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Jugendkirche und christliche Popmusik - im Trend? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Dienstag, 20. März 2007
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Die Religion kehrt nach Einschätzung des deutschen Kommunikationswissenschafters und Trendforschers Norbert Bolz in die Popmusik zurück.
 
"Musik stellt für Künstler eine wunderbare Möglichkeit dar, sich auszudrücken und durch ihre Texte in Verbindung mit ihrer Musik etwas zu bewegen", weiss auch die Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien, Monika Griefahn. "Gerade Texte, die sich inhaltlich an Werten wie Glaube und sozialem Engagement  orientieren, besitzen dabei eine besondere Kraft und Ausdrucksstärke. Jungen Menschen wird durch die Musik so die Chance gegeben, sich individuell über die Musik mit christlichen Werten zu beschäftigen und ihre Zuhörer zu erreichen."



 

Viele Interpretinnen und Interpreten könnten genannt werden, die sich mit Gott und dem Christentum erzählerisch und spielerisch auseinandersetzen, hier nun eine minimale Auswahl illustrer Namen: U2 ("I still haven't found what I'm looking for", "In the name of love"), Danielle Brisbois ("What if God fell from the sky"), Pete Seeger ("Turn, turn, turn") benutzt als Lyrics einen Abschnitt aus Kohelet im Alten Testament ("Alles hat seine Zeit"), die CD "Opium fürs Volk" von den Toten Hosen ist ein Paradebeispiel, hier werden häufig biblische Texte (z.B. Vaterunser) zitiert.

rck1.jpgIn Deutschland gebe es inzwischen zahlreiche Künstler, wie z.B. den extrem erfolgreichen Xavier Naidoo, die geradezu programmatisch religiös seien, äusserte Bolz in einem Interview. Die Popkultur habe sich etwas von "sex and drugs and rock'n roll" losgelöst und nehme nun die tieferen Sehnsüchte der Menschen zum Thema, fügte er hinzu. "Ich habe nicht die leiseste Ahnung, woher meine Obsession für Themen wie Schuld und Sünde stammt", wundert sich selbst US-Rocker Bruce Springsteen. "Vermutlich bin ich letztlich nur ein braver katholischer Junge.“

"In unserer Gesellschaft ist es manchmal schwierig, Werten wie Glaube und soziales Engagement genügend Raum zu geben", versucht  Dr. Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zu erklären. "Musik ist ein ausgezeichnetes Mittel, um den Anliegen junger Menschen Gehör zu verschaffen. Wer hat sie noch nicht erlebt, die Begeisterung, mit der junge Menschen gemeinsam musizieren, oder die Brücke, die Musik schlagen kann, selbst wenn keine gemeinsame Muttersprache zu Verfügung steht - die Musik wird selbst zur Sprache."

Nach Auffassung des Wissenschafters Bolz versuchen die Jugendlichen, die im Wohlstand aufgewachsen sind, mit Religiosität das "Vakuum des Kapitalismus" zu füllen. Dabei gehe es ihnen aber vor allem um das Rituelle der Religion, das ihnen Halt gebe. Spezielle Glaubenssätze interessierten kaum; das Wissen über das Christentum sei unter Jugendlichen gering. Aber wer in der Rockmusik Religiöses finden will, der wird nicht lange suchen müssen. Er entdeckt Gott, Jesus, Kirche, Bibel, Sinnfragen in den Liedern, bei den Sängerinnen und Sängern und selbstverständlich in den Wurzeln dieser verbreitetsten Musikrichtung des 20. Jahrhunderts: dem Gospel und dem Spiritual.

Die heutige Rückkehr der Religion in die Popmusik erscheint  somit nicht neu: "Schon immer war Religion fester Bestandteil in der Pop- und Rockmusik“, weiss die Expertin Prof. Ilse Kögler von der theologischen Universität Linz. "Viele der frühen Sänger der
Rock- und Popmusik waren sogar besonders stark in ihren Kirchen verwurzelt." Übersehen wird auch, dass bereits seit den 60er Jahren Popmusik in Kirchenmessen, groenemeyer.jpgvor allem in USA, England und Australien, Einzug gehalten hat. "Obwohl wir hier schon immer etwas hinten nach sind“, so die Musikexpertin.

"Glaube und soziales Engagement, soziale Kompetenz, sind wieder "trendy", bemerkt nicht nur Prof. Dr. Lothar J. Seiwert aus Heidelberg. "Schön, dass man diese Message auch auf musikalische Weise kommunizieren kann. Nur dann kommt sie auch bei der Jugend an."

