-Out - Leben im Gleichgewicht
Herausgegeben von Susanne Breit-Kessler und Norbert Dennerlein
Im Auftrag der Kirchenleitung der VELKD
Erarbeitet vom Seelsorgeausschuss der VELKD
Gütersloher Verlagshaus München (März 2009)
128 Seiten, 6,95 Euro

"Denk also daran: Gönne Dich Dir selbst. ... sei wie für alle anderen auch für Dich selbst da", so mahnte Bernhard von Clairvaux seinen Mitbruder Papst Eugen III., sich in der Fülle seiner Aufgaben nicht zu verlieren. Fast tausend Jahre später hat Bernhards Mahnung an Aktualität nicht verloren, im Gegenteil: Das Gefühl auszubrennen, in der Fülle der Aufgaben unterzugehen bestimmt das Empfinden unzähliger Menschen.

Die lutherischen Landeskirchen in Deutschland machen deshalb auf die Gefahren des sogenannten Burn-out-Syndroms aufmerksam. Zu den Gründen für die Erschöpfungskrankheit zähle auch der zunehmende Leistungsdruck, dem viele im Beruf ausgesetzt seien, heisst es in der Broschüre "Stay wild statt burn out", die die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) herausgegeben hat. Auf knapp 130 Seiten beschreiben die kirchlichen Experten die Symptome der Erkrankung und zeigen Wege aus der Krise.

Zu den Gründen für die Erschöpfungskrankheit, Burn-Out (ausgebrannt) benannt, zähle der zunehmende Leistungsdruck, dem viele im Beruf ausgesetzt seien, heisst es in der Broschüre. Die Betroffen merken meist erst sehr spät, dass sie aus dem Tritt geraten sind, schreiben die Autoren der VELKD-Broschüre.

Für viele Menschen sei die Arbeit zum zentralen Lebensinhalt geworden, das Familien- und Privatleben gerate ins Abseits, kritisieren die Autoren, sprechen von einer "Verbetrieblichung der Lebensführung". Das zeige sich auch innerhalb der Kirchen: "Gerade in Kirche und Diakonie, die nach der öffentlichen Hand die zweitgrösste Arbeitgeberin in Deutschland sind, gibt es starke Tendenzen zu selbstausbeuterischem Engagement und ausbeuterische Erwartungen an das Engagement der Mitarbeitenden zu beobachten." Nach Expertenangaben sind rund 15 Prozent der Deutschen einmal in ihrem Leben von Burn-out-Symptomen betroffen.

"Gefährdet sind vor allem diejenigen, denen es schwer fällt, `'Nein' zu sagen", heisst es dazu in der Schrift, die der Seelsorge-Ausschuss der VELKD erarbeitet hat. Die Kirchen-Experten listen mehrere Phasen auf, die die Burn-out-Erkrankung kennzeichnen: Das Engagement der Betroffenen lässt allmählich nach, depressive Gefühle von Nutz- und Freudlosigkeit nehmen zu und münden schliesslich in einer inneren Leere.

Die Warnzeichen, die Körper und Seele auf dem Weg zum Ausgebranntsein aussenden, können unterschiedlich sein: Konzentrationsschwächen, Nicht-mehr-Abschalten können, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Müdigkeit und auch Magen-Darmbeschwerden und Herzrhythmusstörungen gehören dazu.

Gerade die Engagierten, die Motivierten seien häufig von dem Erschöpfungssyndrom betroffen. Kirchlichen Experten beschreiben die Symptome der Erkrankung und zeigen Wege aus der Krise. Für viele Menschen sei die Arbeit zum zentralen Lebensinhalt geworden, das Familien- und Privatleben gerate ins Abseits, kritisieren die Autoren. Um einem Burn-Out entgegenzuwirken, raten die kirchlichen Seelsorge-Experten zu "Achtsamkeit gegenüber dem eigenen Lebensstil".

Für ein "Leben im Gleichgewicht", so der Untertitel der Broschüre, sei manchmal die Beratung durch Fachleute notwendig. Vor allem raten sie aber zu "Achtsamkeit gegenüber dem eigenen Lebensstil". Rituale könnten helfen, den Alltag zu gestalten und vor ausufernder Arbeit schützen. "Krise ist ein kreativer Zustand, man muss ihm nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen", zitieren sie den Schriftsteller Max Frisch.

Das Buch aus dem Gütersloher Verlagshaus ist seit dem 9. März im Buchhandel erhältlich. Verfasst sei der Titel in dem Wissen um das biblische Menschenbild, das Grenzen des Lebens nicht ausblende, sowie in dem Bewusstsein, dass die christlich-jüdische Tradition einen Jahrtausende alten Schatz darstelle, der in unserer Gegenwart wirksame Impulse für eine verantwortungsbewusste und lustvolle Gestaltung der verschiedensten beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeiten, aber auch der Freizeit geben könne. Dieses Buch hilft, die Zeichen der Erschöpfung zu erkennen, die Ursachen auszumachen und vor allem - Wege zu finden zu einem aktiven und schöpferischen Leben im Gleichgewicht von Ruhe und Tätig-Sein.

Die Broschüre kann auch im Internet unter www.velkd.de/downloads/burnout.pdf heruntergeladen werden.

zu diesem Thema siehe auch →  Jugendkirche und 'Burn-Out'? Momentan undenkbar!

Matthias Hülsmann: Konfession - Evangelisch Basiswissen
Gütersloher Verlagshaus München (Januar 2009)
191 Seiten, 14,95 Euro

Matthias Hülsmann ist Schulpastor. Das kommt diesem Buch aus der Reihe "Basiswissen" zugute. Er weiss, wie man unkompliziert erklärt und das könnte eine gute Unerstützung für die Teams der evangelischen Jugendkirchen sein, die sich immer wieder mit Fragen konfrontiert sehen, die sie auf Anhieb nicht unbedingt niederschwellig zu erklären vermögen. Die Kapitelüberschriften sind nicht so prickelnd -  zum Beispiel Schöpfung, Auszug, die Evangelien, Reformation, Ethik - Matthias Hülsmann vermittelt kurz, verständlich, schnörkellos und lebensnah die wichtigsten Informationen über das Christentum.

Über Entstehung und Inhalte des Alten und Neuen Testaments, über die zentralen Wendepunkte in der Geschichte des Christentums, über ethische Massstäbe und christliche Spiritualität. Mit seiner anschaulichen Darstellung gelingt es ihm, die Inhalte auf das eigene Leben zu beziehen und deutlich zu machen, wie sie bis heute unser Denken und Handeln beeinflussen.

So wird auf knappen zwei Seiten die wesentliche Erkenntis Luthers erklärt: Sola gratia - allein aus Gnade, wird ein Mensch selig. Durch die Gnade, nicht durch ein gottlgefälliges Leben. Und im Kapitel "Bibel und neuzeitliches Denken" erfährt man dann, ganz schlicht, dass ein Satz wie "Ich glaube an die Bibel" ja nun nicht im Glaubensbekenntis stehte. Kurzum: Das Buch bietet wirklich Basiswissen.
 

 
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