Um diesem Schreckensszenario entgegenzuwirken setzte die Synode, die das Haushaltsrecht hat, eine 'Lenkungsgruppe' ein. Sie sollte konkrete Vorschläge ausarbeiten, wie eine dauerhafte Einsparung von 90 Millionen Euro jährlich bewerkstelligt werden könnte. Schon auf der folgenden Synode in Würzburg 2003 präsentierte die Lenkungsgruppe einen ausgefeilten Spar-Vorschlag, von den Medien plakativ als 'Giftliste' aufgegriffen.
Wie sich der synodale Vizepräsident Heinrich Götz als Vorsitzender der Lenkungsgruppe erinnert, hätten sich viele in der Kirche überhaupt nicht vorstellen können, dass die Kommission 'derart fundierte Einsparvorschläge' machen würde. Wie Landesbischof Friedrich betont, sei es eine 'Riesenleistung' der Synode gewesen, da 'ja die Arbeitsbereiche einer ganzen Reihe von Synodalen durch Kürzungen unmittelbar betroffen waren'.
Zum Erfolg dieser Konsolidierung, die für andere Landeskirchen beispielhaft ist, haben ganz wesentlich die sachlich-pramatische Zusammenarbeit von Finanzreferat und dem synodalen Finanzausschuss und die Transparenz der kirchlichen Finanzer beigetragen. Die Beratungen des Finanzausschusses seien von der 'Notwendigkeit der Konsolidierung' geprägt gewesen, sagt Ausschuss-Vorsitzender Ulrich Exler.
In den Einbringungsreden zum Haushalt, ein Ritual jeder Herbst-Synode, hat Dr. Claus Meier, Oberkirchenrat, Dipl.-Volkswirt, München sowie Stellvertretender Vorsitzender der 'Hausbank München, beharrlich und transparent zugleich den Weg der Sanierung auf eine Weise begründet, dass viele in der Kirche diese schwierige Wegstrecke mitgehen konnten. Für eine punktgenaue Planung der Daten und präzise Umsetzung der gemeinsamen Beschlüsse sorgte dann wiederum das Finanz-Referat - trotz Vakanzen und bedrohlichen Erkrankungen, von denen auch Finanzchef Meier ganz persönlich betroffen war.
Die Konsolidierung der kirchlichen Finanzen liest sich beeindruckend: Ein 100 Millionen Euro hoher Schuldenberg wurde in den vergangenen Jahren abgebaut, die Ausgaben von 2002 bis 2007 um insgesamt 250 Millionen Euro reduziert.

Damit ist die bayerische Kirche Ende 2007 zum ersten Mal seit über 15 Jahren wieder völlig schuldenfrei. Im Zuge der Haushaltsfinanzierung habe die Landeskirche rund 97,6 Millionen Euro Schulden zurückgezahlt, berichtete der landeskirchliche Finanzreferent Claus Meier.
Was bleibt am Ende der Konsolidierung? Nicht nur ein dringend nötiger Abbau des 'strukturellen Defizit' und ein ausgeglichener Haushalt, sondern wieder Spielräume für die Zukunft: Die Versorgungs-Leistungen für die Kirchenbeamten sind gesichert, den Gemeinden kann wieder besser geholfen werden, etwa bei der Erhaltung ihrer Immobilien, und es können wieder inhaltliche Schwerpunkte finanziert werden, wie den Ökumenischen Kirchentag oder Kircheneintrittsstellen. 1,75 Millionen für die
Jugendkirche in Nürnberg eingeplant.
Der Haushaltsentwurf für das Jahr 2008 liegt bei rund 760 Millionen Euro. Dies bedeutet eine Steigerung von 19 Millionen Euro, was vor allem auf wachsende Kirchensteuereinnahmen zurückzuführen sei, wie der Vorsitzende des synodalen Finanzausschusses, Ulrich Exler (München), erläuterte. Für das Jahr 2008 rechnen die kirchlichen Finanzplaner mit 495 Millionen Euro Kirchensteuern, das ist ein Plus von 4,8 Prozent gegenüber 2006.
Verändert hat sich aber auch die gesamte Landeskirche, wie Finanzreferent Meier als Fazit zieht. Die Konsolidierung habe zu 'grundlegend neuen Sensibilitäten, Sichtweisen und Prioritäten' geführt. Ausserdem seien durch diesen Prozess die Mitglieder, die schliesslich die Kirche tragen, neu wahrgenommen worden.
Vor den 108 Synodalen, in der Mehrzahl Laien, kündigte der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) zudem eine Initiative zur Wiedereinführung des
Buss- und Bettages (21. November) als gesetzlichen Feiertag an. Der Ministerpräsident, der selbst Mitglied der Synode ist, will auf Bundesebene eine Länderöffnungsklausel erwirken, mit der die Einführung des Busstages ermöglicht werden könnte.
Der Bamberger katholische Erzbischof Ludwig Schick sicherte entsprechenden Vorstößen die Unterstützung der katholischen Kirche zu. In seinem Grußwort, das von der Synode mit Beifall aufgenommen wurde, regte Schick eine ökumenische Zusammenarbeit auf Grundlage des gemeinsamen christlichen Zeugnisses der Kirchen an. Der arbeitsfreie Feiertag war 1995 in allen Bundesländern ausser in Sachsen zur Finanzierung des Arbeitgeberanteils zur Pflegeversicherung abgeschafft worden.