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Jugendkirche weiss: Nichts ist mehr, wie es war PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Dienstag, 30. September 2008
Dr. Stefan Vesper, Generalsekretär des ZdKDer Festakt "80 Jahre ND auf der Marienburg Niederalfingen" begann an einem Sonntag um 11.30 Uhr. Wochen lang entwarf ein Festkomitee der Gemeinschaft katholischer Männer und Frauen ein attraktives Drei-Tages-Programm. Bei dieser Gelegenheit sprach Dr. Stefan Vesper, Generalsekretär des Zentral-Komitees der deutschen Katholiken (ZdK), klare Worte zum Thema "Kirche lebt. Mit uns! - Von der Zukunft der katholischen Verbände".
 
"Die Eigenständigkeit der katholischen Verbände ist für die Kirche unverzichtbar - aber nichts wird mehr wie es war". Auf diesen Nenner brachte er es in seinem Referat über die Zukunft kirchlicher Verbandsarbeit. Die Aussagen dieses Grundsatzreferats sind durchaus über weite Strecken hinweg auch auf die jugendkirchliche Arbeit umzumünzen.

Das Fest sollte die abenteuerliche Geschichte der "Marienburg" - wie sie von den Mitgliedern des Bundes genannt wird - widerspiegeln. Der nach dem Ersten Weltkrieg in Köln gegründete Bund hat sich als katholische Jugendbewegung über ganz Deutschland ausgebreitet. Das Gruppenleben war vom religiösen Programm, aber auch von Lagerfeuer-Romantik in den Zeltlagern geprägt.

Die Burg Niederalfingen hallte wider von Sängerwettstreiten, amüsanten Sketchen und Theaterszenen. Unterbrochen wurde das bündische Leben, als 1936 die Hitlerjugend von der Burg Besitz ergriff. Ältere ND-Mitglieder erinnern sich noch an handgreifliche Auseinandersetzungen, die erst endeten, als alle kirchlichen Jugendverbände aufgelöst und in die HJ übergeführt waren. Nach Kriegsende 1945 begann rasch wieder neues Leben auf der Burg.

Nicht nur ND-Gruppen verbrachten hier Ferienwochen, auch viele Jugendliche über die Verwendung der Burg als Schullandheim. Inzwischen kommt auch die "Katholische Studierende Jugend" (KSJ) gern. Sie gestaltet das Fest mit, das am Freitag, 29. August, begann. Man lernte den Skulpturenpfad, das Museum und das Besucherbergwerk am Braunenberg kennen.

In einer "Stunde des Bundes" wurde mit einem Programm zur ND-Geschichte und zur heutigen Bedeutung der Burg für die KSJ und die KMF (Katholische Männer und Frauen) der Bogen von der Vergangenheit zum Hier und Heute gespannt. Eine Kunstausstellung mit Werken der ND-Mitglieder Sieger Köder, Raphael Seitz und Helmut Schuster wurde ebenso angeboten wie eine Burgführungen und mittelalterliche Spiele der KSJ im Burggraben.

Von den 25,7 Millionen Katholiken in Deutschland besuchen lediglich noch 3,6 Millionen regelmässig den Sonntagsgottesdienst. Aber: In den 130 kirchlichen Verbänden sind indessen 4,5 Millionen aktiv, also mehr als Gottesdienstbesucher. Mit diesem Hinweis unterstrich Dr. Vesper die Bedeutung der Verbände, die das Zentralkomitee vertritt.

Ein Kulminationspunkt seien die Katholikentage, wo die Teilnehmer vor allem das Gemeinschaftsgefühl schätzen. Aber ein katholisches Milieu gebe es nicht mehr. "Ein struktureller Erneuerungsprozess ist im Gange", so Vesper. Dabei gelte es, sich auf eine neue Zeit einzustellen. Aber manche Gemeinden drehten sich um sich selbst, seien zu wenig offen für Aussenstehende.

"Wenn Christen in einem Land zur Minderheit werden, dürfen sie sich nicht mit dem Erreichten zufrieden geben, sondern müssen sich mit Arbeit, Anstrengung und Anpassung auf eine neue Zeit einstellen", so die Forderung von Vesper. Keinesfalls dürfe es ein Zurück hinter das Zweite Vatikanum geben.

Gefragt seien eine Theologie der Offenheit und eine Kollegialität der Bischöfe. "Darum bemüht sich das ZdK und strebt deshalb ein Zukunftsgespräch mit ihnen über die Herausforderung der Umbruchsituation an", sagte Vesper. Lösungen gebe es nur über die Diözesen hinaus. Vesper sah in diesem Umstrukturierungsprozess jedoch auch eine Chance. Zukunftssicherung gebe nur, "wenn wir die Fragen der Menschen beantworten. und Zukunftsfähigkeit nur, wenn wir Gemeinschaft sind". Das sei vor allem im Hinblick auf die Jugend unverzichtbar, genauso wie die Eigenständigkeit der Verbände: "Diese müssen machen, was passiert".

Zu Beginn des Festaktes hatte Landrat Klaus Pavel die Hoffnung geäussert, dass auch in der jungen Generation von heute christliche Werte wieder ihren Platz finden. Er gratulierte gleichzeitig im Namen des Hüttlinger Bürgermeisters zum Jubiläum, desgleichen Gertrud Reinhard für den Heliand-Bund. Für die tolle Vorarbeit und Organisation des Jubiläums dankte Dr. Paulus insbesondere Bernd Brasse und seinem Team. Im vorausgegangen Festgottesdienst bekannte der Hauptzelebrant, Abt Dr. Norbert Stoffels, wie er über ND und die Burg Mönch in Neresheim geworden war.

Durch den Bund ND seien einst viele Jugendliche als Gemeinschaft von lebendigen Christen geprägt worden. "Stimmt dies auch heute noch?" fragte er. In Anlehnung an ein Pauluswort sei es geboten, einander in gegenseitiger Achtung zu begegnen und anzunehmen. "In Liebe Gott und den Nächsten fürchten". Diese Grundhaltung fehle heute leider auch vielfach in der Kirche.
    
Generalsekretär Dr. Stefan Vesper
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Marienburg Niederalfingen
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Schullandheim
Fuggerstrasse 12, 73460 Hüttlingen
Telefon: 07361 / 780950
Fax: 07361 / 77626

 
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