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Jugendkirche in Genf: Taizétreffen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Sonntag, 30. Dezember 2007
Mit Appellen für mehr Einheit unter den Christen und einen einfacheren Lebensstil hat am Freitag in Genf das internationale Jugendtreffen der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé begonnen. Rund 40.000 Jugendliche aus ganz Europa und anderen Kontinenten wollen in der Schweiz bis 1. Januar gemeinsam Gottesdienst feiern und über globale Zeitfragen diskutieren. Der Prior von Taizé, der aus Stuttgart stammende Bruder Alois, thematisierte zum Auftakt des Treffens am Freitagabend die angemessene Verteilung von Gütern.

Insgesamt 38 475 Jugendliche aus über 50 Ländern haben sich für das am Freitag in Genf begonnene 30. Europäische Treffen der ökumenischen Taizé-Gemeinschaft angemeldet. Bis zum Neujahrstag wollen sie gemeinsam beten. Dieses ökumenische Treffen findet erstmals in der Schweiz statt, wie die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz mitteilte.

Die grösste Delegation aus dem Ausland stellt Polen mit 9131 Teilnehmenden. Grosse Delegationen haben auch Frankreich (2800), Rumänien (2205), Italien (2151) und Kroatien (2078); einige könnten sich noch nachträglich anmelden, teilte der Mediendienst der Veranstaltung am Freitag mit.

Nur 3000 Teilnehmende schlafen in Gemeinschaftsunterkünften, wie beispielsweise Turnhallen, die vom Kanton Genf zur Verfügung gestellt werden. Rund 20 000 sind in Genfer Privathaushalten untergebracht, ebenso 11 000 im Kanton Waadt und 3000 im nahen Frankreich.

Am Freitagnachmittag strömten die Gruppen im Genfer Palexpo zusammen. Für den Abend standen dort ein gemeinsames Essen und ein gemeinsames Gebet auf dem Programm. Dies wird bis am 1. Januar fortgesetzt. Jeweils am Vormittag finden in 200 Pfarreien der Region Gebete und Feiern statt.

"Wagen wir es, unseren Lebensstil zu überprüfen, was grössere Einfachheit, Solidarität mit den Mittellosen und tiefere Aufmerksamkeit auf die Schöpfung anbelangt", sagte Bruder Alois. Er ist Nachfolger von Frère Roger, der die Taizé-Gemeinschaft in Frankreich 1940 gegründet hatte. Der reformierte Theologe Roger Schutz erlag 90-jährig im Jahr 2005 den Folgen eines Attentats.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, Papst Benedikt XVI., der orthodoxe Patriarch Bartholomäus von Konstantinopel, Patriarch Alexij II. von Moskau, der anglikanische Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatten Botschaften an die Teilnehmer gesandt. Benedikt schrieb: "Möge euer Vertrauen auf Gott in euch die Hoffnung wecken und euch helfen, die Welt zu verändern."

Zur Ökumene sagte Bruder Alois, Vielfalt müsse nicht zwangsläufig zu Spaltungen oder Rivalitäten führen, sondern könne gegenseitig bereichern. "In Christus gehören wir einander an. Wenn die Christen getrennt sind, wird die Botschaft des Evangeliums unhörbar", heisst es in einem der Taizé-Texte, die in sechsundzwanzig Sprachen übersetzt wurden und den Teilnehmern ausgehändigt werden. Bruder Alois wird bei jedem Abendgebet auf dem Messegelände einige Worte sprechen.

Beim Abendgebet am Freitag sagte Frére Alois zu den Jugendlichen: "Unser Einsatz für die Versöhnung findet seine Quelle in der Versöhnung, die Gott uns anbietet. Gottes Verzeihen kann an den Grund unseres Wesens rühren, es ist Geburt zu einem neuen Leben. Durch das Leben Christi sehen wir, dass Gott unermüdlich immer wieder neu beginnt, sich mit uns auf den Weg zu machen."

Im französischen Taizé hatte Frère Roger 1940 eine internationale ökumenische Gemeinschaft gegründet. Seit Ende der 1950-er Jahre kamen zunehmend Jugendliche nach Taizé, um gemeinsam zu beten und Gedanken über Religion und Welt auszutauschen.

Mittlerweile treffen sie sich jedes Jahr zum Jahreswechsel in einer anderen Stadt. Das erste europäische Taizé-Jugendtreffen fand 1978 in Paris statt. Seitdem wird die Veranstaltung jeweils zum Jahreswechsel in einer europäischen Grossstadt abgehalten, unter anderem in Rom, London, Barcelona, Köln, Breslau, Prag, Budapest und München. Bekanntgeworden ist die Kommunität von Taizé unter anderem durch einprägsame, meditative Lieder, die unter Christen in aller Welt verbreitet sind.

Frère Roger war 2005 während eines Gottesdienstes von einer geistig verwirrten Frau getötet worden. Seitdem leitet der deutsche Priester Frère Alois die Gemeinschaft.

Frère Alois wird jeden Abend im Genfer Palexpo eine Meditation leiten, die in 20 Sprachen übersetzt wird. Heute ist ein gemeinsames Gebet mit hohen Kirchenvertretern vorgesehen. Ausserdem sind in der Neujahrsnacht in den Gastgemeinden am Genfersee Gebete für den Weltfrieden geplant. Das Jugendtreffen findet zum 30. Mal statt und dauert bis am 1. Januar 2008. Das Gebet vom 30. Dezember wird live vom TV-Sender TSR2 und in Eurovision übertragen.
 
 
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