 
"Bibel ist nicht zum einigeln
die Erde ist unsere Pflicht
sie ist freundlich, freundlich
wir eher nicht
ein Stück vom Himmel
ein Platz von Gott
ein Stuhl im Orbit
wir sitzen alle in einem Boot
hier ist dein Haus
hier ist was zählt
du bist überdacht
von einer grandiosen Welt
Religionen sind zu schonen
sie sind für Moral gemacht
da ist nicht eine hehre Lehre
kein Gott hat klüger gedacht"

Dieser kurze Textauszug aus der neuen Single von Herbert Grönemeyer: "Lied 1 - Stück vom Himmel" macht deutlich, dass Aussagen der Populärkünstler zu christlichen Themen immer direkter ausfallen. „Was sich in letzter Zeit geändert hat, ist, dass sich die Künstler nicht mehr scheuen, ihre religiöse Überzeugung auch öffentlich zu bekunden“, sieht auch Dr. theol. Ilse Kögler, Institutsvorstand für Katechetik, Religionspädagogik und Pädagogik an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität in Linz.

rck2.jpgGrönemeyers Lied könne die Verkrampfung vieler Jugendlicher lösen, die bisher fürchteten "nicht schick" zu sein, wenn sie sich zu Gott bekennen oder sich mit religiösen Fragestellungen befassten, vermutet Bolz. Grönemeyer nutze den neuen Trend möglicherweise bewusst aus, dennoch stecke aber vermutlich eine echte Betroffenheit dahinter, meinte der Forscher.

"Immer wenn es um Sinnhaftigkeit und gelingendes Leben geht, ist Religion im Spiel", so Kögler. "Es liegt aber immer bei den einzelnen Zuhörern, ob sie die Liedtexte als primär religiös einschätzen oder eben nicht."

Dem Gedanken allerdings, dass man mit religiöser Popmusik wieder verstärkt Jugendliche in die Kirche bekommen kann, steht die Theologin Kögler eher skeptisch gegenüber: "Die Idee 'ich spiele die Musik, die euch gefällt und ihr kommt in die Kirche’, funktioniert so nicht."

Man könne durch die Popmusik aber wieder ins Gespräch kommen. "Es gibt eine Chance, dass sich Jugendliche wegen der religiösen Musik wieder mehr mit dem Glauben auseinandersetzen", sagt Ilse Kögler. Wichtig sei dabei, dass Religion nicht bloss als Kalkül eingesetzt werde: "Vor allem Jugendliche merken es schnell, wenn etwas nicht authentisch ist."
 
 
 
Hier noch ein Hinweis für alle Musiker oder solche, die es werden wollen: 

Für den Förderpreis für elektronische Musik in der Kirche VERS.1.3 sucht das Popbüro auch in diesem Jahr wieder Musiker, die elektronische Musikstücke für einen Kirchenraum produzieren. Einsendeschluss ist der 15. Mai 2007.

Die Kompositionen können z.B. Loops, Grooves und Samples enthalten und sollen mit der räumlichen Akustik und Wirkung einer Kirche verbunden werden.

Eine Jury, bestehend aus Kay Johannsen (Kantor der Stiftskirche), Siegfried Bauer (Amt für Kirchenmusik, Ev. Landeskirche in Württemberg), Hans-Peter Jahn (SWR - Neue Musik), Prof. Jürgen Essl (Musikhochschule Stuttgart), Robin Hofmann (Pulver Records/Dublex Inc.) und Jörg Koch (onitor records), wählt die herausragendsten Stücke aus.

Diese werden am 15. Juni 2007 um 19 Uhr bei der "Stunde der Kirchenmusik" in der Stuttgarter Stiftskirche der Öffentlichkeit präsentiert. Vier ausgewählte Teilnehmer erhalten Förderpreise in Höhe von je 500 Euro.

Maximal 3 Stücke können inkl. Lebenslauf, Bild und vollständigen Kontaktdaten elektronisch an \n Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können oder per Post an das Popbüro geschickt werden! Zugelassen sind alle Bewerber mit Wohnsitz in Baden-Württemberg.

Popbüro Region Stuttgart
Im Römerkastell
Naststr. 11a
70376 Stuttgart

Telefon 0711-489097-12
Telefax 0711-489097-29

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http://www.popbuero.de

 
 
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