 Seit in Hessen das Abitur nach zwölf Jahren erreicht werden soll, stehen sowohl die Schulen als auch deren Schüler unter einem besonderen Leistungsdruck. Oft reichen die Unterrichtsstunden gar nicht aus, um auf die Probleme und Interessensgebiete der Jugendlichen richtig eingehen zu können. Umso mehr freut sich Volker Räuber, Leiter der Carl-Schurz-Schule, über die fruchtbare Kooperation mit der JuKi Jona: "Bei den Aktivitäten der Jugendkirche, etwa den Tagen der Orientierung, werden Inhalte vermittelt, die positiv in den Erziehungsprozess der Jugendlichen eingreifen und somit den Unterrichtsstoff ergänzen."
"Vor knapp drei Jahren wurde die Jugendkirche vom Bistum Limburg ins Leben gerufen", berichtet Werner Otto, Pfarrer und Leiter von Jona. Die Jugendkirche JONA ist in der Pfarrei St. Bonifatius in Frankfurt-Sachsenhausen beheimatet. "Mit der Pfarrgemeinde St. Bonifatius verbindet uns ein partnerschaftliches Verhältnis: Wir teilen uns Kirche und sonstige Räume."
Seit der Eröffnung der Jugendkirche hat die Kirche zwei Gestalten: Die "normale" Gestalt ist sonntags vormittags bei den Gemeindegottesdiensten zu sehen. Dann wird der Gottesdienst am erhöhten Altar der Kirche gefeiert. Wenn die Jugendkirche ihren Gottesdienst feiert, wird ein Teil der Kirche durch ein Segel abgetrennt. "Wir feiern den Gottesdienst dann am Altar der Jugendkirche, um den wir uns im Kreis versammeln."
"Der Fokus liegt auf jungen Menschen, die durch die traditionelle Jugendarbeit der Pfarreien nicht mehr erreicht werden. Wenn wir Jugendliche ansprechen wollen, müssen wir aktiv auf sie zugehen. Daher haben wir von Anfang an schulnahe Projekte angestossen." Das Café Orca in der Holbeinstrasse 70 ist ein Beispiel dafür. Dort engagieren sich Schüler aus Sachsenhausen ehrenamtlich und bieten damit ihren Schulkameraden einen attraktiven Treffpunkt.
Ein weiterer Vorstoss sind die "Tage der Orientierung", die als erstes von der Carl-Schurz-Schule realisiert und dann als feste Grösse beibehalten wurden. Zu diesem dreitägigen Projekt können sich die Schüler der Jahrgangsstufe 10 freiwillig melden. Sie werden dann in Absprache mit dem Kultusministerium vom Schulunterricht befreit. Die Exkursion findet meistens in der Jugendbegegnungsstätte Kirchähr statt. "Im Vordergrund stehen lebensgeschichtlich bedeutsame Themen", sagt Werner Otto, "etwa der Sinn des Lebens, meine Zukunft, Leben zwischen Sehnsucht und Sucht."
Unter Anleitung arbeiten die Projektteilnehmer in kleinen Gruppen. "Die Schüler haben viel Zeit, sich den Themen zu nähern. Sie öffnen sich durch die Gemeinschaftserfahrung und erhalten die Möglichkeit zu persönlichen Gesprächen."
Das Konzept findet bei den Jugendlichen reichlich Anklang. "Ich fand die Veranstaltung sehr gut", sagt der 16-jährige Schüler Jakob Scheitza, der zu den 45 Teilnehmern der Projekttage im Januar gehörte. "Anders als im Umgang mit den Lehrern hatte man hier tatsächlich das Gefühl, ernst genommen zu werden."
"Die Fünftklässler sind noch sehr auf die Schule fixiert", sagt Volker Räuber, "aber je älter die Jugendlichen werden, umso stärker entwickelt sich ein Ablösungsprozess. Jona ist da eine gute Lösung. Da sind die Carl-Schurz-Schüler dann zwar auch zusammen, aber ihnen stehen neue Bezugspersonen zur Verfügung". Die teilnehmenden Jugendlichen zahlen für die Exkursion nur einen kleinen Unkostenbeitrag von 40 Euro, den Rest finanziert die Kirche.
Vor einer missionarischen Absicht der Jugendkirche braucht man aber keine Angst zu haben. Pfarrer Werner Otto erklärt: "An den Tagen der Orientierung können Schüler aller Konfessionen teilnehmen. Wir nehmen keinerlei religiöse Handlungen vor, und der Glaube wird höchsten dann Thema, wenn es die Jugendlichen gewählt haben. Dann sind wir offen für Gespräche und hören uns gerne die Meinung der jungen Menschen an." Sie freuten sich natürlich, wenn die Jugendlichen über solche Veranstaltungen ein anderes Bild von der Kirche bekämen, aber: "Das ist wirklich nicht unser erstes Ziel."
Die Zwölftklässlerin Naima Kunze (18) ist von den Jona-Projekten sehr angetan, auch wenn sie selbst nur den Ethik-Unterricht in der Schule besucht. "Kirche kann Spass machen", ist ihre Erfahrung. Besonders bei Aktivitäten wie dem Theaterprojekt " Leben im Schatten der Skyline" an dem alle Schüler aus Sachsenhausen ab der achten Klasse teilnehmen können. Bis Ende November soll das Schattentheaterstück fertig und in der Jugendkirche zu bestaunen sein.
zu diesem Thema siehe auch: Die Jugendkirche und das FiB
Jugend braucht Perspektive braucht Jugendkirche
Beratung in der Jugendkirche Kana
ORCA - DAS SCHÜLER-CAFÉ
Das Schüler-Café ORCA steht im Mittelpunkt der schulnahen Jugendarbeit der der Jugendkirche JONA. Im ORCA kann man sich treffen, Quatschen, Kickern, kostenlos im Internet surfen, Hausaufgaben machen, Spielen. Es gibt Snacks und Getränke zu fairen Preisen. Für die Abendöffnungen gibt es fast immer ein tolles Programm: Konzerte, Kino-Abend, Getränke-Börse, Parties, Spiele und vieles mehr. Alle Infos über Öffnungszeiten, Programm und über das Café-Team findest Du auf der Webseite des ORCA.
TAGE DER ORIENTIERUNG
eine gemeinsame Zeit fernab von Schule und 45-Minuten-Takt; Austausch über Themen, die Jugendlichen wichtig sind; Zeit zum Nachdenken und für spirituelle Impulse; Inhalte und Arbeitsweise selbst bestimmen; neue Methoden ausprobieren; Gemeinschaft erleben, Spaß haben. Zielgruppe: Teilnehmen können Schüler/innen der Jahrgangsstufe 9 und 10 an Schulen in Frankfurt-Sachsenhausen (zur Zeit Carl-Schurz-Schule, Schillerschule, Holbeinschule, Freiherr-vom-Stein-Schule, Deutschherrenschule). Erfahrungen: Den Bericht einer Schülerin über Tage der Orientierung findet man hier.
MEHR INFORMATIONEN
Telefon: 069 2475750 e-mail:
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