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Jugendkirche schockierend sorglos? |
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Geschrieben von pierre roh
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Freitag, 29. August 2008 |
Aids ist auf dem besten Weg, seinen Schrecken zu verlieren: Rund 30 Jahre nach der Entdeckung der Immunschwäche- Krankheit droht sich vielerorts eine schockierende Sorglosigkeit einzuschleichen. Aus diesem Grunde will mit speziellem Informations- und Erziehungsmaterial der Weltkirchenrat die Aids-Aufklärung in Gotteshäusern und Gemeinden fördern - denn nur weil das Virus, zumindest in den Industrienationen, mittlerweile mit Medikamenten eingedämmt werden konnte, handelt es sich dessen ungeachtet um eine tödliche Seuche, die jährlich rund zwei Millionen Menschen dahinrafft.
Um so wichtiger erschien es, dass die Aufklärungs-Aktion unlängst während der ökumenischen "Faith in Action Now!"-Konferenz in Mexiko vereinbart werden konnte. Über 500 Repräsentanten ökumenischer Organisationen, die sich im Vorfeld der 17. Internationalen Aids-Konferenz vom 3. bis 8. August in Mexico City trafen, haben die Lancierung dieser weltweiten Kampagne angekündigt. Sie soll Kirchen helfen, im Umgang mit HIV und Aids-Kompetenz zu erwerben.
Umfangreiches Beratungsmaterial solle weltweit an christliche Gemeinden und verwandte Institutionen verteilt werden. Das Broschürenpaket werde zum Weltaidstag am 1. Dezember bereit stehen, teilte der Rat (World Church Congress/WCC) am Mittwoch in Genf mit. In einem ersten Schritt sollen gemeinsam Materialien für den Welt-Aids-Tag erarbeitet werden. Zudem sollen Gruppen und Gemeinschaften Instrumente zur Einschätzung ihres Umgangs mit HIV und Aids zur Verfügung gestellt werden.
Das Konzept einer "HIV-kompetenten" Kirche bezieht sich auf die Fähigkeit von Glaubensgemeinschaften, die HIV-Verbreitung einzudämmen, das Leben von Betroffenen zu erleichtern sowie Hoffnung und Würde zu fördern. Ziel der Informationskampagne für eine "HIV-kompetente Kirche" sei es, einen angemessenen Umgang mit den Erkrankten zu unterstützen.
Auch gehe es darum, "aus schädlichen Traditionen und kulturellen Gepflogenheiten" auszubrechen, die die Verbreitung des Aids-Virus begünstigten, sagte der Vorsitzende Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche im südlichen Afrika, Bischof Johannes Ramashapa. Ein Schwerpunkt der Kampagne liege auf Afrika, das von allen Kontinenten am stärksten von der Immunschwäche betroffen ist.
Kondome seien nicht in den Info-Paketen erhalten, wohl aber Informationen zum Gebrauch des Präventions- und Verhütungsmittels. "Wir informieren unsere Mitglieder über alle wissenschaftlich erprobten Mittel im Kampf gegen Aids", sagte dazu der Vorsitzende des WCC-Gesundheitsreferats, Manoj Kurian. Zum Weltkirchenrat gehören weltweit 349 Mitgliedskirchen mit tausenden von Gemeinden.
Das Treffen hatte in Mexiko-Stadt unmittelbar vor Beginn der dort tagenden Weltaidskonferenz stattgefunden, an der sich die Kirchen aktiv beteiligten. Bischof Hanson, der Präsident des Lutherischen Weltbundes, betonte den Kampf gegen die Diskriminierung von HIV-positiven Menschen und speziell die Notwendigkeit der Gleichstellung von Frauen, um der Epidemie beizukommen. "Menschen mit HIV müssen vollwertige Mitglieder in Kirchengemeinden sein dürfen", so Hanson. Der Schlüssel hierzu sei die aktive Beteiligung von Menschen, die mit HIV leben. Ein Netzwerk von Pfarrern und Priestern, die selbst infiziert sind, gebe 'Aids ein Gesicht' und trägt dazu bei, dass Kirchen vorurteilsfrei mit HIV umgehen und alle Präventionsmethoden anerkennen.
"Es gab während der Konferenz sehr viele Arbeitsrunden, die sich mit Religion und Aids beschäftigt haben", sagt Sofia Sprechmann, die für die Hilfsorganisation Care an der Welt-Aidskonferenz in Mexiko-Stadt teilgenommen hatte. "Es gab islamische Teilnehmer, buddhistische Mönche und katholische Nonnen streiften über das Tagungsgelände. Die Weltreligionen waren dabei. Das war sehr wichtig. Auch hier liegt ein Fehler der Aids-Aktivisten in der Vergangenheit. Wir haben oft einfach nur gegen die Kirche oder den Islam protestiert, ohne einen Dialog anzubieten. Besser ist es, die Religionen einzubinden und eine Nische zu finden, in der sie sich wohlfühlen, um so einen langsamen Veränderungsprozess zu erreichen. Es ist noch nicht ideal, aber inzwischen gibt es sehr viel mehr Dialog - und das ist schön zu sehen."
Aids ist ein weltumspannendes Thema - es ist vor allem ein gesellschaftlicher Kraftakt. Es muss offen in der Gesellschaft darüber gesprochen werden, es muss offen über Sex geredet werden - auch mit Jugendlichen. Und das sollen nicht nur die Aktivisten tun. Jedermann, auch die Kirche, muss dazu beitragen, dass sich das Bewusstsein und Verhalten gegenüber Aids ändern. Es gibt im Kampf gegen Aids kein "Magic Bullet" - keine perfekte Lösung. Das Einzige, was wir mehr machen müssen, ist die vielen Maßnahmen, die es schon gibt, zu kombinieren.
Sprechmann: "Wir haben sehr viele Erfolge, wenn wir direkt mit den Leuten arbeiten. Das ermutigt zum Weitermachen. Sicherlich haben Sie recht, dass die Zahlen recht hoch erscheinen, aber verglichen mit den Zahlen vergangener Jahre sieht man eine positive Entwicklung ... Es ist schwierig, aber nicht unmöglich, beispielsweise den Gebrauch von Kondomen zu vermitteln. Meiner Meinung nach ist es wichtig, nicht nur als Aktivist politische Maßnahmen einzufordern. Den lokalen Mitarbeitern vertrauen die Menschen. Nur so geht es. Reden, reden, reden. Und vor allem offenes Reden über Sex." Auch in den Jugendkirchen.
Es gab im letzten Jahr weltweit 2,7 Millionen Neuinfektionen, das sind 7400 Neuinfektionen pro Tag - und das für eine Krankheit, für die eine wirksame Prävention existiert. Vor zehn Jahren stand gerade mal eine Milliarde Dollar pro Jahr für die Bekämpfung von Aids zur Verfügung, heute sind es zehn Milliarden. Natürlich ist es noch nicht genug. 2,7 Millionen Neuinfektionen, 33 Millionen Infizierte insgesamt und nur drei Millionen Menschen erhalten eine adäquate medizinische Behandlung.
zu diesem Thema siehe auch → "HIV-kompetente" Jugendkirche?
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