
"Mit dem traditionellen Kirchengesangbuch und den darin enthaltenen Gebeten erreicht die Kirche nur einen Bruchteil der Menschen", vermutet der Ostschweizer Jungautor. Sein 'Gebetbuch für Jugendliche', soll auch der Jugendkirche einen Weg aufzeigen, wie sie mit Jugendlichen ins Gespräch kommen können.
"Meine Texte sollen immer etwas mit dem Sinn des Lebens zu tun haben. Es soll darum gehen, wie wir unsere Werte im Alltag umset- zen. Zugegeben, ich übertreibe oft und benutze Figuren, die in Extremsituationen geraten. Aber wenn man an moralische oder psychologische Grenzen gelangt, lernt man auch viel über sich selbst. ... Alles, was ich schreibe, findet in der Realität statt - wenn auch oft in einer etwas übersteigerten", bekennt Stephan Sigg und: "Ich provo- ziere gerne, was die Leute zunächst überrascht. Dann entstehen aber oft spannende und tiefgründige Gespräche über Ethik und Moral."
Im neuen Gebetbuch für Jugendliche wird Jesus zum DJ mit dem Sound, der nie aus der Mode gerät, und Gott wird gebeten, eine E-Mail zu schicken mit einer Portion Hoffnung im Attachement. Das Buch heisst "Treibstoff: Zündende Gebete zu brennenden Fragen" und orientiert sich am Wortschatz der Jugendlichen. Es ist stark geprägt von der Rap- und Hip-Hop-Sprache. "Ich bin ein sehr kritischer Mensch, der aus der realen Welt kommt. Ich will wissen, wie wir die Bibel zeitgemäss vermitteln und möglichst viele Menschen

erreichen können", so Sigg

Laut Stephan Sigg greift das neue Buch mit insgesamt 48 Gebeten ganz verschiedene Themen auf. Liebe, Freundschaft, Talente und Beruf kommen genau so zur Sprache wie die Frage, ob es einen Gott gibt. Und die Armut beispielsweise wird mit dem Brot-Rap thematisiert:
"Kann es nicht verstehn, will es nicht mehr sehn, dass wir in Luxus leben, ohne andren was abzugeben. Ich hoffe es geht in eure Schädel rein. Brot für die Welt. Und ganz viel Geld."
Eugen Runggaldier, Jugendseelsorger der Diözese Bozen-Brixen, vergleicht das Buch mit Boxenstopps. "Solche Stopps braucht es nicht nur beim Autorennen, sondern auch im täglichen Leben" meint er. Das neue Gebetbuch liefere den "Treibstoff", um aufzutanken, da der ernsthafte Inhalt und die moderne Sprache mit Ausdrücken aus der Jugendszene für den 24-jährigen Stephan Sigg keinen Widerspruch darstellen. "Was ich hier zeige, sollte eigentlich der Normalfall sein", meint Sigg. "Eine moderne, zeitgemässe Sprache zu verwenden, ist das A und O, wenn junge Leute mit religiösen Fragen und Themen konfrontiert werden sollen."