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'Konzept' für St. Galler Jugendkirche liegt vor PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Mittwoch, 6. Februar 2008
"Jugendkirche" heisst die kirchliche Antwort auf die Abwendung der jungen Generation von der Kirche. In St. Gallen hat sich ein Kreis von engagierten Leuten in einer Arbeitsgemeinschaft (AG) zusammengefunden, die sich im ökumenischen "Projekt Jugendkirche" engagieren, da sie erkannt haben, dass junge Menschen Fragen auch im religiösen Bereich stellen und auf der Suche nach Antworten sind. Ein solcher Ort soll nun geschaffen werden. Die Jugendkultur soll Einzug halten in die Kirchenmauern.

 
Denn die Landeskirchen haben ein Problem: Höchst selten verirren sich Jugendliche und junge Erwachsene in traditionelle Gottesdienste, von Firmungen und Konfirmationen einmal abgesehen - und danach ist in der Regel generell Schluss. Nur 10 bis 15 Prozent der jungen Generation werde noch durch die Kirchen erreicht, lautet die Schätzung von Fachleuten. Aber rund 70 Prozent sagen von sich, dass sie an Gott glauben. "Wir leben in einer Zeit der Informationsflut. Wer nicht klar erkennbar ist, geht unter. Auf die Pfarreien übertragen: Nicht alle Pfarreien sollen alles machen, sonst gehen sie in der Wahrnehmung vieler Leute unter. Das Resultat ist Frust. Pfarreien sollen sich - neben Gottesdiensten und kirchlichen Ritualen - spezialisieren”, ist sich Damian Kaeser, Leiter der Pastoralen Arbeitsstelle St. Gallen.

Ein Grund für die Distanznahme der Jugendlichen zur Kirche liegt in der Art und Weise, wie herkömmliche Gottesdienste gefeiert werden. Hier setzen die Jugendkirchen am sichtbarsten an: Bei der Gestaltung irlichem Raum, von Anlässen wie Gottesdienste von Kulturveranstaltungen und Events wählen sie Sprache, Musik, Outfit und Symbole der Jugendkulturen. Ihre Räume sind eine Mischung von Jugendhaus und Kirchen-Ambiente - und der Bedarf an Orientierung in Sinnfragen scheint immens, wenn man den regen Zuspruch, den die JuKis geniessen, als Maßstab nimmt. Für die Kirche also ein breites Betätigungsfeld - wenn sie die Jugendlichen erreicht.

Katharinen GasseMit dem "Projekt Jugendkirche" sollen jetzt auch in der Stadt St. Gallen vermehrt jugendliche Christen in eine Glaubensgemeinschaft eingebunden und kirchliche Angebote mit der Hilfe von Jugendlichen für Jugendliche geboten werden. Es ist bereits ein konkreter Antrag gestellt worden "Derzeit wird die Finanzierung und Trägerschaft der Jugendkirche in den Kirchgemeinden geklärt, um in diesem Jahr starten zu können", bestätigt Damian Kaeser. (wir berichteten: Räumlichkeiten für Jugendkirche).

Ziel dieses Projektes soll es werden, jungen Menschen positive Erfahrungen mit Spiritualität, Glauben, Religion und Kirche zu vermitteln. Kaeser: "Wir haben gemerkt, dass mit den bisherigen Strukturen nur noch ein Teil der Leute von heute zu erreichen sind." Statt Frontalunterricht in Kirchenbänken und Liedgut aus den vergangenen fünf Jahrhunderten ist die Jugend Beat-Rhythmen und Mitgestaltung gewöhnt. Statt in unberührbaren Sakralräumen zu sitzen, wollen Teenager ihre Umgebung nach ihren Vorstellungen selbst gestalten.

Die Jugendkirche soll ökumenisch sein, wie auch Kaeser erkennt: “Kirche in der City ergibt nur im Miteinander der Konfessionen einen Sinn: Es ist nicht sinnvoll, eine katholische und eine evangelische Jugendkirche zu machen. Gemischt-konfessionelle Ehen und Partnerschaften sind fester Bestandteil des heutigen Lebens. Die meisten Menschen denken nicht mehr konfessionell. Das Miteinander ist nicht zuletzt eine Frage der Glaubwürdigkeit. Sie betonen die Wichtigkeit der Pfarreien.” Und es müssen einige Rahmenbedingungen erfüllt werden.
Erstens braucht es einen Raum an zentraler Lage der Innenstadt. Dieser soll zwar eine klare christliche Identität spiegeln, aber für verschiedenste Anlässe eingerichtet werden können und über Bühne, Licht- und Tonanlagen verfügen.

Zweitens braucht es ein Programm, von "Talknights" zu Gruppendruck über Nachtgebete bis zu Musical-Projekten.
"Ein Raum ist wichtig, weil er der Jugendkirche ein Gesicht gibt und Treffpunkt werden kann", sagt Cécile Ziegler von der katholischen Arbeitsstelle kirchliche Jugendarbeit. Es ist aber nicht die Idee, dies den Jugendlichen pfannenfertig zur Verfügung zu stellen. Vielmehr verfolgen die kirchlichen Jugendarbeiter einen partizipativen Ansatz: Junge Menschen sollen ihre Ideen einbringen, in die Verantwortung genommen werden und so die Jugendkirche mitgestalten.

Regelmässige, niederschwellige Angebote an zentraler Lage, die Auseinandersetzung mit christlichen Werten und die Offenheit für Experimente sind wichtige Stichworte der Jugendkirche. Sie sollte da sein, wo das Leben pulsiert, in einem Experimentierraum zwischen der Akzeptanz der Individualisierung und neuen Sozialformen und den nicht ganz einfachen
Versuch wagen, zeitgemäss einen Zugang zu Gott schaffen, wie auch Kaeser erkannte: "Wir müssen lernen, uns so einzubringen, dass wir verstanden werden."

Nacht der Kerzen: Event in St. Gallen
Einige sind bereits sehr ungeduldig und fragen immer wieder, warum das denn alles so lange dauern würde, schliesslich gehe die Planung doch nun schon seit Jahren. Dem hält Kaeser entgegen: "Eine Kirche ist keine straff geführte Privatfirma. Da entscheidet das Kirchenparlament, aber auch der Bischof und die Seelsorgenden. Da geht es auch um Überzeugungsarbeit an der Basis. Dafür stehen dann die Leute auch hinter Entscheidungen von dieser Tragweite. Wir haben uns Strukturen gegeben, um auf die Lebenssituation der modernen Menschen reagieren zu können."

Die JuKi soll auf keinen Fall die Jugendarbeit in den Pfarreien und Kirchgemeinden ersetzen, sondern ergänzendes Angebot sein. Dies bedingt vermutlich auch eine Umverteilung der finanziellen Ressourcen. Denn heute werden überdurchschnittlich viele Mittel für Menschen eingesetzt, die als kirchennah bezeichnet werden können, wie Kaeser feststellt: "Heute erreichen wir mit 80 Prozent unseres Geldes lediglich 20 Prozent der Kirchbürger. Das kann auf Dauer nicht gutgehen. Wir brauchen auch eine Umschichtung bei den finanziellen Ressourcen", und: " In Deutschland sagt man, dass in Zukunft 50 Prozent der Gelder in Pfarreien, 25 Prozent in Spezialpfarrämter wie etwa Krankenhausseelsorge und 25 Prozent in City-Seelsorge fliessen soll. Ich glaube nicht, dass eine solche Aufteilung in St. Gallen in den nächsten Jahren realistisch ist. Aber ich bin optimistisch, dass es uns gelingt, das zu tun, was den Menschen dient."
  
 
 
 
 
 
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