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Jugendkirche trägt Armband! PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Freitag, 8. August 2008
 
Jugendkirche unterstützt Biscchöfin Margot KäßmannAus Protest gegen die chinesischen Menschenrechts- verletzungen verteilt die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann seit Wochen schwarze Armbänder an Olympia-Teilnehmer, Jugendkirchler und andere Bürger. Sie setze auf symbolische Aktionen, begründete Käßmann. Ursprünglich habe sie zweitausend Armbänder bestellt mit einem Kreuz und dem Vers aus Psalm 85: "...dass Gerechtigkeit und Frieden sich küssenf". "Ich werde jedem Sportler, jeder Sportlerin, die für unser Land nach Peking fahren, wenn sie es wünschen, ein solches Band schenken", kündigte Käßmann an. Es könne ein Zeichen der Solidarität mit den unterdrückten Menschen sein. 

Wenige Stunden vor Beginn der Olympischen Spiele in Peking hat die hannoverschen Landeskirche mehr als 224.000 Protest-Armbänder gegen Verletzungen der Menschenrechte in China versandt. In den vergangenen Tagen seien sogar Bestellungen aus Frankreich, Italien, Schweden, Polen und Indien eingegangen, teilte die evangelische Landeskirche am Mittwoch mit. Eines der schwarzen Silikon-Armbänder ging an den Schwimmer und Olympia-Teilnehmer Lars Conrad (32) aus Hannover, der 2004 in Athen Silber in der 4x100 Meter-Lagen-Staffel gewann.

Der evangelische Olympiapfarrer Thomas Weber hat insgesamt 200 Armbänder im Gepäck. "Ich werde die Sportler, mit denen ich ins Gespräch komme, darauf ansprechen", berichtete er am Mittwoch dem Evangelischen Kirchenfunk Niedersachsen in einem Telefon-Interview aus Peking. In bestimmten Zonen sei es jedoch verboten, solche Bänder zu tragen. Die Armbänder sind mit dem Bibelvers "...dass Gerechtigkeit und Friede sich küssen" bedruckt.

Auch die Sportler-Initiative "netzathleten.de" hat ein Armband für die Menschenrechte herausgebracht. Das blau-grüne Band mit dem Aufdruck "Sports for Human Rights" wurde bisher rund 100.000-mal gegen eine Gebühr von einem Euro versandt, sagte Mitbegründer Florian Calmbach dem epd. Der Erlös geht nach Abzug eines Kostenanteils an Amnesty International.

Unterstützt wird diese Aktion von Olympia-Teilnehmern, wie der vierfachen Goldmedaillen-Gewinnerin im Rudern, Kathrin Boron, der Judo-Olympiasiegerin Yvonne Bönisch, dem Hockey-Nationalspieler Tibor Weissenborn und dem Kanuten und Bronzemedaillen-Gewinner Stefan Pfannmöller. "Ich bin eine mündige Athletin und lasse mir keinen Maulkorb verpassen", sagte Boron.
 
Stefan Pfannmöller, Bronzemedaillengewinner von Athen im Kanu-Slalom und Initiator der Aktion, beziffert die in Umlauf befindlichen Bändchen auf 90000. "Wir als Sportler tragen eine grosse Verantwortung und müssen diese auch zeigen", sagte Pfannmöller zum Start der Initiative im März. "Wenn nicht wir, wer dann?" Nicht nur Spitzenathleten haben die Armbänder bestellt, auch viele Hobby- und Breitensportler beteiligen sich. Hockey-Nationalspieler Tibor Weissenborn unterstützt die Aktion von Beginn an, hat aber kurz vor seiner Abreise nach Peking selbst noch kein Bändchen erhalten. "Ich hoffe aber, dass ich noch eins bekomme", sagt Weissenborn.
 
Die Athleten in Peking dürfen die Bänder allerdings nicht an den Wettkampfstätten oder im Olympischen Dorf tragen. Hier sind sowohl politische Demonstrationen als auch Banner, Poster oder Bändchen untersagt. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) beurteilt den relativ unverfänglichen Slogan als politische Botschaft, die in allen olympischen Wettkampfstätten sowie in Pressekonferenzen durch die IOC-Charta verboten ist. Dagegen gilt das "Deutsche Haus", in dem ARD und ZDF ihre Studios einrichten, nach Angaben des Deutschen Olympischen Sportbundes nicht als "olympische Stätte". Bei den täglichen Pressekonferenzen könnten die Athleten hier ihre eigene Meinung äussern.
 
