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Schwerpunktthema Jugendkirche bei Antenne-Magazin Nürnberg PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Willi Schönauer   
Donnerstag, 22. Februar 2007

Titelblatt 'die Antenne' der evangel. Jugend Nürnberg 1/2007 mit Schwerpunktthema JugendkircheJugendkirche Nürnberg kommt, Roger Schmidt geht.
Erfolgsstory Jugendkirche. Stuttgart, Hannover, Oberhausen - die Liste ließe sich hundert  mal verlängern. An diesen Orten gibt es bereits Kirchen von und für Jugendliche und Junge Erwachsene. Diese Jugendkirchen haben ihren Härtetest schon bestanden. Sie sind über die Projektphase hinaus und haben sich, trotz Kürzungen oder Strukturänderungen in ihren Städten fest etabliert.
“Die Antenne“ ist das Magazin der Evangelischen Jugend Nürnberg (ejn), erscheint fünfmal pro Jahr und hat sich im Jahr 2002 erstmals mit dem Thema Jugendkirche beschäftigt. Heute, fünf Jahre später, nach vielen Überlegungen und Diskussionen möchte die Evangelische Jugend Nürnberg selber eine eigene Jugendkirche eröffnen und hat hierzu schon viel Vorarbeit geleistet. Die Chancen dafür stehen gut. Willi Schönauer vom Jugendkirchen-Internetportal ist beratend dabei und sein Jugendkirchen-Netzwerk e.V. unterstützt das Projekt (die ejn ist Passiv-Mitglied).
In ihrer aktuellen Ausgabe hat “Die Antenne“ erneut Jugendkirche zum Schwerpunktthema. Wir veröffentlichen unten stehend die wichtigsten Artikel daraus.
Derweil wurde Roger Schmidt, bisher bei der ejn als Pfarrer z.A. für das Projekt Jugendkirche Nürnberg verantwortlich, verabschiedet. Er übernimmt in Kürze die Stelle des
Secretary for Youth in Church and Society des Lutherischen Weltbundes in Genf

 

und wird sicherlich auch dort von Jugendkirche und ihren Chancen und Möglichkeiten berichten. Die Jugendkirchen-Pfarr-Stelle wird im Sommer diesen Jahres ausgeschrieben und wohl ab September besetzt. Bis dahin liegt die Federführung beim Nürnberger Dekanatsjugendpfarrer Thomas Kaffenberger, der sich schon seit geraumer Zeit  für Jugendkirchen engagiert, z.B. in seiner Funktion als Vorsitzender der AG StadtjugendpfarrerInnen Deutschlands.

 

Die Antenne, Heft Nr. 1/2007

Schwerpunkt-Thema: Jugendkirche

siehe: http://www.ejn.de/aktuell/antenne.htm .
Daneben erscheinen Nachrichten aus dem Jugendverband und praktische Tipps für die Jugendarbeit. Auf den Internetseiten
www.ejn.de  werden regelmäßig einige Beiträge aus dem jeweils aktuellen Heft präsentiert. Das gedruckte Magazin kann man kostenfrei hier bestellen. 

Nachfolgend die Beiträge zu Jugendkirche aus dem Heft:

Die Idee einer Jugendkirche in Nürnberg

Es stimmt schon: Kirche ist für alle da. Da darf es keinen Unterschied geben zwischen jung und alt, arm und reich. Warum also eine Jugendkirche? Werden da nicht Menschen in verschiedene Kirchen sortiert? Darf es das überhaupt geben?

Wer so argumentiert, vergisst allerdings den Blick in einen normalen Gottesdienst an irgendeinem Sonntagmorgen. Da ist ja leider nicht die gesamte Gesellschaft versammelt, sondern meist ganz bestimmte Altersgruppen. Das Evangelische Jugendwerk in Württemberg hat das einmal in einer alternativen Gottesdienstzählung überprüft. Es wurden nicht nur alle Besucherinnen und Besucher gezählt, sondern auch ihr Alter wurde aufgeschrieben. An diesem Tag im Oktober in 123 ausgewählten Gottesdiensten lag das Durchschnittsalter bei 53,8 Jahren – und da waren die Konfirmanden mitgezählt, die doch meistens in den Gottesdienst kommen müssen. Würde man eine solche Zählung in Nürnberg durchführen, wäre das Ergebnis wahrscheinlich nicht viel anders: Die Gottesdienste am Sonntagmorgen sind faktisch Zielgruppengottesdienste für Menschen, die meist älter sind und mit Orgelmusik etwas anfangen können.

