 Die EM-Halbfinalpartie zwischen Deutschland und der Türkei bietet nach Einschätzung von Türkeiforschern gute Voraussetzungen für ein "friedliches Fussballfest" hierzulande. Bei dem Spiel am Mittwoch werde sich zeigen, "dass die vielen deutsch-türkischen Netzwerke tragen", sagte der Leiter des Zentrums für Türkeistudien (ZfT), Faruk Sen, in Essen voraus.
Eine gestiegene Gefahr von Fan-Konflikten gäbe es nicht. "Die besteht eher, wenn festgefügte nationale Identitäten ohne gegenseitige Berührungspunkte aufeinanderprallen", betonte Sen. "Dies ist bei allen Defiziten in der Integration bei Deutschen und Türken aber keineswegs der Fall." In einigen JuKis werden auch deutsch-türkische Public Viewings auf Grossbildleinwänden in einem friedlichen Nebeneinander stattfinden.
Der ZfT-Leiter erinnerte daran, dass zwei von drei türkeistämmigen Fussballern in Deutschland in einem deutschen Verein spielten. Zugleich äusserte er die Hoffnung, dass viele Türkeistämmige das Spiel gemeinsam mit den Deutschen bei den Public-Viewing-Veranstaltungen in den Städten besuchen werden, so wie es in einigen JuKis im Bundesgebiet selbstverständlich ist. So veranstalteten Jugendliche am Sonntag mit der Wiener JuKi auf dem in der prallen Sonne liegenden Sportplatz des Rainergymnasiums in der Kriehubergasse im 5. Wiener Gemeindebezirk das interreligiöse Fussballturnier "kick'n'pray" ( wir berichteten → "kick'n'pray" in der JuKi Wien). Ein deutlichen Zeichen gegen Vorurteile und für gelebtes Miteinander setzte das Street-Soccer-Turnier, das Katholische, Evangelische und Muslimische Jugend in Wien-Margareten initiiert hatten - und so wurde Jugendlichen verschiedener Glaubensgemeinschaften die Möglichkeit geboten, in entspannter Atmosphäre Kontakte zu knüpfen und Brücken zueinander zu bauen, bevor Vorurteile eine Chance bekommen,  übernommen zu werden. 22 gemischte Teams mit über 120 begeisterten jungen Kickern und Kickerinnen traten zum friedlichen Match gegeneinander an. Als prominente Ehrengäste lobten der Wiener Weihbischof Franz Scharl, Prof. Anas Schakfeh, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, und der Wiener evangelisch-lutherische Superintendent Hansjörg Lein das Engagement der Beteiligten, die gekommen waren, um die Jugend in ihrem sportlichen "Aufeinander- Zugehen" zu unterstützen.
Beim "Promi-Kick" traten Bezirksvorsteherin Susanne Reichard, Weihbischof Franz Scharl und Diözesanjugendseelsorger Werner Pirkner zusammen mit Vertretern der evangelischen Kirche und der muslimischen Glaubensgemeinschaft gegen ein gelostes Team von Jugendlichen an. Mit dieser Aktion setzten die Jugendkirche und die multikulturelle Jugend in Wien einen Kontrapunkt zu den Hetzreden mancher PolitikerInnen und waren Zeichen für gelebtes Miteinander. Bei der Siegerehrung vor der Jugendkirche Wien wurden schliesslich Kicker und Kickerinnen für ihren sportlichen Einsatz gefeiert. Medaille und Urkunde waren sicher nur ein Teil dessen, was sie von diesem Tag mit nach Hause nahmen. "Ich habe eine neue Freundin gefunden", fasste Sarah Zaki, gläubige Muslima, für alle in Worte, was ihr dieser Tag noch geschenkt hat und tauschte Telefonnummern mit Michaela von der Katholischen Jugend aus. Für viele Jugendliche war es die erste Möglichkeit, in entspannter Atmosphäre Fragen zur anderen Religion offen zu stellen. Nach dem Turnier wurde mit einem Gebet ein "multikulturelles Fest" vor der Jugendkirche Wien (St. Florian an der Wiedner Hauptstrasse) eröffnet. Nur eine handvoll Menschen sass nach dem gemeinsamen multireligiösen Gebet ab 20:00 vor der Leinwand, auf der das Viertelfinale der EM übertragen wurde, der weitaus grössere Teil der Jungen und Junggebliebenen liess sich nach dem gelungenen sportlichen Begegnung kulinarisch mit Kebab und Kuchen verwöhnen und tanzte zu Klängen der Rockband "SO:JA" vor der Jugendkirche Wien in den Abend hinein. So wünschen wir uns das auch morgen, wenn es im ersten Halbfinalspiel der EURO 2008 heisst: Türkei gegen Deutschland; und mit Blick auf ein mögliches Ausscheiden der Türkei zeigte sich Sen überzeugt, dass in diesem Fall die Türken hierzulande im Endspiel den Deutschen die Daumen drücken würden - wie sie es schon bei der Weltmeisterschaft 2006 getan hätten. "Und von den Türken wünsche ich mir, dass sie bei einem Weiterkommen spielerisch so überzeugen, dass sie für das Endspiel die deutschen Herzen erobern", fügte Sen hinzu. Hier noch einige Artikel, die sich mit Fussball und Jugendkirche, Glaube, Toleranz und einem sportlichen Miteinander beschäftigen:
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