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Jugendkirche Hamburg eröffnet PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Montag, 21. April 2008
Jugendkirche ist ein zukunftsweisendes missionarisches Projekt. Die vier Kirchenkreise Altona, Blankenese, Niendorf und Pinneberg, die im Frühjahr 2009 zum Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein fusionieren, haben im Sommer 2007 beschlossen, das Projekt "Jugendkirche" für zunächst sieben Jahre zu unterstützen. In der umgestalteten Bugenhagenkirche gibt es jetzt neben von Jugendlichen veranstalteten Gottesdiensten auch Musicals, Ausstellungen, Konzerte, Theaterstücke und Kinofilme.

Die Jugendkirche wird ein besonderer Ort sein, der schon durch das Gebäude Fragen nach Spiritualität, Sinn und gelebtem Glauben in diese Selbstinszenierungen einträgt. Sie wird immer wieder den Versuch wagen, die Lebenswelt Jugendlicher mit ihrer Sprache und ihrem Stil und ihrem Fragen Raum zu geben. Die neue Jugendkirche befinde sich "in Gottes Stube" und sei "nicht in einen Kellerraum verbannt" worden, sagte Altonas Propst Horst Gorski. Darin zeige sich die Wertschätzung, aber auch das Vertrauen in die Jugendarbeit.

Lichtkaskaden zerren den Raum in eine flirrende Oberfläche, aus den Lautsprecherboxen dröhnt Musik. Ein Mann mit dunklem Lockenschopf spielt E-Gitarre und singt dazu. Er sieht aus wie Bob Dylan, er singt wie Bob Dylan - doch es ist Robert 'Bob' Zeidler, Pastor an Hamburgs erster Jugendkirche. Hamburgs erste Jugendkirche steht in Gross Flottbek.

Zeidler: "In der Jugendkirche wollen wir junge Menschen in ihrer Lebenswelt mit ihrer Sprache und Kultur ernst nehmen. Wir versuchen, das Evangelium von der Liebe Gottes in Wort und Aktion, Musik und Theater erlebbar zu machen und so Jugendliche anzusprechen. Sowohl die, die schon Kontakte zur Kirche haben, als auch Neugierige oder Distanzierte. Konkret: Jugendkirche wird ein Experimentierfeld sein. Sie wird Jugendlichen Raum zur Selbstinszenierung geben und Neues wagen, denn Jugendliche finden in der Gesellschaft immer weniger Räume vor, die sie nutzen und gestalten können."

Der Altarraum mit Bronzekreuz, Kanzel und Taufbecken bleibt erhalten, doch werden dort statt harter Holzbänke bequeme Stühle und Sofas stehen. Im Foyer gibt es ein Bistro, und an der Decke hängen Träger für Licht- und Tonanlagen - die wurden nach der Eröffnung am Freitag, 18. April (20 Uhr), gleich bei einem ersten Konzert getestet. Der Weg zu Hamburgs erster Jugendkirche war lang - erste Planungen gab es bereits im Jahr 2000.

Erst durch eine Gemeinschaftsaktion der Kirchenkreise Altona, Blankenese, Niendorf und Pinneberg konnte das 290 000 Euro teure Projekt finanziert werden. In den vergangenen zehn Monaten wurde dafür die 1964 errichtete evangelische Bugenhagenkirche komplett umgestaltet (wir berichteten → Auf der Zielgeraden). "Hier entsteht ein zentraler Ort für Jugendliche im Hamburger Westen", sagte der Blankeneser Propst Arnd Schomerus.

Da Jugendkirche immer auch Kirche ist, wird es ein festes Gottesdienstangebot geben. Diese Gottesdienste und Andachten werden sicher anders inszeniert werden als die klassischen Sonntagsgottesdienste. Sie werden geprägt sein von einer eigenen Liturgie, besonderer Musik (Von Bach bis Band), Impulsen (Theater, Film, Texte, Rap als Predigt etc) und natürlich von Jugendlichen vorbereitet und mit ihnen zusammen gefeiert, so Zeidler.

"Wann immer wir die Türen aufmachen, sind wir Kirche. Wir machen in diesen Räumen natürlich Gottesdienste - aber eben auch Theater oder Anderes, und hier gestalten junge Menschen Kirche. Da wird das Kirchenschiff schon mal zum Raumschiff umgewandelt. Ich bin mehr im Hintergrund." Alle zwei Wochen sollen sonntagabends Jugendgottesdienste stattfinden, kündigte Jugendpastor Robert Zeidler an. Geplant sind auch Konzerte und Theater sowie wechselnde Ausstellungen.

