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Schwedische Partnerschaft mit deutscher Jugendkirche PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Montag, 7. Juli 2008
Leben auf der Überholspur - Erdbeeren im Winter, zu Ostern Weihnachtsgebäck,
Schlittschuhlaufen im Hochsommer und die Spargel spriessen ganzjährig aus den Ohren - alles ständig verfügbar oder zumindest kurzfristig lieferbar. So könnte die jugendkirchliche Entwicklung auch aussehen: Allzeit bereit, schnell auf jugendkulturelle Strömungen innerhalb des christlichen Kontextes reagierend, der politischen Realität gerecht werdend und generell vorbereitet, den missionarischen Bereitschaftsdienst zu übernehmen, der ja in der Bibel als DIE Aufgabe der Christen den Gläubigen direkt von Jesus Christus auferlegt wurde.

Es werden nun endlich Bestrebungen unternommen, eine weltweite Vernetzung aufzubauen. Jugendkirche 'pray' streckt bereits beflissentlich ihre Fühler in Richtung Schweden aus und ist somit neben den Portalen 'www.jukis.org' und 'www.jugendkirchen.org' ein Vorreiter in Deutschland für eine international vernetzte Jugendkirchenbewegung.

Ziel der JuKi 'pray' ist eine Partnerschaft mit der katholischen Gemeinde in Göteborg. Die Idee wurde bereits vor einiger Zeit geboren: Die lbbenbürener Jugendkirche "pray!" sollte eine Partnergemeinde bekommen. Genau so, wie es andere Kirchengemeinden auch haben. Gemeinden aus Brasilien oder Afrika hätten es werden können, erinnert sich Pater Ignatius Löckemann, Hauptamtlicher in der Jugendkirche. Nur: "Da kommt man ja nie hin", so Löckemann. Das schwedische Göteborg liegt da viel näher.

Und trotz der Nähe "ist die Situation von Kirche in Schweden so grundlegend anders als hier", erklärt Löckemann. Aber genau das mache es zu einer Anforderung für die Begegnung mit Jugendlichen einer Gemeinde im Ausland. Je verschiedener die Rahmenbedingungen sind, desto spannender kann die Begegnung ausfallen.

Pater Ignatius LöckemannZur Zeit Jesu gab es eine länderübergreifende griechisch-römische Kultur, Verkehrswege und Kommunikationsmittel; die Zeit "war von neuen Einflüssen durchtränkt", und das Evangelium konnte nicht zuletzt dank dieser Grosskultur die damalige Welt sehr rasch überrennen. Heute ist eine nicht unähnliche Situation entstanden. Bereits beginnend mit der Rock´n Roll-Revolution der 50er, gefestigt durch den Beat der 60er und gefördert durch Hollywood und voll ausgebildet in der Internet-Kultur der 90er, hat sich eine globale Jugendkultur entwickelt, getragen von den 4 Säulen Musik, Film, Internet und Mode.

Kids in Kuppenheim, Bombay, Santiago, Los Angeles, Berlin oder Djakarta haben untereinander mehr gemeinsam als daheim mit ihren Eltern: sie hören die gleiche Musik, konsumieren MTV, tragen die gleichen Klamotten und sehen die gleichen Filme - wenn nicht im Kino, dann auf DVD. Sie lassen sich nicht in ein Programm zwängen - "hang out" mit ihren Freunden ist die Hauptbeschäftigung in ihrer Freizeit.

50% der Weltbevölkerung ist unter 25 Jahren alt. Hier ist wahrscheinlich die grösste "unerreichte Volksgruppe" der Welt - mit dem Unterschied, dass sie nicht in irgendeinem fernen Land zu finden ist, sondern bereits vor der Haustüre und die Gegenwart ist sie in unserer Gesellschaft sowieso und ganz sicher die Zukunft, auch und gerade der kirchlichen: Jugendkirche, besser "Kirche in der Jugendkultur", ist eine der wenigen Möglichkeiten christliche Solidarität und vor allem religiöses Gemeinschaftsgefühl  bei Jugendlichen zu erzeugen. Drunter läuft nichts. Will sagen:

Hier entsteht meiner Meinung nach eine internationale Bewegung der Christenheit mit einer Eigendynamik, denen die Kirchenbürokratie in den meisten Fällen ja schon hilflos in der Anfangszeit gegenüberstand und vielfach noch steht. Die Abwanderung zu christlich geprägten Glaubenseinheiten der Jugend war einer der Augenöffner - dann noch die Tatsache, dass die "Klingelbeutel" leer bleiben, Priestermangel herrschte und Kirchen z.B. zu Supermärkten umfunktioniert werden mussten.