Natürlich macht die Evangelische Jugend seit langem Gottesdienste für junge Menschen. Und viele andere Angebote in den Gemeinden, in eigenen Einrichtungen und bei Projekten machen deutlich: Kirche ist mehr als die Stunde am Sonntagmorgen.
Gemeinsam gelebte Spiritualität gehört zur Evangelischen Jugendarbeit dazu. Aber junge Menschen brauchen auch Orte, an denen sie verlässlich und regelmäßig Gottesdienste feiern können, in denen sie die Botschaft von Jesus mit ihrem Leben verbinden können.

In den vergangenen Jahren experimentierten evangelische und katholische Jugendverbände an mehreren Orten in Deutschland mit Jugendkirchen. Die Idee ist einfach: Ein Kirchenraum wird gemeinsam mit jungen Menschen umgestaltet und zum Zentrum einer neuen Form von Jugendarbeit mit Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen.
Das Ziel: Junge Menschen auf eine neue Art die Chance geben, sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen.

 

Vorbereitung mit Beteiligung von jungen Menschen

Wenn es eine Jugendkirche auch in Nürnberg geben sollte, dann war klar: Nürnberger Jugendliche müssen vornherein an der Entwicklung beteiligt sein. Die Projektplanung nahm sich dafür ein halbes Jahr Zeit. 18 Schulklassen und elf gemeindliche Jugendgruppen bzw. Mitarbeitendenkreise beschäftigten sich eine Schulstunde oder länger mit der Idee einer Jugendkirche. Das waren über 500 einzelne Menschen.
Natürlich gab es da auch negative Reaktionen: „Kirche soll so bleiben wie sie ist. Ich gehe ohnehin nur Weihnachten hin.“ Die allermeisten fanden die Idee aber zumindest interessant. Die Schülerinnen und Schüler aus Realschulen, Wirtschaftsschule, Berufsschulen und Gymnasien entwickelten eine bunte Vielfalt von Ideen.
Einige Grundprinzipen wurden immer wieder genannt: Es braucht andere Musik - mit Bands oder Gospelchor, die Kirche muss zweitens warm und gemütlich sein und drittens, junge Menschen müssen mitreden können, bei allem was die Jugendkirche betrifft: Sei es der einzelne Gottesdienst oder die Entscheidungen insgesamt. Als Abschluss dieser breiten Partizipationsphase gab es die Nacht der Ideen. Alle, die wollten, konnten sich einen Abend im Juli treffen, um die Ideen zur Jugendkirche zusammenzufassen. Die Ergebnisse der Nacht der Ideen brachte es noch einmal auf den Punkt: Die Jugendkirche sollte einen klaren Schwerpunkt auf Gottesdienste legen und sich an junge Menschen jenseits der Konfirmation richten.

Nach den Sommerferien 2006 legte der Projektbeirat einen Konzeptentwurf vor, der an die Dekanatsjugendkammer und die Regionaljugendkammern verteilt wurde. Nach vielen Diskussionen, Stellungnahmen der Regionaljugendkammern und einem öffentlichen Hearing hat die Dekanatsjugendkammer am 19. Dezember das Konzept der Jugendkirche einstimmig beschlossen.
Es gibt bereits positive Signale aus dem Landeskirchenrat, der eine Jugendkirche in Nürnberg für einen Projektzeitraum von fünf Jahren nachhaltig unterstützen will. Endgültige Beschlüsse des Dekanatsausschusses und des Landeskirchenrats stehen aber noch aus.

 

Das Nürnberger Konzept

Die Jugendkirche in Nürnberg ist zunächst ein Experiment. Niemand weiß, ob es so funktionieren wird, wie die Dekanatsjugendkammer es sich vorstellt. Aber die Jugendkirche ist zumindest ein echter Versuch, nicht einfach den Kopf in den Sand zu stecken, sondern junge Menschen mit neuen Formen von Jugendarbeit mit dem Evangelium in Beziehung zu bringen. Sie richtet sich an junge Menschen zwischen 15 und 29 Jahren.

