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Jugendkirche will im "Heute" leben PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Montag, 3. November 2008
Dekan Hans-Martin HeinemannSind Traditionen jetzt in Gefahr? "Bei allem Respekt gegenüber unseren Vorfahren: Mittlerweile sind wir als Kirche im 21. Jahrhundert angekommen und müssen im Heute leben, nicht im Museum", sagte der evangelische Dekan Hans-Martin Heinemann im Rahmen der Wiesbadener Dekanatssynode. Mit einer evangelischen Jugendkirche soll die Attraktivität bei jungen Leuten gesteigert werden. Die Synode, die am Mittwoch im Bonhoefferhaus stattfand, ist ein regelmässig tagendes Parlament und Instrument der kirchlichen Selbstverwaltung.

Im Gegensatz zur hierarchisch verfassten katholischen Schwesterkirche, in der im Zweifelsfall der Bischof das letzte Wort hat, verfolgt die Evangelische Kirche einen demokratischen Weg zur Entscheidungsfindung. So wird beispielsweise eine evangelische Gemeinde von gewählten Vertretern im Kirchenvorstand geleitet und nicht vom Pfarrer.

Durch alle Prozesse der Entscheidungsfindung zieht sich dieses Prinzip der dreistufig aufgebauten Kirche: von der Gemeinde über die Dekanate bis zur Gesamtkirche. Macht sie dieses Verfahren schwerfälliger oder demokratischer? Vielleicht ist es ein bisschen von beidem - auch deshalb wird derzeit in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) über die Neufassung der Kirchenordnung gestritten.

Die Kirchenordnung liefert die Gestaltungsgrundlage der Kirche und ihrer Gemeinden. Bisher konnte beispielsweise in allen Gemeinden diskutiert und bestimmt werden, ob Segnungen homosexueller Paare in einer Gemeinde gestattet sein sollten. Skeptiker fürchten, dass derartige Beschlüsse nach der neuen Ordnung nur noch von der oberen Leitungsebene der Kirche gefasst werden könnten. Solche Annahmen entbehrten jeder Grundlage, sagte Dekan Heinemann: "Keiner will die Gemeinden schwächen."

Könnte die EKHN durch die Änderungen katholischer werden? Zumindest, dass aus der bisherigen Bezeichnung "Kirchenpräsident" die Amtsbezeichnung "Bischof" werden soll, sehen Kritiker als Angriff auf EKHN-Traditionen. Noch bis zum 31. Dezember können Einwendungen und Verbesserungsvorschläge zum Entwurf der Kirchenordnung eingereicht werden. Einzusehen ist der Text im Internet unter www.ekhn.de.

In einem weiteren Tagesordnungspunkt der Synode wurde die Beauftragung eines Arbeitskreises zur Verbesserung der religionspädagogischen Angebote besonders für Berufsschulen beschlossen. Wilfried Jungbluth vom Religionspädagogischen Amt in Wiesbaden sieht noch zahlreiche Lücken bei der Versorgung der Schulen mit Religionsunterricht. Es mangelt an Lehrkräften - und mancherorts auch an überzeugenden inhaltlichen Konzepten.

Um Kirchen an den Schulen mehr Präsenz zu verleihen, wird überlegt, nachmittäglich Angebote von den Kirchen zu etablieren. Mit einer evangelischen Jugendkirche soll die Attraktivität bei jungen Leuten gesteigert werden. Nach Angaben des Öffentlichkeitsreferenten Roger Töpelmann soll eine Gemeindekirche als Jugendkirche mitgenutzt werden. Die geplante Jugendkirche soll dem Konzept zufolge vor allem Gottesdienste, Nächte der Lichter und Stillezeiten veranstalten und weitere geistliche Angebote machen. Auch Seminare und ein Bistrobetrieb sind vorgesehen.

Die EKHN begrüsse Initiativen für Jugendkirchen, sagte ihr Sprecher Stephan Krebs. Die Kirche müsse aus ihrer Milieuverengung herausfinden und mehr junge Menschen ansprechen. Jugendliche hätten eine eigene Sprache, Musikvorlieben und Kultur. Die Kirche wolle Jugendlichen auch nach der Konfirmation altersgemässe Angebote machen, so der Dekan Hans-Martin Heinemann.

Die Dekanatssynode hat dem massgeblich vom Stadtjugendpfarramt vorbereiteten Konzept zugestimmt. Angesprochen werden sollen Jugendliche und junge Erwachsene aus Wiesbaden, dem Rheingau und Untertaunus. Wie die erweiterte Jugendarbeit finanziell zu realisieren sein wird, muss noch geprüft werden. Der Dekanatshaushalt war im Haushaltsjahr 2007 ausgeglichen. Die Ausgaben und Einnahmen des Dekanats weisen eine Summe von drei Millionen €uro aus.
 
 
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