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Was in vielen Jugendkirchen eigentlich anstandslos funktioniert, wurde in einer 7-jährigen Studie ausführlich untersucht und diskutiert: Ökumene. Jetzt werden die Ergebnisse des gemeinsamen Projekts als Grundlage für weitere Gespräche und Überlegungen der Öffentlichkeit an der Lateran-Universität in Rom und der Evangelisch-Theologische Fakultät in Tübingen vorgestellt. Professoren der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen und der Päpstlichen Lateran-Universität in Rom präsentierten am 7. April in Tübingen den 600 Seiten starken Band "Grund und Gegenstand des Glaubens nach römisch-katholischer und evangelisch-lutherischer Lehre", der die Ergebnisse der ersten Arbeitsphase bietet.
Impulse wie dieser seien dem Dialog zwischen der reformatorischen und der katholischen Theologen dringend zu wünschen, erklärte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), bei der Vorstellung eines Studienprojekts der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen und der Päpstlichen Lateran-Universität in Rom am Montag, 7. April, in Tübingen. Vorgestellt wurde das von den Professores Dr. Eilert Herms, Dr.Christoph Schwöbel (Tübingen) und Dr. Wilfried Härle (Heidelberg) und den Professores Dr. Guiseppe Lorizio und Dr. Lubomir Zak (Rom) verantwortete Projekt "Grund und Gegenstand des Glaubens nach römisch-katholischer und evangelisch-lutherischer Lehre".
Am Mittwoch, 9. April, wird das Projekt in Rom vorgestellt. Bei der Vorstellung in Tübingen sollte ausser Bischof Wolfgang Huber für die EKD der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Johannes Friedrich sprechen, der wegen Krankheit absagen musste.
Seit sieben Jahren, so informiert die Einladung zu den beiden Studientagen, arbeite an der Päpstlichen Lateran-Universität Rom eine internationale und interkonfessionelle Forschungsgruppe zu fundamentaltheologischen Themen. Ziel sei es nicht, eine gemeinsame Fundamentaltheologie zwischen der römisch-katholischen Theologie und der evangelisch-lutherischen Theologie zu finden, "die die beiden Lehrtraditionen übergreift und verschmilzt", sondern eine vertiefte gegenseitige Erfassung der "eigenen Konstruktionsprinzipien jeder der beiden Lehrtraditionen". Beide Seiten, so wird berichtet, versuchen, nicht nur die eigenen Tradition zu vertiefen, sondern auch "– in einem Akt ‚methodischer Empathie’ – die Position der Partner von innen heraus nachzuvollziehen". Dies könne schliesslich auch für das gemeinsame christliche Leben nicht folgenlos bleiben, heisst es in der Einladung für die beiden Studientagen. An den beiden Tagen wird der in einer Gemeinschaftsproduktion bei den Verlagen Mohr Siebeck (Tübingen) und Lateran University Press (Rom) erschienene erste Ergebnisband vorgestellt.
Der bisherige ökumenische Dialog, so der Vorsitzende des Rates der EKD, Bischof Wolfgang Huber, habe die Aufgabe hinterlassen, "auch bei bleibenden Unterschieden in fundamentaltheologischen wie in ekklesiologischen Fragen gleichwohl eine Kultur des wechselseitigen ekklesialen Respekts auszubilden, ohne die ökumenische Fortschritte nicht vorstellbar sind". Nur über einen vertieften theologischen Dialog könne es zu einem sich vertiefenden gemeinsamen Zeugnis und Dienst der Kirchen kommen. Dazu braucht es nach Ansicht des Ratsvorsitzenden ein präzisiertes Differenzbewusstsein und ein präzisiertes Einheitsbewusstsein. Dieses Differenzbewusstsein lasse sich nur aufbauen, "wenn beide Seiten einen Sinn für die innere Stimmigkeit des theologischen Denkens der jeweils anderen Seite entwickeln". Das präzisierte Einheitsbewusstsein erfordere die Rechenschaft darüber, "inwiefern es sich bei diesen unterschiedlichen theologischen Denkwegen um ein und dieselbe Sache des christlichen Glaubens handle". Es sei ein anspruchvolles Vorhaben, "das theologische Denken, der jeweils anderen Seite aus sich selbst zu verstehen und gerade so zu einem vertieften Verständnis der eigenen Theologie zu kommen, um auf diesem Weg ein reiferes Verständnis der untersuchten Sache selbst zu entwickeln".
Hermann Barth weist in Rom drauf hin, dass die Christen beider Seiten sich nach spürbaren Verbesserungen im praktischen Zusammenleben sehen. Ohne die sorgfältige Wahrnehmung des bleibenden Unterschiedlichen und ohne Bereitschaft zu einer Ökumene des wechselseitigen Respekts könne ein differenzierter Konsens nicht gefunden werden. Der Akt "methodischer Empathie" um die Position des Gesprächspartners auch von innen heraus nachvollziehen zu können sei ein ambitioniertes Vorhaben, erklärt der Präsident des EKD-Kirchenamtes. Wenn es stimme, dass die römisch-katholische und die reformatorische Theologie unterschiedliche Kulturen darstellen, dränge sich die Frage auf: "In welchem Masse wird die Voraussetzung überhaupt erfüllt werden können, dass römisch-katholische Theologen die Fähigkeit erworben haben, konsequent lutherisch, und lutherische Theologen die Fähigkeit, konsequent römisch-katholisch zu denken’?" Beheimatung und kulturelle Prägung reichten weiter als theologische Denkansätze, so Hermann Barth. Es lohne sich, diesem Punkt besondere Aufmerksamkeit zu widmen, denn dort entscheide sich, wie ertragreich die methodische Innovation des Studienprojekts sein könne.
