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Jugendkirche Hamburg - wie ging das gleich noch mal? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh / PT   
Donnerstag, 7. August 2008

Es beginnt auf der Expo 2000. Eine Zeltstadt am Maschsee als günstige Übernachtungsmöglichkeit für junge Menschen, die JAM City. Eine Kirche soll dort gebaut werden, am Ende steht dort ein Kirchenzelt, immerhin. Ein Team junger Menschen aus dem Kirchenkreis Blankenese setzt sich zusammen mit seinem Jugendpastor. Das Ziel, dieses Kirchenzelt eine gute Woche lang mit Leben zu füllen. Mit viel Spass und Kreativität entstehen Stundengebete und verrückte Gottesdienste. Die Zeltkirche wird ein voller Erfolg. Auf dem Heimweg kommt das Team schnell zu dem Schluss: "Wir wollen eine Kirche für uns. Eine Kirche, in der wir machen können, was WIR wollen!"

Damit beginnt es. Es wird weitergedacht, geplant, schliesslich ein Konzept entwickelt und dem Kirchenkreisvorstand des Kirchenkreises Blankenese vorgestellt. Der Vorstand findet die Idee gut, nur leider fehlt das Geld für ein derartiges Grossprojekt. Doch die Jugendlichen stecken nicht auf. Sie träumen weiter, entwickeln Ideen und tragen das alles in alle Gremien, in denen sie mitarbeiten.

Und dann klappt es doch. Mit dem Beginn der Fusionsverhandlungen zum Grosskirchenkreis in Hamburgs Westen wagen sie einen weiteren Versuch mit überarbeitetem Konzept, tragen es erneut in die Gremien. Eine Ausschreibung in den fusionierenden Kirchenkreisen wird gestartet, und die vier Jugendvertretungen machen sich auf die Suche nach einer geeigneten Kirche.

Nach langem Ringen und Abwägen wird schliesslich die Bugenhagenkirche im Stadtteil Groß-Flottbek ausgewählt. Die schlichte Backsteinkirche bietet viel Platz für Gestaltung, ein grosser Altarraum prägt die Kirche. Ein schlichter, grosser Raum, der sich ganz klar als Kirche outet. Eine "richtige Kirche" eben, Gottes gute Stube. Ausserdem garantiert die Lage zwischen einer evangelischen Schule, einem Friedhof und einem Seniorenheim ein tolerantes Umfeld. Eine Kirche ist also gefunden.

Jugendpastor ZeidlerMit einer Kostenkalkulation und dem endgültigen Konzept wird das Team bei den Synoden der vier fusionierenden Kirchenkreise vorstellig. Die Synoden hören interessiert zu, diskutieren hier und da über Teile der Kostenaufstellung und des Konzepts und entscheiden schliesslich, dass genau dieses Projekt das erste Gemeinschaftsprojekt der Kirchenkreise Altona, Blankenese, Niendorf und Pinneberg werden soll. Ein innovatives Projekt, mit dem ein ergänzendes Angebot für junge Menschen neben der gemeindlichen Jugendarbeit entsteht. Mit grosser Begeisterung wird dem Projekt in allen vier Synoden fast einstimmig zugestimmt.

Nach diesem Beschluss vergehen noch 9 Monate, in denen die Kirche umgebaut wird. Die Bänke fliegen raus, eine neue Heizung kommt rein, dazu schöne und vor allem gemütliche Stühle und eine vernünftige Licht- und Tonanlage. Am 18. April 2008 ist es dann so weit. Die Bauarbeiten sind beendet.

Die Bischöfin des Sprengels Hamburg, Maria Jepsen, ist da. Das Team hat alles vorbereitet. Mit einem feierlichen und jugendgerechten Auftaktgottesdienst wird die Jugendkirche in Hamburg eröffnet. Die schwere Altarbibel wird in die Kirche getragen - und allen wird bewusst: Es ist endlich vollbracht!

Die erste Jugendkirche Nordelbiens ist kein Traum mehr, sondern Wirklichkeit. Das Team hat von nun an ein Dach über dem Kopf, um seine Ideen in einer richtigen Kirche zu verwirklichen und den Jugendlichen den Ort zu bieten, an dem sie ihren Glauben in vielfältiger Form leben können.

Jugendkirche lebt!

Das Besondere an der Jugendkirche ist: Junge Menschen entscheiden zusammen mit dem Pastor an der Jugendkirche, was in der Jugendkirche passieren soll - und was nicht. Und: Die Jugendkirche ist ausschliesslich Jugendkirche. Sie ist keine Gemeindekirche mehr.

Das Team ist nun verantwortlich in seiner eigenen Kirche. Es berät über Veranstaltungen und gestaltet die Jugendgottesdienste und -andachten, die meist sonntags um 18 Uhr stattfinden. Es kümmert sich um die Licht- und Tontechnik, das Catering, die Öffentlichkeitsarbeit und die Werbung.

Dank all dieses ehrenamtlichen Engagements füllt sich die Jugendkirche immer mehr mit Leben:
- Es finden regelmässig Jugendgottesdienste mit der Band Bodenpersonal statt. Darüber hinaus gibt es Rockandachten, in denen junge Bands spielen. Viel Musik und doch eine Art Gottesdienst. Natürlich gibt es auch Segnungsgottesdienste für die neuen Jugendleiterinnen und Jugendleiter des Grosskirchenkreises in der Jugendkirche.
- Zusammen mit dem Jugendpfarramt werden Seminare für Jugendleiterinnen und Jugendleiter angeboten.
- Die Jugendkirche kooperiert auch mit Schulen und lädt sie ein, ihre Musicals oder Theaterstücke in der Jugendkirche zu zeigen.
- Auch Angebote für Schulklassen und Konfirmandengruppen zählen zum Service.
- Als besonderes Highlight hat sich das Theaterstück "Wilder Panther, Keks" erwiesen: ein Theaterstück zum Thema Sucht, das von jungen Schauspielerinnen und Schauspielern in der Jugendkirche gespielt wird.
Sehr unterhaltsam und bewegend zugleich werden die Mechanismen und Konflikte aufgezeigt, die junge Menschen für Drogen anfällig machen - mit einer gehörigen Portion Humor dabei. Bis zu den Sommerferien werden 800 - 1000 Schülerinnen und Schüler sowie Konfirmandinnen und Konfirmanden das Stück gesehen haben.

Und so geht es weiter: Zur Nacht der Kirchen gibt es reichlich Musik bester Bands unter dem Motto "Himmlische Klänge & Erdiger Groove" und eine Kletterwand. Im Herbst (26.10. - 20.11.) kommt die Ausstellung "Anne Frank - eine Geschichte für heute" in die Jugendkirche. Und auch dann sind es wieder Jugendliche, die ausgebildet werden, um die Klassen und Gruppen durch die Ausstellung zu begleiten.

Viele weitere Ideen und Aktionen werden vom Team derzeit ausgebrütet. Man darf also auf Überraschungen hoffen. Neugierige sind übrigens herzlich willkommen: Zum Kommen, zum Gucken, zum Reden, zum Freuen und zum Mitmachen!
 
 
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