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Jugendkirche hofft auf spirituellen Input beim Christival PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Freitag, 2. Mai 2008
Das Christival begann vor zwei Tagen um 20 Uhr auf der Bremer Bürgerweide und wird am Sonntag mit einem Abschlussgottesdienst enden. Dazwischen gibt es viele unterschiedliche Programmpunkte mit Bibelarbeiten, verschiedenen Festivals, Seminaren, Nachtprogramm und mehr. Unter den 15.150 Dauerteilnehmer befinden sich auch viele Jugendliche aus den Jugendkirchen, die mit unterschiedlichen Aspekten christlicher Spiritualität und Kultur bereichert werden wollen, um sie in ihrer Jugendkirche gewinnbringend anzuwenden. Das Festival ist allerdings in den letzten Wochen mit viel Widerstand bedacht worden.


Auch zwei Tage nach der Eröffnung des evangelischen Jugendkongresses "Christival" in Bremen riss die Kontroverse um die Veranstaltung nicht ab. Der Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Grüne) forderte die "Christival"-Verantwortlichen auf, die Androhung rechtlicher Schritte gegen die Aktivistin Sara Dahnken von der Grünen Jugend Bremen zurückzunehmen und sprach von einem "Einschüchterungsversuch". In einem Interview hatte Dahnken die Diskriminierung von Homosexuellen durch Evangelikale auf eine Ebene mit der Diskriminierung von Juden durch die Nazis gestellt.

Der Kongress steht seit Monaten wegen eines zwischenzeitlich abgesagten Seminars über "Wege heraus aus homosexuellen Empfindungen" sowie wegen eines Seminars über Abtreibung in der Kritik. Auf dem Programm des christlichen Jugendtreffens steht aber weiterhin ein vielfach kritisiertes Seminar des radikalen Lebensschützervereins "Die Birke", der sogar bei Vergewaltigung von Abtreibung abrät.

"Birke"-Geschäftsführer Kristijan Aufiero: "Viele dieser Kritiker verdienen ihr Geld mit der Tötung von ungeborenen Kindern." Die vor einer Abtreibung vorgeschriebenen Beratungsscheine seien "Tötungslizenzen". Dagegen berate seine Organisation ergebnisoffen, "weil sie zum Leben rät: Das Leben ist ergebnisoffen".

Beck hatte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) aufgefordert, die Absage des "Homosexuellenheilungsseminars" durchzusetzen oder ihre Schirmherrschaft zurückzugeben. Die Ministerin fördert das Treffen mit 250'000 Euro.

Bei einem Empfang im Bremer Rathaus nannte Christival-Leiter Roland Werner das Abtreibungsseminar einen "ganz kleinen Ausschnitt dieses grossen, fröhlichen Glaubensfestes" mit mehr als 300 Seminaren, Bibelarbeiten und Feiern. Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) betonte, dass bei Abtreibungen "die Entscheidungen der Frauen zu respektieren sind" und dass sich der rot-grüne Bremer Senat intensiv für die Gleichstellung Homosexueller einsetze. Er nannte das Festival aber auch eine "Bereicherung für uns alle".

Leitende Repräsentanten der evangelischen Landeskirchen hatten ihre Solidarität mit dem Christival erklärt. Der Berliner Bischof Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, will das Festival am heutigen Freitag besuchen.

Warnung vor Fundamentalismus

Beim fünften Christival seit 1976 treffen sich noch bis Sonntag mehr als 15 000 junge Menschen aus ganz Deutschland und anderen Ländern in Bremen. Träger sind 120 Vertreter evangelikaler Organisationen wie CVJM, "Geistliches Rüstzentrum Krelingen" und "Entschieden für Christus".

Die Sektenexpertin der Hamburger Innenbehörde, Ursula Caberta, kritisierte in einem Radiointerview unter anderem das konservative Frauenbild der Evangelikalen. Die Kirchen dürften "nicht der Versuchung unterliegen, über diese evangelikalen, fundamentalistisch Abdriftenden zu meinen, sie könnten ihre Kirche beleben", sagte sie dem Evangelischen Kirchenfunk Niedersachsen.

Mit Slogans wie "Masturbieren statt Missionieren" und "Evas Genitale statt Evangelikale" fanden sich im Vorfeld des Festivals am Mittwoch zahlreiche Demonstranten gegen die evangelikale Grossveranstaltung "Christival" ein. Während auf der Bürgerweide die BesucherInnen die Eröffnung des dreitägigen Jugendfestivals mit gemeinsamen Beten und Musik feierten, kritisierten Demo-Rednerinnen homophobe Positionen der Christival-Organisatoren. Auf dem Festival werde "in einem modernen Gewand mit viel jugendlicher Popkultur ein extrem rechtes Weltbild vertreten", sagte eine Frau. Gezeigt wurden Schilder wie "Sex statt Ehe" oder "Homosexualität ist eine Krankheit und die Erde ist eine Scheibe".

Einige Demonstrationsteilnehmer hatten versucht, die Eröffnungsveranstaltung des konservativ-evangelischen Jugendfestivals "Christival" in Bremen zu stürmen. Aus einem friedlichen Demonstrationszug mit rund 1000 Teilnehmern - darunter viele Homosexuelle und Frauenrechtlerinnen - lösten sich etwa einhundert Demonstranten, rissen den Aussenzaun des Freiluftgeländes teilweise nieder, bewarfen Ordner mit Feuerwerkskörpern und drangen bis zur inneren Absperrung vor.

Da die Polizei nicht sofort vor Ort war, bildeten Teilnehmer des Christivals zusammen mit Ordnern und freiwilligen Helfern eine Mauer, um die Demonstranten daran zu hindern, die Eröffnungsveranstaltung zu stören. "Es ist erstaunlich, dass 16-Jährige nicht vor Angst weggelaufen sind, sondern sich gemeinsam mit den Ordnern gegen die gewalttätigen Randalierer gestellt haben", sagte der Kabarettist und Evangelist Torsten Hebel (Berlin) am 1. Mai vor rund 6.000 Teilnehmern des Jesus-bewegt-Festivals: "Das ist gelebtes Christentum." Als die Polizei einschritt, flüchteten sie. Zwei junge Männer konnten gestellt werden. Ein Beamter wurde verletzt.

Ein Sprecher des Bündnisses "NoChristival" begründete die Gewalt damit, dass die Polizei eine Kundgebung am Eingang des Christivals verboten hatte: "Vermutlich wollten die DemoteilnehmerInnen, die sich aus dem Demozug in Richtung Christival entfernten, ihrem Unmut darüber Luft machen und ihren Protest auch für ChristivalteilnehmerInnen hör- und sichtbar machen."

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  1. Christival bewegt jugendkirche

  2. Jugendkirche auf dem Christival

  3. →Vertreter der JuKis auf dem Christival

 
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