 

Ein besonderer Raum

Im Kern des Jugendkirchenkonzepts steht ein besonderer Raum, ein Kirchenraum. Der Kirchenraum wird weiterhin als solcher erkennbar bleiben. Er wird weiterhin ein großes Kreuz, weiterhin einen Altar haben. Es wird sehr deutlich sein: Hier beten Menschen regelmäßig, es ist ein Ort, an dem Gottes Gegenwart erhofft wird. Dieser besondere Ort soll jetzt aber in erster Linie jungen Menschen gehören, sie sollen ihn gestalten können. Der Kirchenraum und die Jugendkultur kommen zusammen. Da wird es dann wohl ein paar Sofas, Café-Tischchen, eine große Musikanlage und vielleicht ab und an eine Half-Pipe im Kirchenraum geben.
Dahinter steckt eine bestimmte Theorie: Jeder Raum macht Aussagen, ein Kirchenraum ist dazu da, Aussagen über Gott und Jesus zu machen. Wenn junge Menschen sich diesen Raum aneignen, dann ergänzen sie den Raum mit Aussagen aus ihrer Kultur: Über das Leben, über das was wirklich wichtig ist, über Gott. Indem sich also junge Menschen den Raum aneignen, entsteht aus den Aussagen des Raumes und der Jugendkultur eine Aneignung des Glaubens.

 

Gottesdienstformate

Nun stimmt es natürlich nicht, dass es einfach eine Jugendkultur gibt. Jugendliche und junge Erwachsene unterscheiden sich stark in dem, was sie schön finden. Mit dieser Tatsache müssen auch die zentralen Angebote der Jugendkirche umgehen: die Gottesdienste.
Gottesdienste müssen also zwei Kriterien erfüllen: Auf der einen Seite sollen sie verlässlich sein. Man kann sich also darauf verlassen, dass zu einer bestimmten Zeit ein Gottesdienst stattfindet und man kann sich auch darauf verlassen, dass eine bestimmte Musik darin gespielt wird.
Auf der anderen Seite müssen die Gottesdienste unterschiedlich sein, um in den Sprachen der unterschiedlichen Jugendkulturen sprechen zu können.
Die Lösung für dieses Dilemma heißt Gottesdienstformate. Vier solche Gottesdienstformate werden im Konzept erwähnt. Pro Woche soll ein solcher Gottesdienst gefeiert werden. Die Gottesdienstformate werden sich in der konkreten Entwicklung sicher noch verändern und attraktivere Namen erhalten.

 

Gospelgottesdienst
Das ist ein Gottesdienst mit Feiercharakter, Gott wird gefeiert mit fröhlicher Musik, einem Chor, Tanz. Es wird natürlich die biblische Botschaft weitergesagt, aber das passiert bewusst knapp und witzig. Nach dem Gottesdienst geht die Party weiter.

 

Diskussionsgottesdienst
Menschen, die zum Diskussionsgottesdienst kommen, wollen es genauer wissen. Hier gibt es mehr als Verkündigungsclips. Hier werden Glaubens- und Lebensfragen deutlich gestellt und diskutiert. Dazu gibt es entweder eine Podiumsdiskussion oder Gesprächsgruppen. Der Diskussionsgottesdienst macht deutlich: Über den christlichen Glauben darf man kritisch nachdenken.

 

Kulturgottesdienst
Bei dieser Form steht entweder ein kleines Theaterstück, ein Filmausschnitt oder ein anderes Kunstwerk im Mittelpunkt. Ein Klassiker wäre bestimmt ein Matrix-Gottesdienst, bei dem neben Filmausschnitten aus dem Blockbuster auch die Aussagen zu Wirklichkeit und Religion besprochen werden. Der Kulturgottesdienst sagt also: Die Welt in der wir leben, können wir ohne weiteres mit dem christlichen Glauben in Verbindung bringen.

 

Meditationsgottesdienst
Das ist das kleine und stille Gottesdienstformat. Vielleicht im Stil von Taizè gibt es viel Stille, Kerzen, einfache Lieder und Zeit zum Nachdenken und ruhig werden.

Diese Gottesdienste und alle Angebote der Jugendkirche werden nicht am Schreibtisch entstehen, sondern entstehen und verändern sich durch die Mitarbeit von jungen Menschen. Partizipation, die Beteiligung junger Menschen, ist der Grundimpuls der Jugendkirche. Dabei ist auch klar: Es geht nicht um Konkurrenz, sondern um Ergänzung von anderen Formen von Jugendarbeit. Es gibt schon eine ganze Reihe für Ideen für die Zusammenarbeit.