"Ohne Interesse am Anderen und ohne wohlwollende Wahrnehmung des Anderen ist Verstehen gar nicht möglich," erläutert der Braunschweiger Bischof Friedrich Weber in seinem Grusswort in Rom. Gegenseitiges Verstehen sei der erste Schritt zum gemeinsamen Verstehen. So werde das Ziel des Studienprojektes, sich der eigenen Konstruktionsprinzipien und vor allem auch die der anderen bewusst zu werden, auch die Suche nach gemeinsam verantworteten Aussagen des Glaubens helfen, so der Catholica-Beauftragte der VELKD: "Das profunde Verstehen der Denkvoraussetzungen und Positionen der Anderen ermöglicht einen gemeinsam verantworteten und gemeinsam zur Sprache gebrachten Konsens, der zugleich seine Grenzen thematisiert und aufzeigt, wo überhaupt Übereinstimmung angestrebt werden muss." Umfrage Anfang des Jahres in Deutschland ( www.jukis.org/ök-kirchnnutzung): "In einigen evangelischen Landeskirchen und katholischen Bistümern zieht man in Erwägung, bestimmte Kirchengebäude aus Kostengründen gemeinsam zu nutzen. Soll das möglich sein?" Buchhinweis:
Seit 2001 arbeitet an der Päpstlichen Lateran-Universität Rom eine internationale und interkonfessionelle Forschungsgruppe zu fundamentaltheologischen Themen in interkonfessioneller Perspektive. Zielsetzung ist eine vertiefte Erfassung der eigenen Konstruktionsprinzipien jeder der beiden Lehrtraditionen. Dieses Ziel wird jedoch gemeinsam angestrebt.
Das ist eine methodische Neuerung: Jede Seite versucht, nicht nur die Konstruktionsprinzipien der eigenen Lehrtradition, sondern auch der des Partners zu befolgen. Der vorliegende Band bietet die Ergebnisse der ersten Arbeitsphase.
Evangelische Theologen versuchen, nicht nur konsequent evangelisch, sondern auch konsequent römisch-katholisch zu denken; umgekehrt versuchen römisch-katholische Theologen, nicht nur konsequent römisch-katholisch, sondern auch konsequent evangelisch zu denken. In einem Akt methodischer Empathie versucht jede Seite, die Position der Partner von innen heraus nachzuvollziehen.
Voraussetzung dafür ist: Jede Seite unterstellt - aus eigener Überzeugung und auf dem Boden der gemeinsamen Taufe -, dass ihre Partner auf dieselbe Wirklichkeit bezogen sind wie sie selbst, nämlich auf die Offenbarung der Wahrheit des Evangeliums. Jede Seite versteht Lehraussagen der anderen Seite als eine spezifische Wahrnehmung derselben "res", um deren angemessene Erfassung es auch ihr selbst geht.
Dadurch kann das Sachverständnis der Partner besser erkannt und auch das eigene Sachverständnis vertieft und konkretisiert werden. Das wiederum kann zu veränderten gegenseitigen Einschätzungen führen, die auch für das gemeinsame christliche Leben nicht folgenlos bleiben.
Inhaltsübersicht (2008. XVI, 610 Seiten)
- Eilert Herms: Glaubensgewißheit nach römisch-katholischer Lehre
- Giuseppe Lorizio: Überlegungen zu der Beziehung zwischen Offenbarung, Glaube, Vernunft auf der Grundlage der Texte des katholischen Lehramtes
- Lubomir Zak: "Offenbarung und Glaube" in den Lehrtexten der Reformation
- Eilert Herms/Christoph Schwöbel: Fundament und Wirklichkeit des Glaubens als Begründung eines evangelischen Verständnisses von Lehrverantwortung
- Wilfried Härle: Das christliche Verständnis von Wahrheit und Gewißheit aus reformatorischer Sicht
- Christoph Schwöbel: Offenbarung, Glaube und Gewißheit in der reformatorischen Theologie
- Eilert Herms: Freiheit und Wahrheit nach Veritatis Splendor und Fides et Ratio
- Massimo Serretti: Die Offenbarung. Selbstmitteilung der Wahrheit
- Lubomir Zak: Die Ontologie der menschlischen Person im Denken Martin Luthers
- Wilfried Härle: "Hominem iustificari fide". Grundzüge der reformatorischen Anthropologie
- Eilert Herms: Die Christusoffenbarung als Offenbarung der Wahrheit über den Menschen. Die Abhängigkeit des Menschen von der Offenbarung der Wahrheit über Gott
- Massimo Serretti: Grundzüge der Anthropologie in den Texten des katholischen Lehramtes vom Zweiten vatikanischen ökumenischen Konzil bis zu Johannes Paul II.
- Lubomir Zak: Die Vermittlung der Offenbarung und die Konstitution der Kirche in der Theologie Luthers
- Wilfried Härle: Creatura Evangelii. Die Konstitution der Kirche durch Gottes Offenbarung nach lutherischer Lektüre
- Massimo Serretti: Über die Ekklesiologie der Constitutio dogmatica "Lumen gentium"
ISBN 978-3-16-149603-5 € 49.00 (fadengeheftete Broschur) ISBN 978-3-16-149592-2 Leinen € 89.00 (Leinen)
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