|
Warnung vor dem Buch: Es setzt neue Ideen in die Köpfe der JugendseelsorgerInnen, JugendreferentInnen, JugendarbeiterInnen, ReligionspädagogInnen, JugendkirchenmacherInnen ... und kann süchtig machen nach Umsetzung!
Um es vorweg zu nehmen: Das erste und bisher einzige Standardwerk für Jugendkirchenarbeit ist sehr empfehlenswert, leicht lesbar geschrieben, als Erstinfo für EinsteigerInnen genauso geeignet wie für Fachleute, die sich seit Jahren mit dem Thema beschäftigen. Wer es gelesen hat, wird sich mit herkömmlicher Art von Jugendkirchenarbeit nicht mehr so leicht zufrieden geben.
Die Einleitung von Mitherausgeberin Elisa Stams beschreibt bereits den Inhalt: „In ganz unterschiedlichen Entwicklungsstadien – manche existieren erst als Konzept, andere sind bereits bei der Umsetzung angelangt – gibt es übergreifende Fragestellungen, die alle Projekte betreffen“... ausgehend von einem Symposium in der Jugendkirche Tabgha in Oberhausen vom Januar 2002. Da die überwiegende Zahl der AutorInnen für die katholische Kirche arbeitet, gibt das Buch trotz seiner offenen, ökumenischen Haltung natürlich etwas mehr die katholische Sichtweise zum Thema wieder, darauf hätte man deutlicher hinweisen können. Für die Anregungen und Visionen, die das Buch bietet, ist das jedoch nicht hinderlich.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert: Zuerst bietet Herausgeber Hans Hobelsberger „eine grundlegende Reflexion über theologische, pädagogische sowie soziologische Herausforderungen, denen Jugendkirche in angemessener Weise zu begegnen versucht“. Im Hauptteil werden von den MacherInnen der Jugendkirche Tabgha in Oberhausen und anderen AutorInnen zentrale Bereiche und Dimensionen der Jugendkirchenpraxis vorgestellt. Und im dritten Teil gibt es eine Projektsammlung zu innovativen Projekten der Jugendpastoral, die als „Gelbe Seiten“ gekennzeichnet sind und dem Redaktionsstand Mai 2003 entsprechen. Wie bei den echten gelben Seiten auch sind die Informationen teils bei Drucklegung bereits überholt und man bräuchte jedes Jahr neue. So bin ich z.B. noch als Projektleiter für die Jugendkulturkirche Frankfurt genannt und das dortige Ausbaukonzept wird mit der nach dem Architektenwettbewerb veralteten Version einer horizontalen Kirchenaufteilung beschrieben (jetzt vertikal). Dennoch wird ein guter Überblick über die Bandbreite der Projekte möglich und durch die angegebenen Adressen und Internetseiten ist eine weitergehende Information ermöglicht.
Hans Hobelsberger war Referent für Jugendpastorale Bildung bei der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (kurz! : afj) und hat bereits zahlreiche Bücher und Schriften zu kirchlicher Jugendarbeit veröffentlicht. Zwar bin ich nicht immer seiner Meinung, z.B. denke ich schon, dass Jugendkirche das Rad der Jugendarbeit neu erfindet ( eine holprige Baumscheibe im Vergleich zur Hochleistungs-Alufelge mit Niederquerschnittsreifen, um in diesem Bild zu bleiben) und dass aus meiner Erfahrung Jugendliche bei Spiritualität lange vor dem Event in der Kirche erst einmal eine ihren Lebenswelten entsprechende Form suchen – aber es ist gut, das Thema so schön aufgedröselt abgehandelt zu bekommen, um sich davon ausgehend die eigene Position klarer zu machen.
Anhand anschaulicher Beispiele aus der Praxis wird dann im Hauptteil aufgezeigt, wie Kirche für Jugendliche sein kann, was das bewirkt, z.B. schaffen die DarstellerInnen beim (aktualisierten) Musical ‚Godspell’ „ganz nebenbei einen Spagat, um den sich viele innerhalb der Kirche immer wieder vergeblich bemühen: eine glaubwürdige, überzeugende Verbindung zwischen der Botschaft des Evangeliums und moderner Jugendkultur“.
