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Jugendkirche Hamm on tour PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Donnerstag, 25. September 2008
jugendkirche hamm
Die JuKi-Bewegung wird inzwischen lediglich von wenigen "Versprengten, Realitätsfernen oder abgeschieden Lebenden" noch für eine nur durch die Chaostheorie zu erklärende Anomalie innerhalb der christlichen Kirchen gehalten, ist sich doch der Grossteil der für die Geschicke der Kirche Verantwortlichen wohl bewusst, dass der religiöse Gemeindeverbund im herkömmlichen Sinne ausgedient hat. Benachbarte Kirchengemeinden, die kooperieren, schärfen ihr eigenes Profil und profitieren zugleich von den Stärken der anderen Gemeinden. So können sie sich besser an den Bedürfnissen der Menschen orientieren und sich dementsprechend spezialisieren.
 
Der Reformprozess, in dem sich die EKvW seit nunmehr acht Jahren befindet, ist in einer Phase der Klärungen und Umsetzungen. Die vielen Veränderungen sollen jetzt im Leben der Kirche auf allen Ebenen Wurzeln schlagen. Der Pfarrbezirk Apostelkirche kehrte zum Bezirk Christuskirche der Kirchengemeinde Hamm zurück. Es wird über eine neue Nutzung des Gebäudekomplexes, z.B. in Form einer "Jugendkirche" nachgedacht.

Präses Alfred Buss sprach sich unter dem Motto: "Kirche mit Zukunft - es geht weiter!" dafür aus, die vielfältigen Angebote des kirchlichen Lebens stärker aufeinander zu beziehen. "Wir müssen weg von dem Zwang, dass alle alles machen", sagte der leitende Theologe der EKvW. Ebenso sollte die Kirche "weg von starren Strukturen, hin zur Beweglichkeit" betonte Buss und nannte als Beispiel die Idee der Jugendkirche, die in Westfalen bislang noch nicht ausreichend umgesetzt worden ist. Gemeint ist damit eine Kirche mit einem Programm, das ganz auf junge Leute zugeschnitten ist.

Nach Überzeugung von Superintendent Peter Burkowski kann die westfälische Landeskirche den grossen Herausforderungen der Zukunft selbstbewusst und mit Gottvertrauen begegnen. Burkowski, der den Reformprozess massgeblich mitgeprägt hat, betonte, wie wichtig eine nüchterne Bilanz der Situation sei: "Auch wenn es manchmal viel bequemer wäre, den Realitäten auszuweichen, die Entwicklungen beiseite zu schieben oder den Prognosen zu misstrauen - wir dürfen den Wirklichkeiten nicht ausweichen." Zu solcher Klarheit habe der Reformprozess stark beigetragen.

"Wir brauchen vor einer Beschreibung der Qualität unserer Arbeit insgesamt keine Angst zu haben. Auf vielen Feldern sind wir wirklich gut." Verbessert habe sich in den vergangenen Jahrzehnten die Qualität des Konfirmandenunterrichts und der Schulgottesdienste ebenso wie die Qualität der seelsorglichen Gespräche. Gleichzeitig rief Burkowski zu einem Mentalitätswandel auf - mit dem Ziel, "eine einladende Kirche zu sein, zu der wir von Herzen gern einladen, über die wir gern öffentlich sprechen, in der etwas vom Geist der Freiheit spürbar ist und nicht der Sorgengeist regiert oder die Klage darüber, dass früher alles besser war." Notwendig seien selbstkritische Fragen, etwa nach einer verständlichen Sprache, nach dem Eingehen auf die verschiedenen Milieus und Lebensformen und nach dem "wirklichen Interesse" an den Menschen, die der Kirche fern stehen.

"Der Reformprozess geschieht nicht um seiner selbst willen - er geschieht auch nicht um unseretwillen. Er geschieht noch nicht einmal um der Kirche willen", sagte Präses Buss im Gottesdienst zum Abschluss des Hammer Reformtages: "Er geschieht um Gottes und der Menschen willen. Der Reformprozess geschieht, dass alle Menschen von der Hoffnung erfahren, die in uns ist": die Hoffnung, die von Jesus Christus gegeben wurde. Die EKvW, heute mit 2,6 Millionen Mitgliedern viertgrösste deutsche Landeskirche, wird nach demographischen Schätzungen bis 2030 etwa ein Drittel weniger Mitglieder haben, aber nur noch die Hälfte ihrer jetzigen Finanzkraft.

"Das bisher katastrophale Image der katholischen Kirche in Deutschland hat sich durch den Weltjugendtag verbessert", sagt Matthias Sellmann von der Katholischen Sozialethischen Arbeitsstelle in Hamm. "Es war nicht mehr peinlich für Jugendliche mit der katholischen Kirche gesehen zu werden", so Sellmann. Der Religionssoziologe Karl Gabriel vom Institut für Christliche Sozialwissenschaften an der Universität Münster weist darauf hin, dass der Weltjugendtag in Köln gezeigt habe, dass es "auch im säkularen Deutschland öffentliche Religion gibt".

Die katholische Kirche will diese Chance nutzen. "Man kann selbstverständlich das Ereignis von Köln nicht festhalten, aber es gehen in Deutschland immer noch positive Wirkungen davon aus", wesentlich mehr als von Sydney. Auch Karl Kardinal Lehmann hofft auf "eine neue Nähe zur Jugendarbeit im Alltag der Gemeinden, wo alte Wege verlassen und neue beschritten werden müssen".

"Jugendliche werden in Gemeinden oft abgewehrt."

Neue Wege müssen viele Gemeinden vor allem in der Jugendarbeit gehen. "Jugendliche werden in Gemeinden oft abgewehrt", so Religionssoziologe Sellmann. Er ist überzeugt: "Der römisch-katholische Glauben kann jugendgerechter aufbereitet werden - mit ganz einfachen Mitteln." Ein erster Schritt sei es, Gottesdienste nicht nur am Sonntagmorgen zu feiern.
 
Weit über 100 Jugendkirchenprojekte in Deutschland - sowohl katholische als auch evangelische - machen vor, wie man Jugendliche für Kirche und Glauben begeistern kann. Gottesdienste zu jugendfreundlichen Zeiten, zum Beispiel am Sonntagabend, sind Teil ihrer Konzepte. Kirche ist nicht mehr dort präsent, wo junge Menschen ihre Freizeit verbringen. Die Kirche muss sich auf dem Markt vieler Freizeitangebote behaupten. Der Gottesdienst in seiner vielfältigen Form ist dabei aber immer die Mitte der Jugendgemeinde.

Am 19. September findet der nächste Jugendgottesdienst der Jugendkirche Hamm statt, zu dem alle Jugendlichen des Kirchenkreises herzlich eingeladen sind. "Wir schaffen Raum für Begegnungen: hinhören, erzählen und menschenfreundlich miteinander umgehen im Licht der Liebe Gottes."
Jugendgottesdienst der Jugendkirche Hamm
Freitag, 19. September 2008
Beginn 19:00 Uhr
Veranstalter
Jugendkirche Hamm
Bonhoeffer-Haus Nordbögge
zu diesem Thema:
Der Kirchenkreis Hamm "baut Jugendkirche auf"

'Projekt Jugendkirche' in Hamm wird vorangetrieben
weiere Infos:
Jugendreferat
Geschäftsführung: Volker Alteheld
Büro: Cordula Hess
Martin-Luther-Str. 27 b, 59065 Hamm
Telefon (0 23 81) 142-165
Telefax (0 23 81) 142-100
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