“Der BDKJ steht mit seinen Leitlinien und Grundsätzen für eine Gesellschaft und eine Kirche, wie ich sie mir wünsche und für die ich einstehen möchte”, erklärte die neugewählte BDKJ-Diözesanleiterin. Mit Mut und Fingerspitzengefühl will Andrea Heim darum in den kommenden drei Jahren die Positionen des BDKJ gegenüber Staat und Kirche vertreten und profilieren. Als besondere Herausforderungen sieht sie dabei die Ergebnisse der Sinus-Milieustudie U27, die Kooperation von Jugendverbandsarbeit und Schule und die Gleichberechtigung von Männern und Frauen.
Die 26-jährige Heim kommt aus der Nachbardiözese Rottenburg-Stuttgart, ist dort in der Gemeinde Illerkirch bei Ulm gross geworden und engagierte sich insbesondere bei der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) als Gruppenleiterin und später auch auf Dekanats- und diözesanebene. Daneben absolvierte sie Ausbildungsiu8rse ihres Verbandes und war Diözesanleiterin der KJG in Rottenburg. Sie studierte Politikwissenschaften, Soziologie und Geschichte in Augsburg und ist Mitgleid in der Partei Bündnis 90/ Die Grünen. Für Heim ist die hauptamtliche Stelle als BDKJ-Vorsitzende ein Traumjob. "Ich finde es spannend, auf politischer Ebene echte Lobbyarbeit zu leisten und andererseits aber auch direkt mit unseren Ehrenamtlichen vor Ort zusammen arbeiten zu können."
Just mit ihrer Wahl fiel die Veröffentlichung der sogenannten Sinus-Jugendstudie des BDKJ und des Hilfswerkes Miseror zusammen, die erstmalig untersuchte, welche sozialen Milieus überhaupt von der katholischen Jugendarbeit erreicht werden (wir berichteten →
Generation Benefit). Als einer ihrer ersten Amtshandlung wird es Heim deshalb um die Auswertung dieser für alle Jugendverbände - sei es KJG, Christliche Arbeiterjugend oder Landjugendbewegung so wichtigen Studie gehen. Darin heisst es: "Die kirchliche Jugend- und Jugendverbandsarbeit erreicht vorwiegend drei Milieus: die traditionellen, die bürgerlichen und die postmateriellen Jugendlichen - diese drei Milieus machen momentan 24% der Jugendlichen aus."
"Jetzt erst recht!" So kautet Heims Antwort auf die Fragte, wie man in Zukunft mit dieser bitteren Erkenntnis umgehen möchte. "Katholisch bedeutet auch allumfassend, deswegen haben wir den Anspruch, alle jugendlichen Millieus zu erreichen", strebt Heim an. "Wir können es uns nicht leisten, jemanden auszuschliessen." Neues "Klientel zu erschliessen" und dennoch die eigenen Strukturen nicht aufzugeben, das wird für den BDKJ, seine neue Vorsitzende und seine Mitgliederverbände die

Herausforderung der Zukunft sein, prophezeit Heim. Ob sich hieraus die Bildung von katholischen Jugendkirchen in Baden ergeben könnte, ist noch nicht einmal konsequent im Badner Ländle angedacht und bleibt abzuwarten."Jetzt gilt es, nicht voreilige Schlüsse zu ziehen, sondern zu überlegen, wie man sich einerseits auf sein 'Stammpublikum' konzentriert und andererseits auch neue Leute anspricht; dazu benötigt es echte Grenzgänger."
Grenzgänger seien in erster Linie vor Ort zu finden - in den Pfarrgemeinden und Verbänden an der Basis. Auf Diözesanebene wolle man vor allem den Kommunikationsprozess darüber anstossen, äusserte Heim. Die Jugendlichen, die zur Gruppenstunde der KJG, zu den Zeltlagern der Pfadfinder gehen oder die sich ehrenamtlich engagieren, stammen also aus den oberen bürgerlich-konservativen Milieus, gehen in der Regel aufs Gymnasium und suchen nicht unbedingt den Kontakt zu Gleichaltrigen anderer Milieus.
Angesichts der Tatsache aber, dass gerade in Zeiten von G8, dem verkürzten Gymnasium, sich Schüler weniger Zeit für ihre Freizeigestaltung nehmen können, könnte das gerade die Katholischen Jugendverbände besonders hart treffen. Auch die Herausforderungen von G8 und dem Baden-Württfembergischen Jugendbegleiterprogramm (JBP) sieht Heim als Arbeitsfeld, das der BDKJ durchaus kritisch betrachtet. Das JBP sieht u.a. vor, Ehrenamtliche aus der Jugendarbeit an die Schulen zu holen - auch, um die Umsezung der Ganztagsschulen einfacher gewährleisten zu können. "Die Frage ist, können wir uns da als katholische Jugendverbände heraushalten?"
Andrea Heim ist nicht jemand, der vor grossen Aufgaben zurückschreckt, immerhin wird sie in ihrem neuen Amt einem Bund vorstehen, der allein in der Erzdiözese Freiburg mit seinen Angeboten jährlich 100'000 Heranwachsende erreicht.Schon jetzt freut sie sich auf Events wsie die "72 Stunden Aktion", die im Mai 2009 zeitgleich in 14 deutschen Bistümern Jugendkirchen und -gruppen für ein Sozialprojekt begeistern sollen (siehe auch →
Uns schickt der Himmel). Allerdings möchte sie die Arbeit des BDKJ nicht an einzelnen Events, wie öffentlichkeitswirksam auch immer, festmachen."Gerade unserer Spiritualität schlägt sich im alltäglichen Handeln nieder. Wir schaffen den Kindern und Jugendlichen das gesicherte Umfeld, um die eigene Spiritualität zu entdecken."
Dazu brauche es qualifizierte Ehrenamtliche vor Ort, die auch weiterhin die Qualität der katholischen Jugendarbeit sichern und das möglichst ohne zukünftig jemanden dabei auszugrenzen.