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Jugendkirche und Jugendliche auf "ihre eigene Art" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Mittwoch, 25. Juni 2008
Seit acht Jahre ministriere Annika, es sei ihr freier Entscheid gewesen, ist im Porträt "Ein Sonntag im Leben einer Ministrantin" zu erfahren. Dies ist nur ein Thema von vielen Aufsätzen, die Studierende der Theologie und der Religionswissenschaft im Buch "Auf meine Art - Jugend und Religion" zusammengefasst haben. In der Agglomeration Zürich haben sie verschiedene Jugendliche begleitet und sich so dem Phänomen jugendlicher Religiosität anzunähern versucht. Eine Feldforschung, der sich die Jugendkirchen täglich stellen.
 
Die Religion der Jugend ist so verschieden wie die Jugendlichen selbst. Doch wie leben sie ihre Religion, wie drücken sie heimliche Sehnsüchte und Wünsche aus und an was glauben die jungen Menschen? Das Buch "Auf meine Art" zeigt in Bild und Text eine Vielfalt von Überzeugungen und religiösen Alltagspraktiken junger Menschen, denen man in Zürich oder womöglich auch andernorts in der Schweiz begegnen kann.

Neben der bereits erwähnten Ministrantin hat beispielsweise Monika Glavac, Doktorandin der Religionswissenschaft, Esma besucht. Die heute 18-jährige Esma trägt seit dem dreizehnten Lebensjahr ein Kopftuch, ist in ihrem Porträt zu erfahren. Sie sei von ihrer Familie angeregt worden, über ein Kopftuch nachzudenken. Schliesslich habe sie nichts Negatives darin gesehen und sich dafür entschieden.

Esma: "Man streitet sich zwar in der Auslegung des Korans, ob es eine Pflicht ist oder nicht, aber ich tue lieber etwas zu viel als zu wenig." Esma sieht sich als junge Muslimin, die grossen Wert auf ihren Glauben legt. Auch wenn sie alles verlieren sollte, den Glauben werde sie immer im Herzen tragen, erzählt sie im Buch "Auf meine Art".

In eine ganz andere Lebenswelt ist Roger Meier, seit 2002 Student der Religionswissenschaft und Religionsphilosophie, eingetaucht. Er begleitete Lars, ein Mitglied der Hardliner-Bewegung. Hardline sei eine Philosophie, die alle Aspekte der menschlichen Existenz und ihre Beziehung zur Welt mit einbeziehe, ist von Lars zu erfahren. Gefordert werde neben sexueller Enthaltsamkeit auch die Abstinenz von jeglichen Drogen und Genussmitteln.

Den Weg zu Hardline gefunden hat Lars durch die hinduistische Gottheit Krishna. So oft der Realschullehrer kann, besucht er heute den hinduistischen Tempel der internationalen Gesellschaft für Krishna Bewusstsein (ISKON) auf dem Zürichberg. Das Gottesverständnis von Lars sei sehr tolerant, schreibt Meier. Ob Gott, Allah, oder Krishna, laut Lars seien sie alle ein- und derselbe.

Die meisten der im Buch "Auf meine Art" portraitierten Jugendlichen stehen im Übergang von der Jugend zum Erwachsenen sein. Es sei daher nicht überraschend, dass sie versuchten, die eigene Identität auch für den Bereich der religiösen Orientierung zu finden, schreiben die Professoren Reiner Anselm, Daria Pezzoli-Olgiati und Thomas Schlag in der Einleitung.

Die einzelnen Portraits machen deutlich, wie eigenständig sich Jugendliche mit den religiösen Optionen auseinandersetzen. So heisst es denn auch zu Beginn: "Der in den vorliegenden Portraits immer wieder erkennbare "Zwang der Wahl" erscheint als bewusste Selbstpositionierung, kreative Verantwortungsübernahme, sowie als ernsthafte Selbstverpflichtung gegenüber den verschiedensten Orientierungsangeboten religiöser Bezugsgruppen und ihrer jeweiligen Praktiken." Deutlich sei auch, dass die porträtierten Jugendlichen sowohl auf die Sprach- und Deutungsmuster der jeweiligen Gruppe zurückgreifen und gleichzeitig ihre eigenen Vorstellungen entwickeln.

Inwieweit diese in Jugendkirchen kanalisiert werden können, ist die Frage, die sich gerade in Deutschland die grossen Kirchen immer wieder stellen. "Es braucht halt Zeit, um mit Angeboten für Jugendliche das kirchliche Vakuum zu füllen", ist eine gebräuchliche Floskel, die die teilweise erschreckend stoische Hilflosigkeit des Klerus beispielhaft demonstriert, während sich die Kirchenbänke leeren. Dieses Büchlein bietet keine Rezepte, führt aber eine Sichtweise vor Augen, die doch einigen eine Denkungsart aufzeigt, die nachzuvollziehen geziemt, um Verstehen zu lernen. Bereits der Maler und Schriftsteller Khalli Ghibran erkannte: "Das Selbstverständliche bemerkt keiner, bevor es jemand mit einfachen Worten sagt."

Die Universität Zürich und die Theologische Fakultät Zürich haben das Buchprojekt finanziell und ideell unterstützt. Für die Bilder wurde die Fotografin Ursula Markus engagiert. Sie hat die Studierenden bei ihrer Feldforschung begleitet und die jungen Menschen in ihrem Umfeld fotografiert.
 
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