Jugendliche aus ganz Deutschland, die in ihren landeskirchlichen Jugendvertretungen Verantwortung für das ökumenische Engagement der nächsten Generation tragen, bereiteten sich am Wochenende in einer gemeinsamen Tagung der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e. V. (aej) mit dem Ökumenischen Jugendrat in Europa (EYCE) auf die beiden grossen politischen und kirchenpolitischen Herausforderungen des kommenden Jahres vor: die Wahlen zum Europäischen Parlament und die Vollversammlung der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), die den ökumenischen Kurs für den wichtigsten kirchlichen Zusammenschluss in Europa neu festlegen wird. Entsprechend breit war das Themenspektrum aus den beiden Feldern der Ökumene und der Europapolitik. Die Vielfalt der von den Jugendlichen übernommenen Aufgaben reichte vom Engagement der Evangelischen Jugend in der Ökumenischen Dekade zur Überwindung von Gewalt über den gemeinsamen Einsatz für die Erreichung UN-Milleniumsentwicklungsziele bis zur kritischen Überprüfung der 2007 in Sibiu geäusserten Selbstverpflichtungen der Kirchen aus der Schlussbotschaft der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung.
Auch die Beiträge zum Europäischen Jahr des Interkulturellen Dialogs 2008 und die Einbindung der Selbstvertretungsstrukturen der landeskirchlichen Evangelischen Jugend der Landeskirchen in das jugendpolitische Handeln der aej und ihres europäischen Dachverbandes EYCE standen auf der Tagesordnung. Ziel: Im Vorfeld der Europawahl 2009 eine bessere Mitwirkung in europäischen jugendpolitischen Entscheidungsprozessen zu erreichen und die Umsetzung der gemeinsamen Initiativen der religiösen Jugendverbände im Europäischen Jugendforum (YFJ) abzustimmen. Doris Klingenhagen, aej-Referentin für europäische Jugendpolitik, informierte die Jugendvertreter(innen) über die aktuellen Angebote der aej zur europapolitischen Bildung. Darunter die neue zweisprachige Ausgabe der Zeitung "youngstars", die von Jugendlichen aus mehreren europäischen Staaten gemeinsam erstellt wird. Erste Erfolge gebe es bei der Identifikation potenzieller Kooperationspartner aus dem non-formalen Bildungsbereich, die eine übergreifende Verwendung der Materialien aus der Jugendarbeit auch in den beteiligten Schulen erproben werden, unterstrich Klingenhagen.
Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland soll im Herbst auch junge Delegierte zur KEK-Vollversammlung 2009 berufen. Die für das unverzichtbare Training und gegenseitige ökumenische "Empowerment" notwendige Konzeption präsentierte Dirk Thesenvitz, Referent für internationale ökumenische Jugendarbeit der aej. Mit den speziellen ökumenischen Vorbereitungskursen der aej und des EYCE wird die Mitwirkung junger "Laien" und Theolog(inn)en in kirchlichen Netzwerken und Strukturen qualifiziert. Grossen Wert legen beide Veranstalter deshalb auf die Vernetzung der jungen Delegierten in ihren eigenen Jugendverbänden, damit die seltene Gelegenheit eines offiziellen Mandates in einem internationalen kirchlichen Entscheidungsgremium nicht allein der biographischen Bereicherung der Betroffenen dient, sondern mit der demokratischen Struktur der vorschlagenden Organisationen verknüpft bleibt: "Wir sorgen für echte "Repräsentativität", das mindert nicht zuletzt auch das Problem der "ökumenischen Eintagsfliegen", der Jugenddelegierten, die über persönliche Beziehungen an Mandate gelangen und nach ihrem Einsatz nicht mehr auffindbar sind", so Thesenvitz, der sich besonders für die Möglichkeiten der Nacharbeit mit den Rückkehr(inne)n solcher Delegationen einsetzt.
Begeistert zeigte sich die Vizepräsidentin des Ökumenischen Jugendrates in Europa, Petra Schnabel, vom Engagement der jungen Ökumene in Deutschland: "Nach der Partizipationsmisere in Sibiu, als bei der Europäischen Ökumenischen Versammlung 2007 eine echte Mitbestimmung der zu tausenden entsandten Delegierten schlicht nicht vorgesehen war (siehe →
JuKi enttäuscht), steigt nun der Druck auf die KEK, eine wirksame Form der Beteiligung der jungen Generation für die kommende Vollversammlung in Lyon zu gewährleisten. Die deutschen Jugendvertreter(innen), die ich hier getroffen habe, vertreten eine Vielzahl ökumenischer Initiativen auf allen Ebenen der Evangelischen Jugend in Deutschland, und diesmal werden sie sich nicht nur mit einem Posten als Helfer (-innen) in einem Stewardprogramm abspeisen lassen."
Von der Brüsseler Zentrale des EYCE angereist war Daniel Kunz aus der Evangelischen Kirche im Rheinland. Gemeinsam mit der dänischen Generalsekretärin Rebekka Højmark Jensen organisiert der 24-Jährige zurzeit im Rahmen seines Europäischen Freiwilligendienstes die administrative und politische Drehscheibe der ökumenischen Jugendbewegung in Europa, der christliche Jugend- und Studierendenverbände aus dreissig Ländern innerhalb und ausserhalb der EU angehören. Einen Schwerpunkt seines Engagements setzt er im Interreligiösen Dialog: "Im Gespräch mit jungen Muslimen können wir auf beiden Seiten unsere religiösen Auffassungen überprüfen und Traditionen aufdecken, die unser Denken in den Fundamentalismus führen können. Dabei ist die Situation in den verschiedenen Europäischen Ländern sehr unterschiedlich: in Belgien gibt es sogar eine Initiative der Evangelischen Allianz gegen religiösen Fundamentalismus - das ist ein wichtiger Beitrag zum Jahr des Interkulturellen Dialogs!"