 Geradezu "hinauskonfirmiert" würden Jugendliche mit Abschluss der kirchlichen Unterweisung (KUW). Mangels landes- kirchlicher Angebote fielen sie ins Leere und wanderten in evangelikale Freikirchen ab. Es waren besorgte Worte, die an der Sommersynode der reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn von seiten Hans Ulrich Germann (Brügg), Johannes Josi (Riedstätt) und André Urwyler (Köniz) fielen.
Vor einem Jahr war ihr Projekt "Kirche für Jugendliche" mit überwältigender Mehrheit beschlossen worden. Der Synodalrat (Kirchenleitung) hatte damals die Aufgabe gefasst, "Pilotprojekte zur Weiterführung und Vertiefung der Kirchlichen Unterweisung" zu entwickeln. An der Sommersynode vertrat dann aber Synodalrat Stefan Ramseier die Meinung, dem Anliegen der Motionäre werde im Rahmen der heutigen Jugendarbeit bereits Genüge getan - und verlangte, sich von dem Projekt zu distanzieren. Ramseier listete bestehende kirchlicheAngebote für junge Erwachsene auf - vom "projektpräsenz" an Berufs- und Mittelschulen über die Ausbildung von Cevi-HilfsleiterInnen bis zu Jugendgottesdiensten wie"Rock in Church".
Neue Angebote überstiegen die finanziellen Möglichkeiten der Kirchgemeinden. Und ein "Theologiekurs für jugendliche Erwachsene" könne schon heute angeboten werden. Ramseier zweifelte auch am Erfolg von "Gesprächskreisen zu Glaubensfragen". Wenn schon, wüchsenJugendliche über das Engagement als HilfsleiterInnen in eine Gemeinde hinein.
"Auftrag nicht erfüllt!"
So lautete das Verdikt der Synode: Das Kirchenparlament weigerte sich, das "Kirche für Jugendliche"-Projekt abzuschreiben. Erst solle der Synodalrat seine Aufgabe erledigen und das auf ganze Regionen ausgerichtete Pilotprojekte für eine "kirchliche Unterweisung 16 plus" entwickeln. "Damit sich nicht nur reiche Gemeinden eine solche leisten können", wie der Synodale André Urwyler sagte. Er forderte konkrete Angebote "fürJugendliche, die über Gottesbilder, Propheten von heute und existenzielle Fragen rund um Leben und Tod diskutieren wollen". Jugendkirche auf breiter Ebene eben.
Mit Gründungen von Jugendkirchen reagieren Bistümer und Ortskirchen verstärkt im deutschsprachigen Raum auf eine moderne spirituelle Orientierungssuche Jugendlicher. Ein Charakteristikum von Jugendkirchen ist es, dass jungen Menschen ein Kirchenraum geboten wird, der unter ihrer Mithilfe jugendgerecht, das heisst gemäss der Ästhetik von Jugendlichen, gestaltet wird. Der Kirchenraum wird so einerseits zum Ort, der auf Jugendliche ansprechend wirkt und zum Verweilen einlädt, ohne auf essentielle christliche Symbolik im Raum zu verzichten; zugleich wird dieser Ort zu einem Zentrum für jugendpastorales Arbeiten.
Dies geschieht im Stil von Workshops, Gesprächsangeboten, Kreativangeboten, diakonischer Arbeit sowie Gottesdiensten für Jugendliche. Mit Hilfe von erfahrenen Teamern wird mit Jugendlichen zusammen über mögliche Raumgestaltungen nachgedacht. Die Jugendkirche sucht nach flexiblen Raumelementen und "Das besondere Raumerlebnis".
In Diskussionen mit Jugendlichen wurden einerseits mehr Farbigkeit im Kirchenraum sowie Bühnenelemente und eine Tonanlage zur Realisierung von musikalischen Aktivitäten gewünscht. Anderseits hielten die Jugendlichen klar fest, dass ein Kirchenraum ein sakraler Raum bleiben müsse und kein gewöhnlicher Veranstaltungsraum werden dürfe. Das könnte eine wesentliche Herausforderung im Prozess zu einer modernen und doch spirituellen Jugendkirche sein. Bereits vor zwei Jahren plädierte Gottfried W. Locher auf der ersten Tagung des Landeskirchen-Forums (LKF) in Bern für eine "Umkehr nach vorn".
In den laufenden Jahren sollen weitere neue Projekte aufgenommen oder umgesetzt werden, so z. B. ein Kompetenzzentrum Religionsunterricht, die Jugendkirche, eine Nacht der Kirchen, Bettagsaktionen und weitere. Ein besonderer Schwerpunkt der Lebensraumorientierten Seelsorge soll auch die Profilierung der Pfarreien bilden, damit sie sich "ergänzend zueinander entwickeln" können. In diesem Zusammenhang will man von Berner-Seite her vor allem die Bemühungen St. Gallens ins Auge fassen, um sich Anregungen zu holen und den Weg, der dort beschritten werden soll, auf seine Tauglichkeit für die Berner zu überprüfen (siehe hierzu → Jugendkirche in St.Gallen) |