Jugendkirche wie Kirche überhaupt geht zwar vom Gottesdienst aus, sie hört aber nicht mit ihm auf. Die Meinungen unterscheiden sich, welche Elemente unbedingt zur Kirche gehören. Immer wieder genannt werden außer Gottesdienst und Verkündigung noch: Gemeinschaft und Diakonie.
Deswegen gehören zur Jugendkirche natürlich auch jede Menge Gelegenheiten sich kennen zu lernen: Ein Café wird Teil des Kirchenraums sein; dort kann man sich vor und nach den Veranstaltungen aufhalten. Es wird Konzerte, Parties, Kunstaktionen geben. Und aus jeder christlichen Gemeinschaft entsteht auch das Bedürfnis sich für andere einzusetzen: Seien es Menschen in der Dritten Welt, Obdachlose bei uns oder einfach eine gut organisierte Hausaufgabenhilfe.
Die Jugendkirche soll ein Ort werden, an dem junge Menschen ihren Glauben hinterfragen, entwickeln und leben. So können sie dann auch außerhalb der Jugendkirche bewusst als Christinnen und Christen leben.

Das vollständige Konzept findet sich unter www.jugendkirche-nuernberg.de

Roger Schmidt
ist Pfarrer z.A. und war verantwortlich
für das Projekt Jugendkirche
der Evangelischen Jugend Nürnberg bis 21.02.2007


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Was denkst Du über eine Jugendkirche in Nürnberg?

Jeder Mensch ist einzigartig und besitzt eine andere Meinung zu einem Thema. Deshalb stellt sich die Frage: „Was denkst du über eine Jugendkirche in Nürnberg?“

Um verschiedene Meinungen zu hören, haben wir Jugendliche und Erwachsene, Ehrenamtliche und Haupftberufliche aus Nürnberg befragt.

 

Oliver Birükof
Grundsätzlich finde ich die Idee Jugendkirche in jeder Stadt wünschenswert. Jedoch sehe ich in Nürnberg einige Strukturen, die diese Umsetzung schwierig machen.
Die sehr gut ausgebaute, jedoch im Laufe der letzten Jahre durch den Landesstellenplan geschwächte Gemeindestruktur wird durch die Jugendkirche noch weiter geschwächt. Ehrenamtliche Mitarbeiter, die durch die schwindende Zahl der Hauptamtlichen schon jetzt erheblich überfordert sind, werden kaum die Zeit aufbringen, um sich neben Schul-, Gemeinde- und Freizeitstress, auch noch um die Pflege der Jugendkirche und die Durchführung von Gottesdiensten zu kümmern.
Für mich ist kein Ort für Jugendkirche sichtbar. Eine mit Erwachsenen zu teilende Kirche ist nicht erstrebenswert, hier werden Kreativität und Aktionismus der Jugendlichen zu sehr eingeschränkt. Ein Neubau ist mit Blick auf die Finanzen sowieso undenkbar. Zusätzlich ist die finanzielle Sicherung der hauptamtlichen Mitarbeiter in fünf Jahren unklar. Woher sollen wir das Geld dann nehmen?
In letzter Zeit wird immer wieder versucht, die Attraktivität des Gottesdienstes und der Kirche an sich zu steigern. Als Voraussetzung dafür müsste sich die Kirche aber in einem inneren Prozess verändern. Dies anzugehen, wäre für die Jugendkirche eine zu große Aufgabe und könnte das Umdenken der Kirche nicht ersetzen.
Trotzdem finde ich es gut, Bedürfnisse und Erwartungen von Jugendlichen abzufragen. Hier wird aber von der falschen Seite herangegangen. Mit Start eines kleinen mitreißenden Projektes könnte man Jugendliche viel besser begeistern und das Wachsen des Projektes mit begleiten.
Meiner Meinung nach werden durch das Angebot Jugendkirche letztlich wieder nur die Jugendlichen angesprochen, die auch schon in der Gemeinde aktiv sind. Und so Bahn brechend, wie im Konzept beschrieben, ist die neue Art des Gottesdienstes auch nicht, als dass sich Jugendliche, die bisher nichts mit der Kirche zu tun haben, angesprochen fühlen müssten.

