Der Kirchentag, das Parlament der Bremischen Evangelischen Kirche, tagte heute, den 26. November im Gustav-Heinemann-Bürgerhaus in Vegesack. Ab 9 Uhr berieten die 171 Delegierten aus Gemeinden und Einrichtungen und diskutierten Zukunftsthemen der Kirche. Auf der Tagesordnung standen auch der Haushaltsplan, die Weiterführung der Kulturkirche St. Stephani sowie das Thema Armut und Reichtum in Bremen, das die BEK zum wichtigsten Thema für die Dauer der gesamten Amtszeit des Kirchenparlaments bis 2012 erklärt hat sowie die finanzielle Anschubfinanzierung der Jugendkirche für das Jahr 2009.
Das Parlament der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) hat ohne Gegenstimmen einen Haushalt für 2009 verabschiedet. Der Etat mit knapp 70 Millionen Euro ist rund zehn Prozent höher als im laufenden Jahr. Angesichts gestiegener Kirchensteuereinnahmen gebe es trotz Finanzkrise "keinen Grund, in Panik zu verfallen", sagte Schatzmeisterin Bärbel Ludewig.
Die Synodalen beschlossen zudem, angesichts gewachsener Rücklagen nach Jahren der Kürzungen mittelfristig wieder mehr Geld für Personal auszugeben. Ludewig sagte, die Kirche habe 2008 ausgesprochen starke Einnahmen verbucht. In den ersten zehn Monaten seien die Kirchensteuern um zehn Prozent gegenüber den schon im Vorjahr hohen Einnahmen gestiegen. Die Aussichten für 2009 seien allerdings unsicher.
Der Etat könne aufgrund der seit zwei Jahren gestiegenen Kirchensteuer-Einnahmen und gewachsener Rücklagen "mit ruhigem Gewissen" ausgeweitet werden, gab die Schatzmeisterin bereits am Dienstag bekannt. Sie hat mehr Geld eingeplant, um alte Kirchen wie den St.-Petri-Dom in Bremen und die Grosse Kirche in Bremerhaven zu sanieren sowie Kindergärten auszubauen und zu modernisieren.
Die 64 Gemeinden sollen für ihre Arbeit einmalig eine Million Euro mehr bekommen. 150.000 Euro fliessen in einen Fonds, mit dem Projekte gegen die wachsende Armut im kleinsten Bundesland finanziert werden sollen. 180 000 Euro sind für die Gründung einer Jugendkirche im Bremer Westen vorgesehen.

Es sollen mit dem Vorhaben auch Jugendliche angesprochen werden, die bislang mit Kirche nicht so viel am Hut hatten. In der Jugendkirche in Bremen-Gröpelingen, Seewenjestrasse 98, soll unter anderem mit neuen religiösen Ausdrucksformen exprimentiert werden. Ausserdem soll es dort Unterstützung bei der Berufsorientierung und bei Problemen geben. Wer Interesse hat, kann sich auch auf ein kulturelles Programm und sportliche Angebote freuen. Für das leibliche Wohl wird zudem gesorgt: Es wird einen Mittagstisch geben. Die Jugendlichen können zum guten Gelingen beitragen.
Auch das Personal in den Tagesstätten wird aufgestockt. Die Synode folgte damit einem Antrag der Friedensgemeinde, nach dem in den nächsten fünf Jahren jeweils zusätzlich 2,5 Millionen Euro für Personal ausgegeben werden sollen. Diese Kosten würden durch die Stadt refinanziert, erläuterte die Finanzexpertin.
Die Gemeinden und die Kulturkirche St. Stephani sollen mehr Mittel bekommen: Die Synode beschloss die Fortführung des Projektes Kulturkirche in der innenstadtnahen St.-Stephani-Kirche, das zunächst auf Ende 2009 befristet war. Sie soll nun weitere fünf Jahre fortbestehen - ab 2010 gibt es dafür jährlich 250 000 Euro für Personal, Programm und Betrieb und damit rund 60 000 Euro mehr als bisher.
Die seit Jahren trotz zuletzt gestiegener Steuereinnahmen angespannte Haushaltslage der Kirche war Anstoss für die geplante Fusion von drei Kirchengemeinden, die sich zu zwei Verbünden zusammenschliessen wollen. Auch darüber hatten die 171 Delegierten des Kirchenparlamentes zu beschliessen.
Noch hat die Bremische Evangelische Kirche 64 Kirchengemeinden mit knapp 235.000 Mitgliedern. An der Spitze stehen die ehrenamtliche Kirchenpräsidentin Brigitte Boehme und der leitende Theologe, Schriftführer Renke Brahms.