
Den bayrischen Landesbischof Johannes Friedrich beschäftigt die Zukunft der Jugendlichen in seiner Kirche: Mit seinem aktuellen Jahresthema "Kinder" macht er Angebote für Kinder und Jugendliche zur "Priorität Nummer eins", denn der Landesbischof sieht es mit Sorge, dass die religiöse Sozialisation der Heranwachsenden in den Familien zusehends schwindet. Jugendliche haben ein Recht darauf, in ihrem Heranwachsen theologisch und pädagogisch begleitet zu werden.
In den eigenen vier Wänden werde kaum noch gemeinsam gebetet, den Kindern würden keine biblischen Geschichten mehr erzählt und der Religionsunterricht lässt in den meisten Fällen auch noch zu wünschen übrig. "Hier müssen wir uns verstärkt anstrengen", sagt Friedrich, "sonst haben wir in 30 bis 40 Jahren den Kontakt zu den Menschen verloren". Evangelische Kindergärten und -krippen sind da für ihn eine doppelte Chance: Orte, an denen die Kinder soziales Verhalten lernen - und singen, beten, von Gott hören.
Eine Altersstufe darüber möchte der Bischof mit der Nürnberger Jugendkirche in St. Lukas jungen Menschen die Gelegenheit geben, neue Gottesdienstformen für sich zu entdecken und selbst zu gestalten. "Wir probieren aus, ob das Sinn macht", sagt Friedrich. Am Ersten Advent möchte er die Jugendkirche einweihen.
Kommen bis 2013 dann wirklich wie angepeilt mehr als 100 Jugendliche in jeden Gottesdienst, soll das Projekt auch anderswo umgesetzt werden. Jugendkirchen sind eine eigenständige Form von Kirche für eine ganz bestimmte Zielgruppe auf Zeit. Partizipation und Selbstorganisation im Sinne evangelischer Jugendarbeit sind ihre Kennzeichen, obwohl die klassische Jugendarbeit das nicht gefährdet, denn die erreiche nur 25 Prozent der Jugendlichen, sagt Friedrich. "Um die anderen 75 Prozent geht’s."
"Früher war der Sonntag ein unangefochtener Wert", sagt der Bischof. Heute sei es vielen wichtiger, auch sonntags Geld zu verdienen. Das werde von der Gesellschaft inzwischen über die Sonntagsruhe gestellt, das habe die Finanzkrise deutlich gemacht. Und dennoch: "Wir haben keine völlig verlotterte Gesellschaft", sagt Friedrich, und technisch ist er der Jugend auf den Fersen, denn auch er hört unterwegs Musik vom MP 3-Player, allerdings "höre ich immer nur Bach".
Neues zur JuKi Nürnberg:→ Songkontest Respect 09 in der Jugendkirche