Am Wochenende eröffneten er und sein Team, das sich aus Schülern, Studenten und Auszubildenden aus ganz Hamburg zusammensetzt, die JuKi gleich mit einem etwas anderen Gottesdienst. Zwar sprachen auch Bischöfin Maria Jepsen und Propst Arnd Schomerus bei der Veranstaltung, doch die Hauptrollen spielten die Jugendlichen - bei sketchartigen Aufführungen und fetzigen musikalischen Darbietungen, die dafür sorgten, dass im Publikum Füsse wippten und Köpfe nickten. Knapp 300 Menschen aller Altersstufen waren gekommen. "Wir haben eine wunderbare Kirche, die sich gut für Theater und Konzerte nutzen lässt. Es gibt Licht- und Tontechnik. Wir können mehr als "Licht an" und "Licht aus", begeisterte sich Zeidler.

Zum Beispiel Installationen, die den Kirchraum verfremden und die zu neuen Erfahrungen einladen oder durch Ausstellungen. Durch diese Gross angelegten Events können Kontakte zu Schulen hergestellt werden und ganze Schulklassen eingeladen werden, die Jugendkirche kennen zu lernen und zu nutzen. So können viele kirchenferne Jugendliche angesprochen werden und spüren, dass Kirche durchaus etwas mit ihrem Leben und ihrer Lebenswelt zu tun hat. Die Jugendkirche kann Module zu bestimmten Themen oder Kirchenjahreszeiten entwickeln und diese den Gemeinden und Schulen anbieten.

Die Jugendkirche kann in verschiedenen Veranstaltungen Jugendkultur im wahrsten Sinne in die Kirche holen. "Die Jugendlichen gehen mit einer grossen Ernsthaftigkeit daran. Was anders ist: Es wird viel inszeniert. Musik ist sehr wichtig. Inhaltlich geht es weniger um die Kreuzungstheologie bei Paulus, sondern um die Frage: Wie kann Gott das zulassen? Wo spür' ich ihn im Alltag?" Dazu gehören:
● Ausstellungen, durch die Jugendliche möglichst von Jugendlichen geführt werden
● Konzerte von Jugendbands und Gospel Chören
● Theaterstücke, die in Schulen entwickelt worden sind und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen
● Kino in der Kirche
● Seminare und Kreativworkshops (Kunst in der Kirche, Erproben von Gottesdienstformen, Seminare für Jugendleiter)
● und natürlich auch Feste zu besonderen Anlässen.
"Wir machen Angebote von und für Jugendliche", beschrieb Zeidler das Konzept des Projektes. Alle Veranstaltungen würden von einem Team geplant und vorbereitet. Gewünscht sei auch die enge Zusammenarbeit mit Schulen, Kitas und Kirchengemeinden. Auch Kreativkurse jeder Art würden zum Programm gehören. Die Zielgruppe: Jugendliche, Schülerinnen und Schüler, Konfirmandinnen und Konfirmanden, junge Erwachsene - Menschen mit einem jungen Herzen. Eine Ausweiskontrolle am Eingang ist nicht vorgesehen.

Ganz klar - die Jugendkirche ist ein missionarisches Projekt. "Mit Theater, Rock-Gottesdiensten, Ausstellungen und Schulkooperationen wollen wir junge Menschen aus ganz Hamburg anlocken", so Pastor Robert Zeidler. "Wir möchten ihnen zeigen, dass unsere Kirche keinem Klischee entspricht." Zehn Jahre lang hat der 42-Jährige in verschiedenen Gemeinden Jugendarbeit geleistet - jetzt freut er sich, endlich in einer Kirche zu Hause zu sein. "Deren Herz sind jedoch die Jugendlichen vom Organisationsteam", sagt er mit väterlichem Stolz. "Die sind ein wahrer Schatz."

Jugendkirche startet Serie von Rockgottesdiensten In der gerade eröffneten Jugendkirche startet eine Serie von Rockgottesdiensten: Junge Bands spielen ihr Programm, gerahmt von gottesdienstlichen Elementen. Viel Musik - und doch ein Jugendgottesdienst. "Musik bringt manchmal mehr Inhalt und Stimmung rüber, als viele Worte!",  findet Hannah Schmidtpott (15, zur Zeit Praktikantin an der Jugendkirche).

Den Auftakt machen Fretted Frets, einer Band aus Hamburg, die sich mit  deutschem und englischen Rock und Pop bereits eine echte Fangemeinde erspielt  hat. Los geh es am 27.4. um 18:00. Danach rocken am 25.5. um 18:00 Mel Age aus Hamburg in der der Jugendkirche  . Aus Kiel kommen Four Pilots an Sophie mit einem abwechslungsreichen  Programm am 8.6. um 18:00 Und am 22.6. spielt Heaven 7 um 18:00 eine bekannte interkulturelle Band mit  Musikern aus Russland, Moldawien und Deutschland eine Mischung aus Rock, Pop  und Soul. 

"Eigentlich gehen wir nur zu besonderen Festtagen in die Kirche. Hierher werden wir sicher öfter kommen", äusserten sich anwesende Jugendliche, begeistert von der Eröffnung.

Zu diesem Thema siehe auch → EVA verführte Juki ...

 
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