 

Lutz Domröse
Contra Jugendkirche zu schreiben, könnte man sich aus zwei Gründen verkneifen. Zum einen, weil das Projekt in Zeiten von Rückgang und Verzagtheit für einen Neuaufbruch steht. Zum anderen scheint der Zug längst auf die Gleise gesetzt. Ich stehe an den Schienen und es ist egal, was auf der Fahne steht, die ich schwenke. Ich schwenke sie trotzdem.
In Nürnberger Gemeinden geschieht gute evangelische Jugendarbeit, die immer wieder neu und anders ist. Eine zentrale Jugendkirche stünde entweder in Konkurrenz zum Bisherigen – mit dem Vorteil der besseren Ausstattung. Oder sie fände unverbunden neben den Gemeinden statt. Eine Impulswirkung in 47 Gemeinden hinein ist weder möglich noch beabsichtigt.
Mit vielen Ehrenamtlichen bin ich skeptisch, ob Geld und Stellen in so ein Projekt zu stecken sind, während es anderswo fehlt. Und was wird in fünf Jahren, wenn die Finanzierung ausläuft?
Fraglich erscheint mir darüber hinaus, ob die Zielgruppe erreicht wird, wie sinnvoll die spektakulären Aktionen sind und ob eine der genannten Kirchen geeignet ist. Zuletzt: Das Projekt wächst – trotz aller Gespräche – nicht von unten nach oben. Alles in allem bin ich daher contra Jugendkirche.

 

Daniel, 19, Schüler
Eigentlich finde ich die Idee, eine Jugendkirche zu errichten, gut. Ich habe natürlich auch meine Bedenken, z.B. ob das Angebot wahrgenommen wird und es nicht eine Kon-kurrenzveranstaltung für die Jugendarbeit in den Gemeinden wird. Ich denke, ohne es aus probiert zu haben, kann man nicht sagen, ob es eine gute oder schlechte Idee ist – ,No risk, no fun´. Was mir noch dazu einfällt ist, ich fände es sehr schade, für eine Jugendkirche die Kirche St. Egidien herzunehmen, denn diese ist die einzige Barockkirche in Nürnberg und die sollte man für regulären Gottesdienstbetrieb nutzen.

 

Emil, 14, Schüler
Ich finde, es ist eine gute Idee, in Nürnberg eine Jugendkirche zu errichten, denn dann habe ich einen Ort, wo ich meinen Gedanken zu Gott freien Lauf lassen kann und Kirche selbst mitgestalten kann. Ich bin schon sehr gespannt, wie es weiter geht.

 

Esther, 17, Schülerin
Ich finde das ganze Projekt eine gute Idee, doch stelle ich mir die Frage, ob das Angebot wahrgenommen wird! Die Gefahr dabei sehe ich darin, dass funktionierende Angebote gekürzt werden müssen, oder sogar ganz wegfallen.

 

Steffi Schremser
Bisher ging es auch ohne Jugendkirche, was ist also so wichtig daran? Für mich ist die Jugendkirche vor allem eine Möglichkeit, Angebote für meine Altersgruppe, für die in den Kirchengemeinden meist kein Platz mehr ist, zu erhalten. Dies sind vor allem regelmäßige Jugendgottesdienste, sowie z.B. Bibelgesprächskreise mit Jugendlichen oder interreligiöse Gespräche.
Nicht jede einzelne Gemeinde in Nürnberg kann und soll diese Angebote machen müssen und überall nehmen dann nur fünf oder sechs Jugendliche teil. Da ist es doch viel schöner, alles zusammenzulegen und gemeinsam zu feiern!
Außerdem empfinde ich die Jugendkirche als eine Möglichkeit auch kirchenferne Jugendliche zu erreichen. Ist es nicht schon ein großer Schritt, wenn diese Kirchenfernen ein schönes Erlebnis in Form z.B. eines Konzertes in einem Kirchenraum haben?! Kirche ist dann vielleicht nicht immer nur kalt, leise, ungemütlich und „da wird ja nur gebetet“.
Diese Hoffnung habe ich zumindest. Für mich persönlich wäre eine Jugendkirche, die wirklich auch von Jugendlichen gestaltet und belebt wird, eine große Bereicherung für das evangelische Leben in Nürnberg. In welcher Form sie letztlich auch bestehen wird.

 

Katharina, 19, Studentin
Grundsätzlich finde ich es gut, dass es etwas geben soll, wo speziell Jugendliche ernstgenommen werden. Wenn es von Jugendlichen für Jugendliche gemacht ist, ist eine Jugendkirche eine große Chance. Wichtig wäre es, dass das ganze von Jugendlichen entsteht und nicht von ,oben herab` durch Hauptberufliche.
Meine Befürchtung ist jedoch, dass sich das Ganze mit der Gemeindejugendarbeit nicht verträgt und diese auf der Strecke bleibt.

