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Ökumenisches Symposium "Praxis Jugendkirche" PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Montag, 22. Oktober 2007
 
"Jugendkirchen und Jugendgemeinden gelten nach wie vor als das Innovativste, was sich in kirchlicher Jugendarbeit tut", heisst es in der Einladung zum internationalen ökumenischen Symposion. Mit dieser Kernaussage beschäftigt sich seit gestern das ökumenische Symposium "Praxis Jugendkirche - Vergewisserung und Inspiration" in der JuKi Wien. Erfahrungen austauschen, Praxis reflektieren, für Herausforderungen der Zeit sensibilisieren, Inspiration für die Zukunft tanken - so liessen sich die drei Tage des Erfahrungsaustausches knapp umreissen. 170 TeilnehmerInnen aus ganz Europa befassen sich drei Tage lang wieder mit aktuellen Fragen aus Theorie und Praxis von Jugendkirchen-Projekten.

Religiöse Bildung geschieht heute in kirchlicher und freier Trägerschaft in vielfältiger Weise. Sie findet in der Schule genauso wie in Kirchengemeinden oder freien Vereinen statt. Aber es zeigt sich verstärkt, dass viele Jugendliche im Kontext moderner Religiosität die Kirchen nur schwerlich als für sie relevante Lokalität wahrnehmen können.

Viele Jugendliche erleben Kirchengemeinden und ihre Angebote als einen wenig jugendgemässen Ort. Ein Verständnis für jugendspezifische Formen der Religiosität wird oft vermisst. Kirche wird dann als "langweilig und missverständlich" erlebt, und der Religionsunterricht in der Schule, sein Bildungsziel, seine Struktur und seine Inhalte sind nicht unumstritten.

Das Symposium ist darauf gerichtet, die Rahmenbedingungen gegenwärtiger Jugendlicher zu beschreiben und sie auf das Verhältnis der Jugendlichen zu Kirche und Religion zu beziehen. Dabei wird von pluralen Formen gegenwärtiger Religiosität ausgegangen.

Jugendliche wachsen heute in der Regel nicht mehr in einem konfessionell geprägten Umfeld auf, sondern sind unzähligen kulturellen und religiösen Strömungen ausgesetzt. Das ermöglicht vielfältige Orientierungen, schafft aber auch Probleme in der Arbeit an der eigenen Identität. Das Verhältnis von Jugend, Kirche und Religion soll analysiert werden und daraus hilfreiche Anregungen für die Jugendkirchen in den angebotenen Workshops entwickelt werden.

Wie in Wien, wo es die Jugendkirche in St. Florian gibt, sind die "Jugendkirche-Projekte" mittlerweile erprobt genug, um aus Erfahrungen lernen zu können. Ein guter Zeitpunkt, um die bisherige Praxis konzeptionell, empirisch und historisch zu reflektieren, Erfahrungen auszutauschen, für Herausforderungen der Zeit zu sensibilisieren und Inspirationen für die Zukunft zu tanken.

Im Mittelpunkt des Symposiums stehen die Fragen nach den verschiedenen Modellen und Möglichkeiten der sogenannten "Jugendkirchen". Das Ziel dieser Praxisreflexion und der darauf folgenden Weiterentwicklung ist es, den Graben zwischen jugendlicher Lebenswelt und Kirchenkultur zu überbrücken und Begegnungsräume für Jugendliche mit dem christlichen Glauben zu schaffen - Jugendkirchen eben.

Der Horizont, in dem Praxisreflexion und konzeptionelle Weiterentwicklung auf dem Symposium stattfinden, wird nicht nur durch theologische Fragestellungen umrissen, sondern auch durch die Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Jugendwertestudie 2006.

Zwei grosse Jugendkirchen-Symposien hat es bereits gegeben: Im Januar 2002 und im September 2005 haben sich ExpertInnen und Interessierte, TheologInnen und JugendforscherInnen, MitarbeiterInnen von bereits bestehenden oder geplanten Jugendkirchen-Projekten aus dem ganzen deutschen Sprachraum in der Jugendkirche TABGHA in Oberhausen getroffen und sich jeweils drei Tage lang mit aktuellen und konzeptionellen Fragen rund um das Thema "Jugendkirche" befasst.

Das Ergebnis waren die jeweils in Folge erschienenen Sammelbände 'Experiment Jugendkirche' und 'Innovation Jugendkirche', welche die Standardwerke zum Komplex "Jugendkirche" darstellen - die bisherigen Symposien hatten sich zu dem Forum für ExpertInnen und Interessierte entwickelt, und viele sind auch in Wien wieder vertreten.

Um 14.30 Uhr trafen sich gestern die ersten Besucher im Tagungsbüro, um sich in den Unterkünften einzuchecken, sich über den Ablauf, etwaige Änderungen oder was weiss ich zu informieren. In der Jugendkirche gab es dann Kaffee und Kuchen, aber eigentlich wollte man hauptsächlich alten Bekannten begegnen - viele bekannte Gesichter sind darunter - und/oder neue Kontakte knüpfen.

Das Symposium startete dann pünktlich um 16:00 mit einem Grusswort und Eröffnungsgebet von Bischof Dr. Paul Iby aus Eisenstadt. Danach folgte eine inhaltliche Einführung durch Dr. Ursula Hamachers-Zuba und Dr. Gregor Jansen in der frisch renovierten Kirche. Es konnte jetzt richtig losgehen.

Gegen 16.30 begann Prof. Dr. Ulrich Körtner mit dem ersten Vortrag des Tages zum Thema "Pastoraltheologische Zeitansage: Wiederkehr der Religion?" mit anschliessender Debatte im Plenum.

Nach einem kleinen Stehimbiss ging es dann mit dem Bus zu einem Ökumenischen Gottesdienst "happy hour" in der Kirche "Zur heiligen Familie" im Rahmen von find-fight-follow.
 
Der Fokus auf Lebenswelt, Lebensgefühl und Werthaltungen, aber auch die spezifischen Anforderungen, vor denen Jugendliche sich heute gestellt sehen, werden noch bis morgen thematisiert.
 
 
 
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