Das Bild der Innenstadt von Saarbrücken ist gezeichnet von einer Reihe barocker Kirchturmhauben, die alle von der Alten Brücke aus gut zu sehen sind. Auf der St. Johanner Seite liegt nahe zur Saar hin die Alte Evangelische Kirche. Diese wurde im Jahre 1727 am Johannistag als neue Kirche der Evangelischen Gemeinde St. Johann eingeweiht. Als in der Mitte des 19. Jahrhunderts das Kirchengebäude zu klein wurde, entschloss sich die Kirchengemeinde zum Bau der Johanneskirche. Damit wurde die ursprünglich Neue zur Alten Evangelischen Kirche.
Im Laufe der Jahrzehnte verlagerte sich das gottesdienstliche Leben immer mehr zur Johanneskirche hin, so dass seit Mitte der neunziger Jahre die Alte Kirche nur noch für besondere Gottesdienste genutzt wird. Zur selben Zeit ist das Diakonische Werk mit verschiedenen Beratungsstellen und der Kleiderkammer in die Gemeinderäume der Alten Kirche eingezogen. Es gab Bestrebungen dafür, die evangelische Jugendkirche an diesem Ort anzusiedeln und sie wurde sogar bereits in der ersten "Nacht der Kirchen" mit dem Projekt "Light and Sound" vorgestellt.
Der überbordende Aufwand, der für einen Umbau in eine funktionelle Jugendkirche aufgebracht werden müsste sowie die enormen Heizkosten sprengten den vorgesehenen Kostenrahmen bei weitem, so dass dieser Plan aufgegeben werden musste. Nahezu ein Jahr schlummerte das JuKi-Projekt, bevor in diesen Tagen neue Anstrengungen unternommen werden, eine geeignete Räumlichkeit zu finden. Als Überlegung tauchte eine gemeinsame Raumnutzung mit der City-Kirche auf.

Das neugotische Gotteshaus ist Ort für ein ungewöhnliches Projekt der evangelischen Kirche. Nach dem kompletten Umbau der Räumlichkeiten im Jahr 1994 ist die "City-Kirche" multifunktionaler Veranstaltungsort. In den hell gestalteten Räumen erfreuen sich kulturinteressierte Besucher an Kino- und Theatervorführungen sowie an Konzerten und Ausstellungen. Die Johanneskirche ist aber weiterhin auch ein Ort der Besinnung und der Gebete. Der sonntägliche Gottesdienst findet um 11.00 Uhr statt.
Während der Öffnungszeiten ausserhalb der Gottesdienste und Veranstaltungen ( täglich ausser Montag von 15-18 Uhr) ist immer eine Ansprechpartnerin oder ein Ansprechpartner in der Kirche. Am Eingang liegt ein Buch bereit, in dem man das, was einen bewegt oder was einem gerade im Kopf herumgeht, niederschreiben kann. Die Johanneskirche soll ein Ort sein, an dem Menschen miteinander reden, beten, feiern, lachen und ins Gespräch kommen können. Mitten in der Stadt soll die Johanneskirche einen Ruhepunkt bieten für die Menschen, die in der Stadt leben und arbeiten - aber auch für diejenigen, die die Stadt besuchen.
Das Projekt Johanneskirche orientiert sich am Bedürfnis der Menschen, zur Ruhe und zu sich selbst zu kommen. Die Gestaltung des Kirchenraums bietet ein Abbild dessen, was hier gelebt wird: das Miteinander von Tradition und Neuerung. Wandel, der sich auf einem ebenso beständigen Fundament, nämlich dem des Glaubens an den einen Gott, vollzieht.
Neben dem Kirchenschiff, das nicht nur als Gottesdienstraum dient, sondern auch zum Feiern sowie als Teil des Projekts "City Kirche" für regelmässig Konzerte, Performances und Diskussionsrunden zur Verfügung steht, also für unterschiedliche Veranstaltungen genutzt wird, lohnt es sich, den Raum der Stille im oberen Zimmer links neben dem Altarraum zu besuchen. Hier kann man die Ruhe, die der Raum ausstrahlt, nutzen - zum Beten, Lesen oder einfach nur zum Erholen, was einem Rückzug ins Private unter den öffentlichen Bedingungen am Nächsten kommt.
"Der Rückzug ins Private betrifft eben fast alle Bereiche des Lebens - da machen Kirche und Politik keinen Unterschied. Der Auftrag, den wir Christen in der Welt haben, ist aber ein anderer. Der Rückzug ins Private ist damit nicht zu vereinbaren. "Suchet der Stadt Bestes" heisst es beim Propheten Jeremia (Jer 29,7)", so Valentina Trützschler, Pfarrerin in Dudweiler, "oder der im 1. Korintherbrief 14,12: ...so trachtet danach, dass ihr die Gemeinde erbaut... "
Nimmt man diesen Auszug aus dem Korintherbrief als Aufforderung, wäre es zumindest wünschenswert, wenn dem Nachwuchs der evangelischen Kirche hier eine Möglichkeit der Zusammenkunft geboten würde. Ob sich eine Jugendkirche tatsächlich in der City-Kirche etablieren kann, ist derzeit noch offen. Die Gespräche sind noch nicht abgeschlossen. Bis zur zweiten Kirchennacht in Saarbrücken werden sie das wohl auch kaum sein. Als "Kirche der Jugend" bietet sich an diesem Tag die katholische St. Elisabeth Kirche mit einem ökumenischen JuKi-Programm an, diese Lücke zu füllen.
* CITY KIRCHE
* Öffnungszeiten
Di. -So.: 15:00 -18:00 Uhr
* Gottesdiesnste
So.: 11:00 Uhr
* Eintritt
frei
* Anfahrt
Saarbahn-Linie S1 bis Haltestelle "Johanneskirche"