Es geht um Kirchen-Kino, Kultur, Kreativworkshops, Fotoprojekte, Raumgestaltung, aber auch um Arbeitsmethoden wie Zukunftswerkstatt, Evaluierung, Qualitätssicherung etc.. Oliver Heck, Projektleiter von Tabgha, der ersten amtskirchlichen Jugendkirche Deutschlands und vorbildlicher Berater bei Neugründungen auch über Konfessionsgrenzen hinaus, erläutert die einzelnen Schritte bei der „Jugendkirchen-Geburt“ und bietet einen Leitfaden an. Besonders wichtig und häufig unterschätzt: Public Relations - Arbeit wird in übersichtlichen Häppchen angesprochen, zeigt jedoch gleichzeitig, dass die HerausgeberInnen beim Buch-Marketing selbst nicht all ihre Tipps konsequent umgesetzt haben :-) . Gut: Ausführliche Literaturhinweise ergänzen alle Beitrage.
Für gute Laune sorgt auch der einleitende Beitrag von Uwe Schulz, der listig ein Gleichnis von einer großen Organisation erzählt, die sich verändern muss, mit Details, bei denen jeder Leser unausweichlich an eine exakte Beschreibung von Kirche und neuer Jugendkirchenarbeit denkt, bis der Autor das Geheimnis auflöst und Ross und Reiter nennt – tröstlich, dass es Anderen eben auch so geht und man nicht alleine dasteht mit der Problematik.
Bei allem Lob für das Buch gibt es natürlich auch Verbesserungsmöglichkeiten, die ich hier für die nächste Auflage vorschlagen möchte: Das Buch ist zwar sehr übersichtlich gegliedert und die Kapitelüberschriften werden vorbildlich auf jeder Seite neben den großen Seitenzahlen wiederholt, dennoch wäre bei diesem Fachbuch ein Schlagwortverzeichnis hilfreich.
Ein Beitrag über Jugendkirchen in Europa, besonders England, Holland, Schweiz und Österreich könnte den Blick über den deutschen Tellerrand hinaus öffnen und würde das Einsortieren in internationalen Kontext erleichtern.
Bilder zu den VerfasserInnen wären nett, farbige Bilder zur Jugendkirchen-Praxis müssten nun nach der Eröffnung weiterer Jugendkirchen in besserer Auswahl zur Verfügung stehen.
Zur ökumenischen Abrundung des Themas wäre ein „evangelischer“ Beitrag von z.B. Prof. Dr. Ulrich Schwab /Uni München sinnvoll, ein spannendes Thema ist auch die Frage, weshalb es bisher noch keine ökumenische Jugendkirche gibt, welche Wünsche die Jugendlichen hier haben und wie die Praxis in den bereits existierenden Jukis dazu aussieht.
Der Teil „Gelbe Seiten“ Projektsammlung sollte wegen der relativ kurzen Halbwertszeit der Infos und der Dynamik der Projekte die Homepages der Einrichtungen deutlicher herausstellen, ein guter Service wäre das Beilegen der Adressen mit Homepage-Links auf CD-Rom, dann hätten die LeserInnen es leichter, die aktuellen Infos beim Surfen zu sammeln. Und natürlich sollte ein Hinweis auf das neue Internetportal www.jugendkirchen.org nicht fehlen :-)
Wie eingangs bereits erwähnt: Das Buch ist als erstes und bisher einziges Standardwerk für Jugendkirchenarbeit eigentlich für alle am Thema interessierten unverzichtbar. Neben einer Fülle direkt umsetzbaren Tipps ist es gute Diskussionsgrundlage, Information, Anregung und Argumentationshilfe auch für Jugendpastoral, Jugendgottesdienst und innovative kirchliche Jugendarbeit allgemein. Insgesamt sehr empfehlenswert.
Herausgeber: Hans Hobelsberger, Elisa Stams, Oliver Heck erschienen: Herbst 2003 185 Seiten, Format quadratisch in der Größe von 2/3 A 4 Verlag Butzon & Bercker, 22,- EUR, z.B. bei bol.de Wer das Buch über den Link auf dieser Seite (Buchtitel anklicken) in unserem Shop kauft, unterstützt unser Jugendkirchenportal, ohne dass man selbst dafür auch nur einen Cent mehr bezahlen muss, versandkostenfrei ist es außerdem! Und wir legen außerdem noch eine CD bei, auf der alle aktuellen Links zu den Jugendkirchen sind - das gibts nur bei uns! Mittlerweile gibt es ein zweites Standardwerk: Innovation Jugendkirche - Konzepte und know how (ebenfalls in unserem online-Buchladen.
Weiterführende Links:
Jugendkirchen – Portal www.jugendkirchen.org Kontakt:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
Hans Hobelsberger: Abtl. Jugendpastorale Bildung http://www.afj.de Kontakt:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
Oliver Heck, Tabgha http://web173.s11.typo3server.com/Start.135.0.html Kontakt:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
|