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Mit Jugendkirche Vakuum füllen? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Mittwoch, 23. Juli 2008
Jugendkirche in Planung? Nicht weniger als 750 Stück des Flyers "Alkoholfreie Drinks mixen" waren kürzlich im Einzugsgebiet der Kirchengemeinde Kirchberg im Umlauf. Nur - interessiert dafür hat sich niemand. Ob es sich nun für den "Hip-Hop-Workshop - Girls only" anders verhält, wusste Franziska Honsperger noch nicht mit letztgültiger Sicherheit. Für die neue sozialdiakonische Jugendarbeiterin der Gemeinde Kirchberg sind diese Angebote erste Versuche, um an die Jugendlichen 'heranzukommen'. Und obwohl jugendkirchliche Events angedacht wurden, sind diese jedoch noch nicht spruchreif - und eine Jugendkirche sowieso.

Seit kurzem ist in der Gemeinde Kirchberg eine sozialdiakonische Jugendarbeiterin tätig. Die 31-jährige Franziska Honsperger sieht die neue kirchliche Jugendarbeit (KJA) als Ergänzung zur regionalen Jugendarbeit. Die jugendkirchlichen Aktionen sollen dazu führen, dass sich die Jugendlichen mit ihren spirituellen Fragen wieder offen an die Kirche wendet und Religion nicht  ausschliesslich privatisiert wird. Jugendkirche, wie sie vielerorts mit grossem Erfolg stattfindet erscheint immer mehr als ein adäquates Mittel, um der 'Kirchenflucht' gerade Jugendlicher entgegenzuwirken.

"Es braucht halt Zeit"


Dass sich auf den ersten Anlass "Alkoholfreie Drinks mixen" niemand gemeldet hat, erstaunt sie eigentlich nicht. Viel zu sehr würde die heutige Jugend mit Freizeitangeboten konfrontiert, welche mit Alkoholexzessen einhergingen. Mit dem "Drink-mixen"-Abend wollte sie, zusammen mit einem erfahrenen Team, den Jugendlichen Anstösse für schmackhafte alkoholfreie Drinks geben. Daraus hätte sich dann ein Gespräch über Alkohol und seine Nebenwirkungen ergeben sollen.

"Es braucht halt alles seine Zeit", sagt Honsperger, die seit dem 1.März "die Neue" auf dem Kirchhoger sei, wie es in ihrem Vorstellungsbrief heisst. Mit der vorerst auf drei Jahre befristeten Jugendarbeitsstelle betritt die 31-jährige und in Aarberg wohnhafte Frau Neuland. "Ich wünsche mir, dass in dieser Kirchgemeinde eine Jugendarbeit für die 15- bis 25-Jährigen entsteht, die von Jugendlichen für die Jugendlichen ist", ist weiter zu lesen. Die neu geschaffene Stelle soll mit dem Angebot unter anderem das Vakuum füllen, in welches die Jugendlichen manchmal nach der Konfirmation fallen würden. Denn die Kirchenbänke seien selten von den Jugendlichen in dieser Altersgruppe besetzt. "Kirchlich heimatlos" nennt es Honsperger, die den "Bachelor of Theologie" in der Tasche hat. Obschon sie ihre Arbeit nicht darin sehe, leere Kirchenbänke zu füllen. Vielmehr gehe es darum, den Kirchensteuerzahler etwas Sinnvolles zu bieten, meint sie augenzwinkernd.

Mensch im Mittelpunkt

Obschon sie ganz klar eine kirchennahe Position vertrete, sei ihre Arbeit auf den Menschen ausgerichtet - ungeachtet seines religiösen oder ethnischen Hintergrundes. Auf die Frage, ob denn das Angebot für die Jugendlichen mit der regionalen Jugendarbeit "Kakerlak" nicht genügend abgedeckt sei, meint Honsperger, sie könne sich mit der Zeit sogar eine Zusammenarbeit vorstellen. Auf jeden Fall habe sie die Leute bei ihrem Besuch als freundlich und entgegenkommend erlebt. Stefan Spahr von "Kakerlak" wollte dieser Zeitung gegenüber noch keine Stellung beziehen.

Honsperger unterstützt und begleitet Teenager und Jugendliche, damit sie Eigeninitiative entwickeln und stufengerechte Aktivitäten unter ihrer Mithilfe im wesentlichen im kirchlichen Umfeld organisieren und anbieten und sie hofft, dass die Wünsche und Inputs von den Jugendlichen selber kommen. Es soll kein Zwang dahinter stecken. Weltliche und kirchliche Themen dürften sich dabei ohne weiteres befruchten. So heisst es denn auch im Leitfaden, dass die KJA offen für Jugendliche mit Glaubens- und Lebensfragen als auch für Jugendliche mit einem distanzierten Verhältnis zu Kirche und Religion sei.

Die vom Kirchgemeinderat neu gewählte SDM-Jugenarbeiterin hat ihre Stelle am 01.03.2008 angetreten. Sie hat zudem in der Zwischenzeit die Stellvertretungen zweier Konfklassen, wegen Krankheit von Katechetin Monika Schürch, übernommen und die Konfirmationen durchgeführt.

Die neue Jugendarbeiterin Honsperger besitzt ausgewiesene Fähigkeiten in Animation, Pädagogik, Theologie, Projektleitung und wird vorhandene Angebote begleiten und projektartig erweitern: "Während den letzten Jahren arbeitete ich im sozialdiakonischen und arbeitsagogischen Bereich. Ich habe in die Jugendarbeit zurückgewechselt, weil ich jungen Menschen in der Kirche Raum bieten möchte. Dazu suche ich Leute mit Herz. Bist Du zwischen 15 und 25 Jahren alt? Willst Du mithelfen Ideen und Projekte für Deine Kirche zu entwickeln und umzusetzen? Dann sollten wir uns kennen lernen. Ich freue mich darauf."

Franziska Honsperger
Froberg 2
CH-3422 Kirchberg
CH-034 447 10 18
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