Plötzlich erinnerte man sich wieder der doch so unbequemen Jugend, die Fragen stellt und eines eigenen Gedanken auch ausserhalb der Bibel fähig ist. Christliche Jugendpfarrer konnten sich endlich dahingehend gegenüber der klerikalen Bürokratie durchsetzen und anhand von Statistiken auch begründen, dass es nicht möglich ist, diese Kultur mit herkömmlichen Gemeinden - auch nicht mit dem fetzigsten Jugendgruppen-Programm oder mit Top-Angeboten wie Konzerte usw. - zu erreichen und haben angefangen, junge Menschen selbst freizusetzen um Gemeinden in diese Kultur hinein zu gründen.

So wurde durch das energiegeladene Ehrenamt der Jugendlichen "New Generation Churches" in Schweden, "Tribal Gathering" in England, die "Jesus Revolution" in Norwegen oder die JuKis in Deutschland als zielgruppenorientierte Jugend-Gemeinden ins Leben gerufen. Gleiche Bewegungen entstehen auf allen Kontinenten - ein Beweis für die Lebendigkeit der christlichen Jugendkirchen in allen Zeitzonen und mit allen jugendkulturellen Unterschiedlichkeiten.

Pater Ignatius Löckemann und Anne Severin, Jugend- und Schulseelsorgerin in Ibbenbüren, haben jetzt bei einem Besuch in Göteborg eben jene spannenden Rahmenbedingungen für eine Partnerschaft gefunden, die eine Vernetzung sinnvoll macht.

Partnerschaft mit katholischer Gemeinde in Göteborg

Pater Ignatius Löckemann beim AbendmahlWo in Ibbenbüren und Umgebung die katholische Kirche der RegelfaII ist, sind Katholiken in Schweden in der Minderzahl, erzählt Löckemann. Unter gut neun Millionen Schweden finden sich nur 150'000 Katholiken. Hingegen gehören mehr als 75 Prozent der Schweden der evangelisch-lutherischen Kirche an, die bis 1999 Staatskirche war.

Der erste Eindruck von Pater Ignatius: Die katholische Minderheit in Schweden legt besonders viel Wert auf ihre eigene Identität. "Man grenzt sich sehr deutlich ab, um sich wahrzunehmen", erklärt er. Auf deutsche Augen wirke die katholische Kirche in Schweden durchaus konservativ und traditionell.
Das setzt sich bis in die Jugendarbeit fort, die nur oberflächlich betrachtet mit der deutschen zu vergleichen ist. Etwa 100 Jugendliche, schätzt Löckemann, sind in Göteborg in der katholischen Gemeinde organisiert. In Ibbenbüren kommen zwischen 60 und 150 Jugendliche in die Jugendmessen in der Michaelkirche. Dass sich aber wie in Schweden bis zu 70 Jugendliche gemeinsam zum Rosenkranzgebet treffen oder die Jugendlichen kaum an der Vorbereitung von Jugendgottesdiensten beteiligt sind, wäre in Jbbenbüren nur schwer vorstellbar, so Löckemann.

Selbst die Vorbereitung einer Jugendmesse bleibe in Schweden nur dem Pastor vorbehalten. Ein bemerkenswerter Unterschied, und es gibt weitere. Bis vor 150 Jahren war es verboten, in Schweden der katholischen Kirche anzugehören. Bis heute ist die katholische Kirche vor allem eine Kirche der Zuwanderer: Aus dem Orient, vom Balkan, aus Afrika oder Italien stammen die Gemeindemitglieder.

Obwohl die meisten Schwedisch sprechen, bringen sie auch ihre Sprachen mit in die Göteborger Gemeinde. Ergebnis: Samstags gibt es im Göteborger Pfarrzentrum sechs, sonntags acht Gottesdienste in verschiedenen Sprachen. Wie eine Partnerschaft aussehen könnte, wollen die Beteiligten erst noch ausloten.

Im Dekanat Göteborg hat die Ibbenbürener Jugendkirche Kontakt mit Peter Ludvigsen. Jetzt werden Möglichkeiten für Besuch oder Gegenbesuch diskutiert. Etwa 15 bis 20 Jugendliche, hofft Löckemann, können im kommenden Jahr die Schweden besuchen. Davon, dass es einen Effekt auf die Jugendlichen hat, ist er überzeugt: "Allein das Wahrnehmen und Erleben dort, lässt die Situation zu Hause deutlicher werden."
 
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