Jugendpfarrer Wandersleb findet in der Erlöserkirche an der Gunststrasse einen idealen Raum für das Projekt Jugendkirche. Sie ist nicht gross aber grosszügig und hat neben dem Kirchraum weitere angrenzende Räume, die für unterschiedliche Angebote genutzt werden können. Hier macht sich positiv bemerkbar, dass das Gebäude um die Jahrhundertwende ursprünglich als Gemeindehaus - "Elimkapelle" genannt - als Zweigstelle der Stiftskirchengemeinde für den damaligen Arbeiterbezirk Sudbrack konzipiert wurde.
Das Kirchengebäude wird in einem letzten Gottesdienst am 31. August an die Jugendlichen übergeben werden, kündigte Christoph Steffen, Presbyteriumsvorsitzender der Lydiagemeinde, zu der die Erlöserkirche gehört, an. Das Aufgeben einer Kirche sei immer ein schmerzlicher Prozess. Zugleich sei das neue Angebot der Jugendkirche jedoch auch eine Chance.

Wegen sinkender Mitgliederzahlen und Einnahmen könne die Gemeinde auf Dauer nicht zwei Kirchen unterhalten, erläuterte Steffen, und durch die Jugendkirche "haben wir als evangelische Kirche die Möglichkeit, die Erlöserkirche zu erhalten." Das Gemeindehaus am Johanniskirchplatz und die Johanniskirche werden in Zukunft die Haupttreffpunkte der Lydiagemeinde sein. Der Beschluss des Presbyteriums sei einstimmig gewesen.
Begleitet werde die Jugendarbeit von Mitarbeitern des Jugendpfarramtes und Ehrenamtlichen. Die Jugendkirche soll ein sozialer Treffpunkt werden und Raum für Debatten bieten. Möglich sei auch die Einrichtung einer Bühne oder einer Bar. Wandersleb: "Als Jugendpfarrer bin ich gemeinsam mit den vielen Hauptberuflichen verantwortlich für die Evangelische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in unserem Kirchenkreis und seinen verschiedenen Gemeinden.
Mein Hauptanliegen ist es, für die bestmöglichen Rahmenbedingungen (Finanzen, Personal, Strukturen etc.) für unsere Arbeit Sorge zu tragen. Jugendliche sollen nämlich in unserer Arbeit geschützte Räume, engagierte Ehrenamtliche und profilierte Hauptberufliche vorfinden, damit sie sich ausprobieren können, Wegbegleitung erfahren und Lebensperspektiven entwickeln können ... Mit Jugendlichen machen wir uns auf den Weg, Neues auszuprobieren."
In der Erlöserkirche gibt es genügend Möglichkeiten, um die Räume vielfältig zu nutzen. Neben dem Kirchraum als Gottesdienststätte und Versammlungs- und Veranstaltungsort, sollte es einen Raum für spirituelle Erfahrungen, einen Lese- und Ruheraum, einen Raum für die Nutzung von Computern, einen Seminarraum, eine Küche (schon vorhanden) usw. geben. Der Bereich unter der Empore kann als Cafe gestaltet werden.
Thomas Wandersleb unterstreicht: "Wir wollen hier keine fertige Kirche hinstellen, sondern die Jugendlichen sollen hier selbstverantwortet ihre Kirche gestalten können. Sie sollen ihre Ideen und Vorstellungen umsetzten können und nicht die der Erwachsenen." Allerdings soll nicht mit kostspieligen und aufwendigen Renovierungen begonnen werden, sondern die Kirche soll in dem Zustand genutzt werden, wie sie zurzeit ist.
Dass Kirchenräume eine besondere Ausstrahlung besitzen, haben die Jugendlichen bestätigt, die vor einigen Wochen am Workshop Jugendkirche teilnahmen. Thomas Wandersleb und seine Mitarbeiter hatten Schüler aus dem evangelischen Religionsunterricht in die Erlöserkirche eingeladen, um ihre Ansichten von Kirche, Gott, Wertvorstellungen oder Bezugsgruppen aufzunehmen. "Sobald sie in die Kirche kamen, waren sie deutlich leiser als ich das sonst kenne", stellt der Jugendpfarrer des Kirchenkreises fest.

Das heisst jedoch nicht, dass sie sich die Kirche als Institution und die Erlöserkirche als Raum nicht auch anders vorstellen können. So meint Daniel aus der 10. Jahrgangsstufe: "Altmodische Gottesdienste langweilen uns. In der Jugendkirche wäre es möglich, dass wir bei den Gottesdiensten die Predigt und die Musik mitgestalten."
Ilka findet es wichtig, mit Leuten ihres Alters zusammenzukommen und wünscht sich Freizeitangebote wie Hausaufgaben, Kochen und Internetcafe. Jonas kann sich DVD-Abende, Theateraufführungen und Partys in einer Jugendkirche vorstellen. Anjuli meint: "Die Vorurteile Jugendliche engagieren sich nicht für Ältere und Jugendliche interessieren sich nicht mehr für Gott und Religion und Kirche stimmen nicht. Jugendkirche wäre unsere Chance, das Gegenteil zu beweisen!"
Regelmässige Jugendgottesdienste, "geistliche Events" und spirituelle Angebote werden zum Programm gehören. In der Woche soll es an bestimmten Tagen Öffnungszeiten geben, an denen die Jugendlichen in der Kirche Begegnungsmöglichkeiten haben und einen Ort vorfinden, an dem sie weitere Planungen und Absprachen vornehmen können.
Auf diese Weise können die Jugendlichen direkt die Entwicklung ihrer Jugendkirche beeinflussen (z. B. Finanzierung, Ausgestaltung der Räume, Programmplanung, Internetauftritt und -kommunikation ...). Nach zwei Jahren soll mit einer Evaluierung eine Bilanz gezogen werden.
Das Projekt der Jugendkirche sei eine Chance für alternative Gemeindemodelle, erklärte die Sprecherin Astrid Weyermüller, und mit der speziellen Kirche sollen Jugendliche ihren eigenen, selbst verantworteten und selbst gestalteten kirchlichen Raum erhalten. Die Kirche sei nicht für eine bestimmte Gemeinden zuständig, sondern nehme die Zielgruppe der Jugendlichen in den Blick. Die Jugendkirche wird im September offiziell starten. "Wir werden aber sicher vorher schon die eine oder andere Veranstaltung hier durchführen", so Wandersleb.
Ansprechpartner: Jugendpfarrer
Thomas Wandersleb
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Fon: 0521 / 5837-202
Fax: 0521 / 5837-281
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