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Jugendkirche zwischen Tradition und Aufbruch PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Dienstag, 10. Juni 2008
Ein Jubiläum gibt Anlass für einen Blick zurück. Zum 750-jährigen Bestehen der Visselhöveder St.-Johanniskirche wählte die Diskussionsrunde allerdings ein zukunftsgewandtes Thema für die Podiumsdiskussion: "Kirche im Spannungsfeld zwischen Tradition und Aufbruch". Kompetente Gesprächspartner hatte das Team um Diakon Dieter Weiss eingeladen. Der eigentliche Jubiläumsakt ist für Sonntag, 22. Juni geplant.

Die Moderation des Abends lag in den Händen von Helmuth Haase, Referent für Männerarbeit in der Landeskirche. Er führte ins Thema ein: "Mit der Zukunft der Kirche beschäftigen wir uns seit vielen Jahren. Allerdings hat sich jetzt in der Gesellschaft die Gefühlslage breit gemacht, dass es immer enger wird."
 
Er erinnerte an Zeiten, in denen Geld für die Kirche kein Thema war. "Das ist jetzt anders: In 20 Jahren werden wir ein Drittel weniger Mitglieder und nur noch 50 Prozent des heute zur Verfügung stehenden Geldes haben. Da ist ein Umbau nötig."

Jeder der Gäste bekam Gelegenheit, sich mit einem Eingangsstatement vorzustellen, bevor Haase die Diskussion einläutete. Im zweiten Teil des Abends konnten auch Fragen aus dem Publikum gestellt werden.

Aus der Sicht der jungen Menschen in der Kirche nahm Sabine Ahua, Jugenddiakonin des Kirchenkreises, Stellung: "Für eine junge Kirche, auch in der Zukunft, müssen wir Möglichkeiten zum Engagement schaffen, die persönliche Aus- und Weiterbildung vorantreiben und Begegnungen über den Tellerrand hinaus anbieten."
 
Kirche selbst müsse, um für Jugendliche attraktiv zu sein, verlässlich, authentisch und erkennbar sein. Dazu gehöre es auch, sich selbst kritisch zu hinterfragen und im Fluss zu bleiben. "Kirche muss jugendliche Sprache verstehen und verständlich sprechen", so Ahua.

Superintendent Hans-Peter Daub sieht in der Aufbruchsituation der Kirche kein Problem: "Kirche war und ist eine Erzählgemeinschaft über Aufbrüche." Er sieht drei wichtige Eigenschaften für die Kirche der Zukunft: Respekt, Beteiligung und Solidarität. "Was wir nicht brauchen, ist eine Kirche, die sich mit sich selbst beschäftigt."

Drei Aspekte hob auch Hartmut Ladwig, Vorsitzender des Kirchenkreistages, hervor: ehrenamtlichem Potenzial Raum geben, missionarische Kompetenz nutzen und Jugend für die Kirche neu entdecken. Jugendkirchen weisen seit einiger Zeit einen Weg, der diese Bedingungen erfüllen könnte.

Visselhövedes Bürgermeisterin Franka Strehse sieht nicht "die Kirche", sondern durch die Menschen geprägte und damit sehr vielfältige Kirche: "Wenn Grenzen, die freiwillig gezogen wurden, fesseln, werden sie gesprengt, bis sich neue Grenzen finden. Solange Kirche Aufbrüche provoziert, wird sie auch weiter existieren."

Auf die göttliche Verheissung des Bestandes der Kirche beruft sich Geurt van Viegen, Prediger der landeskirchlichen Gemeinschaft: "Kirche hat in der Vergangenheit manche Krise überstanden und daraus Impulse gewonnen." Für ihn muss nur stets "die Hauptsache die Hauptsache bleiben".

An die Zukunft einer diakonischen Kirche glaubt Pastorin Jutta Wendland-Park, Vorsteherin der Rotenburger Werke: "Die Menschen erwarten von uns, dass wir für sie einstehen. Und diese Seele des Sozialen darf niemals untergehen, wenn Kirche Zukunft haben will." So könnten Menschen einen kleinen Abglanz des Reiches Gottes erleben.

Daub stellte fest, dass bei allen Bedenken die Strukturveränderungen Chancen bieten: "An der Vergangenheit ist nichts Herrliches, zu dem wir zurück müssten. Wir können uns in unserer Geschichte allenfalls Energie für den Aufbruch holen." Und die Diskutierenden waren sich einig: Kirche hat Zukunft, auch wenn sie dann vielleicht anders aussieht als jetzt. Was sie bieten muss?
Innere Orientierung (Strehse)
Erzählvermögen (Ladwig)
Verlässlichkeit bei aller Offenheit (Ahua)
Sensibilität für die Not der Menschen (Wendland-Park)
verwegene Zuversicht, wie Luther sie gepredigt hat (van Viegen)
und Respekt gegenüber allen Menschen.
Foto zum Artikel: Im Spannungsfeld von Tradition und Aufbruch
Auf dem Podium diskutierten über die Zukunft der Kirche (von links): Kreisjugenddiakonin Sabine Ahua, Kirchenkreistagsvorsitzender Hartmut Ladwig, Visselhövedes Bürgermeisterin Franka Strehse, Referent für Männerarbeit Helmuth Haase, Superintendent Hans-Peter Daub, Juta Wendland Park (Vorsteherin der Rotenburger Werke) und Geurt van Viegen (Prediger der landeskirchlichen Gemeinschaft)


 
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