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 Eigentlich war sie überflüssig geworden: Die Peterskirche am Rand der Frankfurter City ist seit 2002 keine Gemeindekirche mehr - doch dann wurde sie aufwendig zu einer Jugendkulturkirche umgebaut. Am 30. November 2007 startet mit der Jugendkulturkirche Sankt Peter ein neues Projekt mit hochkarätigen Angeboten, das gezielt zwischen Jugend und Kirchenkultur vermittelt. Wenn die umgebaute Sankt Peterskirche am 30. November ihre Pforten öffnet, sollen sich die nicht wieder schliessen. Rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr nicht mehr.
Dort, wo früher Gottesdienste gefeiert, Konfirmanden eingesegnet und Taufen vollzogen wurden, soll von jetzt an fetzige Musik durch das Kirchenschiff schallen. Pfarrer Jürgen Mattis vom Evangelischen Regionalverband Frankfurt hat ein ganzes Konzept im Kopf. Kultur von Jugendlichen und für Jugendliche, Seelsorge, Gottesdienste, Workshops, Café. Er legt Wert auf ein Konzept der Öffnung, die gerade in der multikulturellen und multireligiösen Rhein-Main-Region wichtig sei. Mittlerweile ist aus der staubigen Baustelle ein richtiger Prachtbau geworden, in dem man Jugendkultur und Kirchenkultur auf einen gemeinsamen Nenner bringen will - mit einer mehrstöckigen Glasfront neben den historischen Mosaiken - Haupt- und Seitenschiff trennt eine Lichtwand aus Glas, bedruckt mit unzähligen kleinen Kreuzen: Die Fenster von Charles Crodel behaupten sich tapfer neben Metallschienen mit Strahlern, Abluftleitungen und einer transparenten Glaswand zum benachbarten Bistro. Das Bistro bietet 60 Sitzplätze, wie Klaus Staniek, der zuständige Architekt vom Büro 54f in Darmstadt, berichtet. Durch den Bistrobetrieb unter der Leitung von Marcel Paul ist die Kirche dienstags bis sonntags von 13 bis 23 Uhr zusätzlich geöffnet. Dazu Bandproberäume, Seminar-, Büroräume.
Und es gibt den Sakralraum im Turm, ein Platz der Ruhe und der Einkehr, ein Raum, der, wie es heisst, "für Andachten ebenso genutzt werden kann wie auch als Chill-out-Bereich bei Discos". Die Kirche soll natürlich in erster Linie auch eine seelsorgerische Anlaufstelle für junge Leute sein. Zielgruppe sind laut Mattis 14- bis 25-Jährige aller Nationen und Religionen.
Eine Kapelle gibt es auch, jetzt, nach dreifacher Verlegung fand man noch Platz: Ein Raum für Meditation, Gebete und ausgehängte Appelle an eine enttäuschte Jugendliebe. Die neue Innenarchitektur der Peterskirche ist ein Kompromiss aus zukunftsweisenden Konzepten, finanziell-technischer Machbarkeit und den Auflagen des Denkmalschutzes.
Sponsoren waren bereits bei der Inneneinrichtung gefragt, um die Kirche nach Jahren baulicher Verzögerung einrichten zu können. So wurden etwa die schwarzen Stühle in Zusammenarbeit der 1822-Stiftung der Frankfurter Sparkasse und des Deutschen Architekturmuseums gekauft.
Wie der einfache weisse Altar, die mit Kreuzen dekorierte Glaswand und die frei verlegten Leitungen sind sie Markenzeichen einer jugendgerechten, aber pragmatischen Planung. Das Hauptschiff wurde zu einem Veranstaltungsort mit Bühne und modernster Beschallungstechnik, in dem Grossveranstaltungen für bis zu 1000 Jugendliche - ökumenisch versteht sich - möglich sind - zum beten, zum abfeiern oder was auch immer.  Mitzureden bei der Umgestaltung des Sakralbaus hatte das Landesamt für Denkmalpflege, denn die im 19. Jahrhundert erbaute Kirche steht unter Denkmalschutz. Hauptkonservator Christoph Mohr sagt, die neue Nutzung habe eine "ganz grosse Chance eröffnet". Die Kirche war im Zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff völlig zerstört und erst in den 60er Jahren wieder aufgebaut worden. Den dabei gewählten Stil bezeichnet er als "Rauheit der Nachkriegszeit". Als die Kirche noch eine Baustelle war, war sich Hauptkonservator Christoph Mohr bereits sicher, dass sie "für eine positive Belebung einer etwas abgehängten Ecke der Stadt sorgen" werde. Stadtjugendpfarrer Jürgen Mattis sprach bei einer Besichtigung sogar von einem radikalen Neubeginn, bei dem sich die Denkmalschützer auch hätten zurücknehmen müssen: "Die statische Situation war nicht so günstig." Eine Seitenwand musste mit rund 1000 Stahlnägeln von 50 Zentimetern Länge gesichert werden. Die Baukosten von rund 5,5 Millionen Euro teilen sich der Regionalverband, die Stadt Frankfurt als Eigentümerin des Gebäudes und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) als Landeskirche. Betreiben wird die Jugendkulturkirche eine gemeinnützige gGmbH, in der die EKHN und der Regionalverband vertreten sind. Mattis betont, dass aus Kirchensteuereinnahmen nur ein Zuschuss kommen werde. Die Jugendkulturkirche müsse selber Geld über Eintrittsgelder oder den Umsatz in der Gastronomie beschaffen. Pfarrer Rasmus Bertram wird zusammen mit Stadtjugendpfarrer Jürgen Mattis, Geschäftsführer Gerhard Müller, Kulturmanagerin Valeska Falkenstein und Jugendpädagogin Eva Rhodius-Rheinprecht den grossen Saal und die Seminar- und Gruppenräume mit Leben füllen. Mattis sprach sogar von einem "neuen Weg kirchlichen Denkens", vor allem aber ist es ein Aufbruch. Nach jahrelangem Umbau geht die Jugendkulturkirche Sankt Peter nun in Betrieb. Die Gemeinde Sankt Peter darf die Kirche jährlich für zehn Veranstaltungen nutzen, das einst geplante integrierte Gemeindezentrum wird jedoch vorerst nicht realisiert.
Der offizielle Startschuss für die Jugendkulturkirche fällt mit einem Einweihungskonzert am 30. November, einer Eröffnungsparty am 1. Dezember und einem Advents-Festgottesdienst am 2. Dezember. Verantwortlich ist Pfarrer Bertram, der durch den Aufbau einer Jugendkirche nahe Leipzig bereits einige Erfahrung in das Projekt einbringt. weiter ... zum Eröffungskonzert
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