Wärme vermitteln, dauerhafte Kontakte knüpfen: Das ist das Anliegen der neu gegründeten Anneliese-Loose-Hartke-Stiftung in Bremen. "Für ein Leben in Würde" heisst sie und will alten und einsamen Menschen in Not helfen - den Auftakt macht die Aktion "Weihnachten nicht allein". Ein Einladungsschreiben ging an alle Bürger des Stadtteils Horn mit der Bitte, mitzumachen.

In einem Gemeindesaal wird ein Fest ausgerichtet - für Alleinstehende, aber auch für interessierte Familien oder Singles. "Willkommen sind alle, die den Heiligen Abend nicht mit ihrer Familie feiern, aber auch Leute, die gern diesen Abend einmal ganz anders verbringen möchten - zusammen mit Menschen, die sie noch nicht kennen", so steht es in der Einladung.
Doch nach Weihnachten soll es weitergehen. Denn die kürzlich verstorbene Namensgeberin der Stiftung wollte ja dafür sorgen, dass ältere, hilfsbedürftige Menschen in Würde leben können. Dazu gehört vor allem, sie aus der Isolation zu holen. Auf längere Sicht sind Kirchen und Institutionen gefragt, Räume für Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen. Schulen könnten Patenschaften für ältere Menschen übernehmen, Einzelpersonen jemandem vorlesen oder mit ihm spazieren gehen.
"Es gibt leider Tausende Menschen in dieser Stadt, deren einziger Kontakt der Zivi ist, der das Essen bringt", sagt Hartmut Hafner, Vorsitzender der Stiftung. Das Problem: Einsamkeit sei mit Scham verbunden, die Betroffenen melden sich oft nicht. Deshalb wissen manchmal nicht einmal die Nachbarn, dass der alte Mensch nebenan den ganzen Tag die Wände anstarrt. "Das wollen wir ändern. Keiner soll mehr Weihnachten ungewollt allein verbringen. Und auch den Rest des Jahres nicht!"
Dass dieses Problem nicht auf ältere Menschen beschränkt bleibt, ist hinlänglich bekannt. Für die Jugendlichen sind in den Städten und Dörfern, in denen es bereits Jugendkirchen gibt, verschiedene Weihnachtsaktionen geplant. So findet in den meisten JuKis an Heiligabend, in der Regel um 22.oo Uhr, ein Jugendgottesdienst statt. Daneben sind in vielen JuKis Events und besinnliche Stunden über die Feiertage geplant.

In der
Jugendkulturkirche St. Peter in Frankfurt beispielsweise: Für alle, die Weihnachten nach der Bescherung noch nicht ausklingen lassen wollen, sondern Lust haben, sich mit Freunden zu treffen und vor Partybeginn noch etwas auf den eigentlichen Grund von Weihnachten eingestimmt werden wollen.
Pfr. Rasmus Bertram wird zusammen mit live visuals von eyetrap.net vielfältige und überraschende Einblicke in die alte Weihnachtsgeschichte geben. Die entsprechende fröhlich - feierliche Stimmung wird von der 8 köpfigen Rockband formerly known as… garantiert. Schon ab 22.00 Uhr kannst du mit "DJ IV", Winter Drinks in der "Feuer-Lounge" und Dauerschnee in der "Eishalle" in den 1. Weihnachtsfeiertag tanzen.
In der Jugendkirche Hannover ist man jung, dynamisch, lebkuchenfrei - oder ist mehr dabei, an Jesu Geburtstagsfeier? Montag, 24.12.07, Einlass: 22:30 Uhr, Beginn: 23:00 Uhr. Anschliessendes Chill-out im Café, von besinnlich bis Balken biegen... Das kommt ganz auf Dich drauf an.
In der Liebfrauenkirche in Ravensburg findet ein Chill-out-Gottesdienst am Heiligen Abend statt. Es handelt sich dabei um einen Jugendgottesdienst, der immer um 22 Uhr am Heiligen Abend in "Joel", der Jugendkirche Ravensburg, gefeiert wird. Eine Jugendband spielt, und der Raum ist atmosphärisch hergerichtet. Auch für nicht Kirchengeübte ist diese Form eine Alternative - und Alternativen bieten nicht nur Jugendkirchen auch anderswo.
"Christen sind Menschen wie alle anderen auch", sagt Superintendenten Andreas Piontek auf die Frage, ob Christen die besseren Menschen seien. "Sie haben Stärken und Schwächen, gute und fehlerhafte Seiten. Sie sind ganz Mensch." Aber, so die Zäsur des evangelischen Kirchenmannes: "Sie sind besser dran, weil sie nicht nur optimistisch in die Zukunft schauen, sondern erfüllt sind von der Hoffnung, dass sie nicht allein sind. Gott begleitet sie, und sie wissen, die Geschichte mit den Menschen geht gut aus."
Ähnlich formuliert es der Stadtdechanten der katholischen St.-Josef-Gemeinde Mühlhausen, Gregor Arndt: "Christen sind nicht die besseren Menschen, sie haben auch nicht das bessere Leben, sondern sie haben die frohe Botschaft, die wir zu Weihnachten besonders feiern."

Religiöse Bedürftigkeit gebe es bei den meisten Menschen, auch wenn sie nicht in der Kirche sind, meint Arndt mit Blick auf die besagte
Bertelsmann-Studie. Kirche sei aber nicht gleich Religion, denn es gebe auch religiöse Formen, die unkirchlich sind. Das reiche vom Aberglauben bis hin zum fanatisierten Selbstmordattentat. Kirche sei kein Institut für religiöse Bedürfnisbefriedigung. Und daher Kirche und Religion auch nicht deckungsgleich.
Für Piontek ist klar: Die Sehnsucht nach dem Mehr im Leben ist gross, das drückt seiner Ansicht auch die Bertelsmann-Umfrage aus. Kirche allerdings betrachten viele oft nur als Institution, an die sie sich nicht gleich binden wollen, denn das hängt oft auch etwa mit Kirchensteuer zusammen. Kirche aber ist nicht nur Institution, sondern auch Gemeinschaft der Glaubenden, also all derer, die zu ihr gehören wollen. "Kirche, das sind WIR. Das ist vielen Menschen nicht bewusst", bedauert der Superintendent.
So verschieden die Menschen sind, so verschieden müssen sie auch angesprochen werden. Und dabei spielt oft der persönliche Kontakt eine Rolle. Piontek spielt auf das Werben unter den religiösen Nichtchristen an. Das heisst, die wenigen hauptamtlichen Mitarbeiter können das nicht allein leisten.
Dazu braucht es viele Menschen, die sich als Ehrenamtliche auch in den Gemeinden finden. Manch einer wird durch die Musik angesprochen, andere durch die Jugendgottesdienste der Jugendkirche. Wieder andere durch eine gute Predigt, die vom Herzen kommt und zu Herzen geht, wieder andere über die soziale Arbeit der Diakonie. "Wir müssen da immer wieder neue Wege suchen und gehen."