 

Ricarda, 17, Schülerin
„Ich befürchte, dass die Errichtung einer Jugendkirche in Nürnberg langfristig gesehen das `Aus´  für die Gemeindejugendarbeit bedeutet. Grundsätzlich finde ich die Idee der EJN, neue Wege zu gehen, neue Methoden zur Attraktivitätssteigerung zu probieren und laut zu sagen, dass für Jugendliche in unserer Stadt etwas getan werden muss, gut.
Ich frage mich aber, ob die viele Arbeit, das Engagement und das viele Geld in das Projekt, wie es momentan geplant ist, passend investiert ist. Aus welchen Gemeinden kommen die Jugendlichen, die angesprochen werden? Es sind Jugendliche aus bestehenden aktiven Gemeinden, doch dort treibt weiterhin Stellenabbau sein Unheil. Es ist viel sinnvoller, in den Gemeinden mit gut laufender Jugendarbeit diese Arbeit zu stärken und zu festigen und dort, wo es nicht so gut läuft, auf die Interessen und Bedürfnisse der Jugendlichen qualifiziert einzugehen. Eine eigene Jugendkirche im Zentrum Nürnbergs zu errichten, ist nicht der richtige Ansatz, um etwas in der und für die Jugend zu bewegen.“

 

Ulrike Hink
Kirche ist in Bewegung – und das nicht nur auf Grund der momentanen Finanzprobleme. Spiritualität ist wieder ein wichtiges Thema. Es kommt darauf an, Räume zu schaffen, in denen ausprobiert und erlebt werden kann, was hinter diesem Wort steckt. Jugendkirche will nach meinem Verständnis genau ein solcher Ort sein, an dem es ausdrücklich um „Gott und die Welt“ geht. Und das finde ich gut. Hier können Jugendliche und junge Erwachsene selber aktiv werden, sich auf die Suche nach ihrer Spiritualität machen und sie dann auch umsetzen und leben.
Das ist im Grunde nichts Neues, das ist in der Evangelischen Jugend schon immer passiert und passiert auch jetzt an vielen Orten. Aber meiner Einschätzung nach kann eine durchschnittliche Kirchengemeinde oder eine Region der Evangelischen Jugend Nürnberg auch bei großer Bereitschaft und guter Organisation zukünftig nicht das bieten, was eine gut ausgestattete Jugendkirche bietet: Ansprechenden Gottesdienst,
erreichbare Gesprächspartner, Raum für Begegnung, Band- und Chorarbeit, Bühne für kulturelle Aktionen, Ausgangspunkte für politische und sozi-ale Aktivitäten und und und.
Warum nicht ein Ort in der Stadt, an dem Jugendliche Gleichgesinnte treffen und an dem wirklich etwas läuft? Ein Ort, der bekannt ist und sich herumspricht. Nur weil anderswo Dinge aufgegeben werden (müssen), das Neue nicht wagen?
Eine gute Akzeptanz durch die Kirchengemeinden und eine sehr enge Zusammenarbeit mit den bestehenden Strukturen der Evangelischen Jugend Nürnberg würde ich mir wünschen.

Wir bedanken uns hiermit für die Interviews.

Janosch Kerkovius und Anja Kurschat
von der antenne-Redaktion


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Musik – nur wenn sie laut ist ... ?!

Jugendkirche und Musik

Oft sagt man Jugendlichen nach, dass sie nur mit Musik zufrieden sind, wenn diese eine gewisse Lautstärke erreicht. Im Zug, im Auto, auf der Straße, in jeder freien Minute dröhnen sie sich mit Musik zu. Und meistens können Menschen in der ferneren und näheren Umgebung die Geräusche mithören, die die Kopfhörer wiedergeben.

 

Die Qual der Wahl

Natürlich kommt der Musikgeschmack vor der Wahl der Lautstärke. Und das ist auch für die musikalische Gestaltung in einer Jugendkirche entscheidend. Die typischen kirchenmusikalischen Instrumente sind für Jugendliche zum größten Teil unattraktiv. Die Orgel ist für die meisten ein Instrument aus der Steinzeit. Der Posaunenchor hat sie vielleicht zeitweilig mal gelockt, als sie zehn Jahre alt waren und die Eltern auch mitspielten. Aber spätestens mit der Pubertät ändert sich ihr Musikgeschmack schlagartig.

Die Vielfalt von Musikrichtungen macht die Wahl des musikalischen Stils in einer Jugendkirche nicht leichter. Vom Gangster-Rap bis zum Rasta-Reggae. Vom Heavy Metal bis zum Popstars-Pop. Viele Möglichkeiten für unterschiedliche Fanblocks.

