Befürchtungen, nach der Fusion der Pfarrgemeinden St. Anna (mit dem Gemeindebezirk Annaberg), St. Peter (Innenstadt) und St. Nikolaus (Orsoy) zu einer Pfarrei an Pfingsten würde in den ehemaligen Gemeinden ein Streit über Gelder, Gebäude und Personal entbrennen, haben sich nicht bewahrheitet. Und dafür ist Pfarrer Wolfgang Schmitz von St. Peter in Rheinberg dankbar.
"Viele Gruppen haben an dem Prozess der Fusion teilgenommen", erinnert sich Schmitz. Dadurch sei das Zusammengehörigkeitsgefühl gewachsen. "Wir merken, dass wir gemeinsam stark sind und als Kirche etwas auf die Beine stellen können", bringt er seine Erfahrungen auf den Punkt. So habe es in Orsoy in den letzten Jahren fast keine Kinder- und Jugendarbeit mehr gegeben. Mit Kräften aus anderen Gemeindebezirken konnte man jetzt durch neue Messdienergruppen die Jugendarbeit neu aufbauen.
"Auf diese Weise wird deutlich, dass sich die Grossgemeinde auch für die kleinen Bezirke lohnt", sagt er. Nun müsse sich zeigen, ob diese Initiative sich entwickeln könne, ohne dauerhaft am Tropf zu hängen. Auch finanziell müsse die Gemeinde auf sichere Füsse gestellt werden.

Bei der finanziellen Gestaltung müssten pastorale Aspekte Priorität haben, fordert der Seelsorger. "Wir wissen zum Beispiel, dass die Pfarrheime zu gross sind, und arbeiten an Kooperationsmodellen", sagt er. Aber Seelsorge brauche auch Orte. Insgesamt beurteilt Schmitz die finanzielle Entwicklung optimistisch: "Es sieht stabil aus."
Eine pastorale Perspektive bis 2010 sollte in der Zukunftswerkstatt entwickelt werden. "Wo wollen wir hin? Was können wir neu aufbauen? Welche Leute können wir erreichen?"
Rund 100 Mitglieder aus Orsoy (St. Nikolaus), Eversael (St. Hermann-Josef), Budberg (St. Marien), Rheinberg (St. Peter) und dem Annaberg (St. Anna) hatten sich zur Zukunftswerkstatt angemeldet, um gemeinsam am künftigen Weg der fast 10 000 Gemeindemitglieder grossen und von Orsoy bis Annaberg reichenden Pfarrgemeinde mitzuwirken.
"Quo vadis, St. Peter? St. Peter auf dem Weg in die Zukunft!" war das Motto der ganztägigen Veranstaltung, die von Marlies Woltering und Anne Gravendyk moderiert wurde. Die beiden Beraterinnen des Münsteraner Bistums haben derzeit alle Hände voll zu tun, um katholische Kirchengemeinden nach der Fusion zu unterstützen.
Wolfgang Schmitz, leitender Pfarrer von St. Peter, ging im Gottesdienst auf die Zukunftswerkstatt ein. "Wir haben gute Strukturen in allen Ortsgemeinden, von Orsoy bis zum Annaberg." Eine gute Gemeindearbeit habe dort über Jahre bestanden. "Aber wir sind eine gemeinsame Kirche."
Ein Problem ist dabei das gemeinsame Kennenlernen und das Zusammenwachsen in der räumlich weit auseinander gezogenen neu entstandenen Gemeinde. Das führte zur Idee, in der Zukunftswerkstatt Themen zu sammeln, Ideen zu bündeln. "In den letzten Wochen haben wir in den Ortsgemeinden Themengruppen gebildet", meinte Schmitz.
"Wir wollen Seelsorge mit Gesicht", und damit gibt er auch die Wünsche der Gemeinde wieder. Sicher habe es zu Anfang Ängste vor dem grossen Verwaltungsapparat gegeben. Durch gezielte personelle Aufteilung sei jedoch Vertrauen entstanden.
18 verschiedene Arbeitskreise wurden daraus vorgeschlagen, die von Ökumene, Bildungsarbeit, Seelsorge, Liturgie und Jugendkirche reichten, um nur einige zu nennen. Die wurden in teils halb-, teils ganztägigen Arbeitskreisen intensiv erörtert. "Da kommen Gedanken und Ideen heraus, auf die wir im Seelsorgeteam gar nicht gekommen wären", staunte Schmitz. "Später müssen wir sehen, dass daraus Aktionen werden und hoffen, dass ein frischer Wind aufkommt."

Der wehte den ganzen Tag durch das Stadthaus. Von drei bis zwölf Teilnehmern reichten die Arbeitskreise. Sie tauschten sich aus, diskutierten, brachten Vorschläge ein und formulierten Lösungen. Heraus kamen riesige Papierbögen beschrieben mit Thesen und Vorschlägen.
Stark engagierten sich zum Beispiel Jugendliche im Kreis für die Idee einer "Jugendkirche". Eine immer grösser werdende Gruppe von Jugendlichen fühlt sich durch die herkömmliche Kirchengemeinschaft nicht mehr angesprochen. Wie sollte ein Gottesdienst aussehen, damit er Jugendliche erreicht, die postmodern denken und fühlen? Was sollte sich dazu an den Predigten, Gottesdiensten und evangelistischen Veranstaltungen ändern? Und das in diesen Fragen Entscheidende: Wie muss sich unser Verständnis von Kirche ändern?
Auch das Thema Ökumene wurde rege diskutiert. Und Themen, von denen man es nicht erwartet hatte, fanden grosse Resonanz, beispielsweise die "Kultur der Vergebung/Beichte" oder die Frage, wie das Evangelium Menschen aller Bereiche erreichen kann oder widmeten sich dem Thema der "Schnupperkirche - Kirche für Fernstehende" wie auch der Frage des Feierns in den Gemeinden - liturgisch wie weltlich.
Die Mittagspause diente dem Austausch, sollte ein "grosses Schnabbelforum" sein, wünschte sich Moderatorin Anne Gravendyk. Am Ende wurde ein Resumee aller 18 Arbeitskreise gezogen und vorgetragen, was zuvor erarbeitet wurde. Damit ist die Arbeit aber nicht beendet. Schriftlich zusammengefasst werden die Ergebnisse weitergedacht und werden später Handlungsbasis für den gemeinsamen Weg werden.