Erstes "Presbyter-Mitarbeiter-Konvent" zum Thema "Kirche der Freiheit" in Goch. Arbeitsgruppen im Ev. Seniorenzentrum und im Haus der kreiskirchlichen Dienste fanden in anregenden Gesprächen weniger Antworten, als dass sie Kritik äusserten: Die im Impulspapier angesprochene Öffnung der Gemeinden und deren Differenzierung wird in ländlichen Gebieten nicht funktionieren, äussersten sich die Skeptiker. Wird die Wahl zwischen Jugendkirche oder Konzertkirche an den Entfernungen gemessen?
Von einer verbindenden Kirche, die sowohl das eine, als auch das andere je nach temporärer Nutzung darstellen und im christlichen Sinne des friedfertigen Miteinanders existieren könnte, scheint da noch niemand überzeugt zu sein.
Heinz-Jürgen Joppien, theologischer Referent des Landeskirchenamtes, gab den Teilnehmern und Teilnehmerinnen des Konventes eine Einleitung zum nun fast zwei Jahre alten Impulspapier "Kirche der Freiheit". "Das Papier ist erst der Anfang eines Prozesses, der auf das 500-jährige Kirchenjubiläum 2017 hinarbeitet", so Joppien. Dann will die Evangelische Kirche ihr Profil geschärft haben, verständlich und überzeugt sagen können, was "evangelisch" ist.
Die "Kirche der Freiheit" in seiner vorliegenden Form muss noch übersetzt, verständlich gemacht werden, gab der Referent zu. "Das ist uns zu schwammig und teilweise abgehoben", war eine der ersten Reaktionen am Freitagabend. Wer aber zu bestimmten Leuchtfeuern weiterarbeiten will, dem empfahl Joppien die erschienene Dokumentation zum Impulspapier, das Reaktionen und Meinungen aus den 23 Landeskirchen und Einrichtungen bündelt.
Das Impulspapier "Kirche der Freiheit" formulierte Orientierungshilfen in zwölf "Leuchtfeuern", wie sich die Evangelische Kirche bis zum Jahre 2030 entwickeln kann und soll: "Es geht darum, dass die Kirche ihr Profil schärfen, verständlich und überzeugend sagen will, was "evangelisch" ist", erläuterte Stefan Schmelting, Pressesprecher des Evangelischen Kirchenkreises Kleve. Tenor des Konvents: Es braucht nicht unbedingt Pfarrer an jedem Ort, aber einen festen Ansprechpartner.
"Die "Kirche der Freiheit" fordert Qualitätsmanagement auf allen Ebenen, die weitere Professionalisierung der Arbeit nicht nur haupt- , sondern auch ehrenamtlich, Konzentration von Aufgaben und Angeboten. Die sollen künftig noch ansprechender und zielgruppenspezifisch ausgerichtet werden", die darüber hinaus noch ansprechender und zielgruppenspezifisch ausgerichtet werden sollen als bisher. Wie das bei der Vorhersage schwindender Einnahmen und kleinerer Personalausstattungen funktionieren könnte, wird sich noch zu zeigen haben.
"Jede Herde braucht eine Leitfigur" entschied Arbeitsgruppe 1, also einen Pfarrer oder eine Pfarrerin, die Ehrenamtliche anleiten können und Nähe vermittelten, ein Heimatgefühl schaffen. Es braucht also nicht unbedingt Pfarrer an jedem Ort, aber einen festen Ansprechpartner. "Damit jeder Mitarbeitende seine Aufgabe bestmöglich erfüllen kann, müssen Pfarrschaft, Diakonieschwestern und andere Mitarbeitende von bürokratischen Aufgaben entlastet werden", war eine weitere Forderung.
Auch wenn es schwer fällt, viele Gemeinden werden nicht mehr komplett alles anbieten können, "Gemeinden müssen Schwerpunkte in der Arbeit setzen", meinte Arbeitsgruppe 2. Wobei auch die Ausbeutung von Ehrenamtlichen tunlichst vermieden werden sollte. Vernetzung wird noch wichtiger als bisher, das Impulspapier fordert den Austausch von guten Erfahrungen. Die Kommunikation der Dinge, die nicht funktionieren, ist ebenso wichtig, diese Anregung des Konvents nahm Joppien mit ins Landeskirchenamt.
Und die Jugend?
Kommunion oder, in diesem Falle, Konfirmation - ein Tag der Geschenke, ein wenig schulfrei, ein feierlicher Gottesdienst- und sonst nichts? Stefan Schmelting erläutert, dass er das ganz und gar anders sieht: "Gerade nach der Konfirmation entscheiden sich die jungen Leute in der Tat noch einmal - mehr oder weniger bewusst. Entweder sie nehmen tatsächlich am gemeindlichen Leben weiter teil oder kehren der Kirche bis zur Hochzeit den Rücken. Die Konfirmation ist eine Bezeugung, eine Stärkung (firmare lat-. stärken, befestigen) des eigenen Glaubens."
Kirche braucht- und Kirche hat junge Leute, die ihre Ideen, ihre Freude am Leben mit anderen teilen und sich engagieren. Kirchengemeinden bieten jungen Menschen eine Palette von Angeboten, an denen sie teilnehmen können, oder die sie selbst neu nach ihren Vorstellungen mit organisieren dürfen."
So seien zum Beispiel Jugendkirchen mit ihrem jugendgerechten Ansatz zur aktiven Mission, Jugendgottesdienste, LAN-Partys, Sportturniere oder Jugendfreizeiten, genannt. Wenn die Konfirmation kein leeres Versprechen sein soll, ergibt sich für die Jugendlichen daraus die freiwillige Bereitschaft, Teil der Gemeinschaft zu sein und diese mit zu gestalten - vorausgesetzt, es liegen entsprechende kirchliche Angebote und jugendgerechte Liturgien vor, die auch und gerade den jungen Erwachsenen für sich gewinnen kann.
Und zum Abschluss noch einmal Schmelting, der die Gedanken einiger Kritiker formuliert: "Es wurde beispielsweise vorgebracht, dass die im Impulspapier angesprochene Öffnung der Gemeinden und deren Differenzierung in ländlichen Gebieten eventuell nicht funktioniert, weil die Kirchen hier nicht im Kilometer-Abstand beieinander liegen wie in Ballungszentren. Da kann die Wahl zwischen Jugendkirche oder Konzertkirche an der Fahrstrecke scheitern." Wie alles unter solchen gedachten Bedingungen und vorgebrachten Einwänden funktionieren soll, ist die spannende Frage der Zukunft. Die nächste Fortbildung für neue und wiedergewählte Presbyterinnen und Presbyter beschäftigt sich am Samstag, 17. Mai mit der Struktur der Kirche und der Kirchenordnung.
Haus der kreiskirchlichen Dienste Niersstrasse 1 47574 Goch
Stefan Schmelting Tel. (0 28 23) 94 44-26 Fax (0 28 23) 94 44-11
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