 

Die Jugendkirchen-Band

Nur eine Band, die Musik von Jugendlichen für Jugendliche macht, kann die verschiedenen Musikstile vereinen. Mit anderen Worten: Die Jugendkirche braucht eine eigene Band. Eine Band, die aus Jugendlichen besteht. Eine Band, die Lieder im Gottesdienst so begleiten kann, dass es auch den jugendlichen Besucherinnen und Besuchern Spaß macht, diese Lieder mitzusingen.
Dabei kann das Repertoire sehr vielseitig sein. Ein selbst geschriebenes Lied über den eigenen Glauben kann ebenso mitreißend sein, wie ein „Laudato si“ aus dem Evangelischen Kirchengesangbuch mit fetzigen Beats und coolem Arrangement.
Natürlich muss es erst mal so eine Band geben, und das bedeutet Aufbauarbeit. Ein hauptamtlicher oder ehrenamtlicher Musiker macht sich zunächst auf die Suche nach interessierten Jugendlichen. Dabei verfolgt er das Ziel, diese Band so aufzubauen, dass sie irgendwann auch ohne seine Anleitung auskommt. Zusammen suchen die Bandmitglieder die Lieder aus, vereinbaren wöchentliche Termine zum Proben und stecken sich einen ersten Auftrittstermin als Ziel. Das wäre auch schon im Vorfeld der Jugendkirchenplanungen sinnvoll, damit eventuell die Jugendband auch schon beim ersten Gottesdienst in der Jugendkirche mitspielen kann.

 

Alte und neue Lieder

Für die Begleitung im Gottesdienst sind neue und alte christliche Lieder zu empfehlen:
Gesangbuchlieder neu arrangiert oder Lieder aus anderen christlichen Liederbüchern. Dabei lohnt sich zum Beispiel ein Blick in die „Feiert Jesus“-Reihe (Band 1-3), die viele schöne neue Lieder für den Gottesdienst anbietet. Es gibt auch CDs, auf denen die Melodie dieser Lieder angehört werden kann.

Auf einer weiteren Stufe wäre es sinnvoll, als Jugendband zu versuchen, eigene Songs zu entwickeln. Um einen zusätzlichen Anreiz für die Bandmitglieder zu schaffen, könnte man neben den Gottesdienstliedern auch ein Konzertprogramm einüben. In diesem Programm finden die Lieblingslieder der Bandmitglieder, oder Lieder aus den aktuellen Charts Platz. Letztere könnten auch in den Gottesdienst eingebunden werden, falls sie thematisch passen.

Die Lautstärke ist und bleibt bei der Musik in einer Jugendkirche nicht das Entscheidende. Viel wichtiger ist es, eine Band aufzubauen, die so flexibel ist, mit großer Anlage und fetten Boxen so richtig „abzugehen“, aber auch in einer ruhigen Unplugged-Atmosphäre mit Klavier und Gitarre ihre Songs zum Besten zu geben. 

 

Christian Probst
ist Pfarrer z.A.,
Musiker bei der Band Flamberg
und arbeitet z.Z. als
Journalist für Franken TV.

 

Bayern schließt weißen Fleck auf der Landkarte

 

Ähnlich wie bei Trends in der Jugendkultur war England auch Vorreiter für Jugendkirchen. Dort wurde zwar nicht so trennscharf die Zielgruppe der 14-24-Jährigen angepeilt, aber in Hauskirchenbewegung und Megakirchen versammelten sich überwiegend junge Menschen, die nach jungen Alternativen zur erstarrt-traditionellen Kirche suchten.

 

Angeregt von lebendigen Gottesdienstformen, von Emotionen, die im Kirchraum gelebt und spirituell einbezogen waren, wo die Message herüberkam und auch engagiert weitergegeben wurde, wo sich Christ sein nicht nur auf eine Stunde Gottesdienst beschränkte, gab es vor rund 15 Jahren auch in Deutschland erste Ansätze, zunächst überwiegend im evangelisch-freikirchlichen Bereich. Schließlich setzte auch bei katholischer und evangelischer Landeskirche ein mehrjähriger Vorplanungsprozess ein, der vor rund 6 Jahren im Ruhrpott zur ersten größeren Jugendkirche „TABGHA“ führte (kathol. Projekt in Oberhausen).