Wo die Bändchen in Peking letztlich zu sehen sein werden, ist noch unklar. Sicher ist, dass Sportler, die die Armbänder im Wettkampf tragen, mit Konsequenzen rechnen müssen. Das IOC hat es aber bislang vermieden, sich eindeutig über mögliche Strafen oder gar einen Ausschluss von Athleten zu äussern. Das Risiko, mit den Bändchen an den Start zu gehen, wird wohl kaum ein Athlet eingehen.
 
Die schwarzen Bänder der Kirche, die gegen eine Spende versandt werden, sollten ursprünglich nur in einer Auflage von 2.000 Stück verschenkt werden. Die Aktion stiess aber auch bei Jugendkirchen, Schulklassen, Sportvereinen oder Gemeinden auf grosse Resonanz. Inzwischen wurden mehr als 30.000 Euro für die Menschenrechtsorganisation "Asian Human Rights Commission" in China gespendet. "Wir freuen uns über das Sportereignis, aber wir werden uns nicht von Glitzerfassaden blenden lassen", sagte die hannoversche Bischöfin Margot Käßmann.

Auf die anhaltende Verletzung der Menschenrechte im Olympialand China wollen Tibet-Initiativen zudem mit einem bundesweiten "Protestival" aufmerksam machen. Geplant sind in den nächsten 16 Tagen rund 50 Aktionen in 30 Städten, darunter auch in Berlin, München und Frankfurt. Damit solle die Forderung nach einer friedlichen Lösung der Tibetfrage sowie nach einem Ende von Folter, Todesstrafe und anderen Menschenrechtsverletzungen in China bekräftigt werden, erklärten die Veranstalter am Mittwoch in der Bundeshauptstadt.
 
60 Millionen Christen im Untergrund

Auf der Suche nach religiösem Sinn finden laut ARD viele Chinesen zum Christentum. Den grössten Zulauf hätten die offiziellen Kirchen, dort seien die Termine für Erwachsenentaufen ausgebucht und vor den Gottesdiensten würden die Gläubigen Schlange stehen.
 
Doch in welchem Ausmass ist Religion in China tatsächlich praktizierbar und wie sehr werden jene verfolgt, die sich nicht an die Regeln der Partei halten? Diesen Fragen geht die Sendung aus der Reihe "Gott und die Welt" nach. Am Sonntag widmet sich die ARD in der Sendung "Kontrollierter Glaube" der Situation der Christen in China.

Laut Regierungsangaben gibt es fünf Millionen Katholiken und 16 Millionen Protestanten in China. Dagegen schätzt die Organisation "Open Doors" die Zahl der chinesischen Christen auf rund 80 Millionen. Davon seien 15 Millionen katholische Christen, 12 Millionen Protestanten der staatlich anerkannten Drei-Selbst-Kirche. Die übrigen 60 Millionen treffen sich in Untergrundkirchen und Hausgemeinden, die nicht vom Staat organisiert werden (→ Keine JuKi in China!).

Laut Open Doors lehnt die Mehrzahl der Christen es ab, ihre Gottesdienste in staatlich genehmigten Kirchen abzuhalten, da diese durch Regierungsbehörden überwacht und gesteuert würden. Open Doors liegen Informationen über Fälle vor, in denen vor allem in ländlichen Regionen die Leiter von Hausgemeinden geschlagen oder inhaftiert wurden.

Der an der Universität in München ausgebildete Religionswissenschaftler Zhuo Xinping nimmt dazu Stellung, ebenso wie junge chinesische Buddhisten, Protestanten und Katholiken. Laut ARD entsteht dadurch "ein bislang unbekanntes Portrait über eine Weltmacht, die auf der Suche nach neuen ethischen Werten und alten Traditionen darum ringt, dass die Parteidisziplin nicht vergessen wird".
 
 
So, 10.Aug., ARD, 17.30 - 18.00 Uhr:
Gott und die Welt: Kontrollierter Glaube
Religion in China
 
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