 

Als mich Ende 2001 der evangelischen Regionalverband Frankfurt und die hessische Landeskirche für 2 Jahre engagierten, war mir diese neue Art von kirchlicher Jugendarbeit noch recht fremd und doch so vertraut, weil im Konzept genau die Kirche beschrieben wurde, die ich mir Jahre früher vergeblich gewünscht hatte. Während meiner  Projektleitungszeit für die entstehende Jugendkulturkirche Sankt Peter lernte ich dann mehr und mehr engagierte Leute kennen, die ebenfalls an einer Jugendkirche bastelten, quer über Deutschland verteilt, ohne damals die Gelegenheit zu haben, diese systematisch aufzuspüren und eine kollegiale Zusammenarbeit zu beginnen.

 

In die Vernetzung einzusteigen, gelang erst ab 2004, als wir mit einigen wenigen Idealisten einen gemeinnützigen Verein gründeten und ohne jegliche offizielle Unterstützung das erste Internetportal für Jugendkirchen ins Netz stellten. Schnell waren rund 30 deutschsprachige Projekte gelistet, die bereits intensiv am Thema Jugendkirche dran waren und es wurde deutlich: da kocht es gewaltig unterm Deckel, da wird bald noch einiges mehr entstehen und man kann sich gegenseitig viel helfen. Anfang 2007 gibt es nun schon über 100 Projekte innerhalb der ACK, wenn man Schweiz, Österreich und Luxemburg hinzu zählt, doch ist noch lange nicht eine Sättigung festzustellen – Jugendkirchen boomen, keine Frage.

Endlich gibt es auch eine von uns mit unterstützte Initiative „Ökumenisches Netzwerk Jugendkirchen“ aus der Mitte der bereits bestehenden Projekte, das nicht als eigenständige juristische Person, aber als zunehmend sprachfähiges Selbstvertretungsgremium wächst.

 

Unser Vereinsteam hat eine Vision: Toll wäre, wenn es möglichst bald überall eine Jugendkirche im Umkreis von 25 km gäbe, damit Jugendliche die Chance hätten, sie zweimal pro Monat zu besuchen. Langsam ändert sich auch der ‚weiße Fleck Bayern’ auf der Deutschlandkarte, an vielen Stellen werden Projekte angedacht.

Dabei gleicht bisher keine Jugendkirche der anderen, Vielfalt verbirgt sich hinter dem Namen, zuweilen auch unseriöse Trittbrettfahrer, aber 100 seriöse, unterschiedliche Konzepte, regional verortet und individuell ausgerichtet. Selten entstehen sie gleich als Jugendkirche – und wenn, dann muss man (wie in Nürnberg vorbildlich geschehen) besonders genau darauf achten, dass sie frühzeitig unter Einbeziehung von jugendlichen Wünschen geplant wird – meist jedoch entwickeln sich „JUKIs“ aus Jugendgottesdienstreihen, aus Jugendarbeit im Pastoralverbund, aus temporären Juki-Projekten oder auch aus wachsenden Hauskreisen. 

 

Durch die Auseinandersetzung mit dem Phänomen Jugendkirche wird ‚ganz nebenbei’ bei traditionellen Gemeinden und herkömmlicher Jugendarbeit enorm viel bewegt, da sind die bestehenden Jukis nur die sichtbare Spitze eines Eisbergs.

 

So schön das einerseits ist, gibt es andererseits bis jetzt noch keine Jugendkirche, die so optimal arbeitet, dass sie entsprechend ihrem Konzept in allen wichtigen Bereichen beispielgebendes Vorbild ist – zu neu ist die Entwicklung noch, gemessen an kirchlichen Zeiträumen. Zu schwierig scheint es für Kirche, die optimalen Voraussetzungen zu schaffen, einerseits von der personellen und technischen Ausstattung her, andererseits gemessen am Budget. Was nützt ein professionelles 3er-Team und ein gut ausgestatteter Kirchraum, wenn für den Anschub von regelmäßigen Events aus den verschiedenen jugendkulturellen Scenes mal gerade 3000 € im Jahr zur Verfügung stehen, aber konzeptuell möglichst einmal pro Woche ein Highlight stattfinden soll? 

 

Wir werden das in den nächsten Jahren austarieren, da bin ich mir sicher – und vielleicht haben wir auch bald die Vorzeige-Jugendkirche, aus deren Erfahrungen besonders einfach zu lernen ist. Nürnberg ist auf einem sehr guten Weg dahin…

 

Willi Schönauer, Jugendkirchen-Internetportal www.jugendkirchen.org und Jugendkirchen-Netzwerk e.V. , Projektberatung für Jugendkirchen, vormals Projektaufbauleitung Jugendkulturkirche Sankt Peter/Frankfurt

 

 

 

siehe auch: www.jukis.org

 

 
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