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Zukunft der Kirche ist auch Jugendkirche |
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Geschrieben von pierre roh
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Montag, 1. Oktober 2007 |
 Mehr als 1500 evangelische Christen aus ganz Baden haben am 22. September den ersten Gemeindeentwicklungskongress der Badischen Landeskirche in Karlsruhe besucht. Unter dem Motto 'Vertraut den Neuen Wegen' ging es in Vorträgen und Foren um die Zukunft der Kirche.
Zu Beginn hatte Landesbischof Ulrich Fischer aus Karlsruhe ausgehend vom dem biblischen Zuspruch an die Kirche, Salz der Erde zu sein, von einem gesalzenen Zuspruch und einem gesalzenen Anspruch gesprochen. "Auf euch kommt es in der Zukunft der Kirche an!", rief Fischer den Teilnehmern im überfüllten Brahmssaal des Kongresszentrums zu. Dabei könnten sich alle des Zuspruchs Gottes gewiss sein und auf Gottes Geist und Unterstützung vertrauen.
Unter dem Motto "Vertraut den neuen Wegen könne die badische Landeskirche aber schon auf eine lange Tradition von Aufbrüchen und Umbrüchen zurücksehen. "Schon immer musste die Kirche alte Wege verlassen und andere beschreiten." Dabei erinnerte Fischer an den Todestag von Johann Peter Hebel am 22. September Hebel war der Prälat der badischen Landeskirche, die 1821 gegründet worden war.
Ohne Mission keine zukunftsfähige Kirche
Ohne eine missionarische Grundhaltung ist die Kirche nicht zukunftsfähig. Diese Ansicht vertrat denn auch der westfälische Theologe Peter Böhlemann (Schwerte) bei einem Mitarbeiterkongress der Evangelischen Landeskirche in Baden. "In der Kirche brauchen wir Hoffnungsbilder, die uns der göttliche Geist schenkt und die Sinn und Geschmack für die Schönheit des Reiches Gottes wecken. Die Quelle für solche Visionen ist die Bibel", so Böhlemann.
Der Experte für Gemeindeaufbau und Leiter des Pastoralkollegs der westfälischen Landeskirche betonte, dass neue Wege der Gemeindearbeit kein Selbstzweck sein dürften, sondern nur geeignete Formen für die Verkündigung des Evangeliums. Deshalb dürfe die Kirche und dürften Gemeinden nicht verkrampft an althergebrachten Strukturen und Arbeitsformen festhalten.
Der Theologe kritisierte, dass die Kirche derzeit am meisten mit Geld beschäftigt sei - aber Geld sei kein geeignetes Mittel zur Förderung von Gemeindewachstum. "Nicht die Kohle, sondern die Windkraft des Geistes wird die Volkskirche wieder lebendig machen", so Böhlemann.
Nicht das Geld, sondern nur der Geist könne die Kirche für das 21. Jahrhundert zukunftsfähig machen. Geld verhalte sich "wie Doping, das Muskeln kurzfristig aufbläht und seine Benutzer langfristig krank macht". Man müsse dem Wirken des Heiligen Geistes vertrauen. Deshalb sei das Gebet "nicht die letzte, sondern die einzige Chance", um Resignation und Frustration zu überwinden.
"Unsere Aufgabe ist es, möglichst vielen Menschen Erfahrungen mit dem christlichen Glauben zu ermöglichen", sagte Böhlemann, der das Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung der Evangelischen Kirche von Westfalen leitet und an Stelle des erkrankten Direktors des Instituts für Evangelisation und Gemeindeentwicklung in Greifswald, Prof. Michael Herbst, ein Hauptreferat hielt.
"Wir wissen, dass massive Veränderungen für alle Kirchengemeinden anstehen", liess der Theologe fürderhin verlauten. Aufgabe der jetzigen Generation sei es, die Kirche zukunftsfähiger und profilierter zu gestalten. Dabei dürfe sie sich nicht allein auf ihren Kern zurückziehen. "Das Profil einer Gemeinde wird in der Regel am Rand erkannt."
Im Blick auf das Kongressthema "Vertraut den neuen Wegen" mahnte Böhlemann, dass neue Wege kein Selbstzweck seien. Vielmehr müsse gefragt werden, ob sie zur Verbreitung des Evangeliums geeignet seien.
Auch Gemeinden sollen Schwerpunkte bilden Die Krise der Kirche bezeichnete die Kieler Pastorin Professor Uta Pohl-Patalong im zweiten Hauptreferat als "echte Chance". Neben den Finanzproblemen gebe es auch eine inhaltliche Krise. Die Chance der Volkskirche liege darin, flächendeckend zu sein. Damit das kirchliche Leben attraktiver werde, sollten Kirchengemeinden Schwerpunkte setzen und eine "Kultur des Lassens entwickeln".
Die Privatdozentin empfahl, dass sich jede Gemeinde auf einen Schwerpunkt konzentriert, etwa Spiritualität, Musik, Diakonie, Jugendarbeit oder interreligiöser Dialog. "Mit Schwerpunktsetzungen entlasten wir uns gegenseitig!" Dadurch liessen sich mehr Menschen ansprechen, als wenn jede Gemeinde alles anbiete.
In benachbarten Gemeinden sollten auch Gottesdienste verschieden gestaltet werden. "Es soll dann auch sein, dass Menschen die sie ansprechenden Formen wählen können. ... Wir leben damit das Priestertum aller Glaubenden und können so gabenorientiert Menschen nach ihren Fähigkeiten zur Mitarbeit ermutigen."
Daneben könne es ein "vereinsähnliches Leben" geben, um dem Bedürfnis nach wohnortnaher Gemeinschaft gerecht zu werden. Gemeinden könnten dann auf die Belange ihrer Umgebung eingehen. Dabei spiele das ehrenamtliche Engagement eine grosse Rolle.
In den Gemeinden sollten auch unterschiedliche Gottesdienste in vielfältigen Formen gefeiert werden. Dazu gelte es, Gemeindegrenzen zu überwinden und sich in benachbarten Gemeinden mehr abzusprechen. "Eine Gemeinde kann dann auch guten Gewissens Arbeitsbereiche lassen, weil sie weiss, dass eine andere Gemeinde sie gut macht."
Ohne Innovation keine Kirche für die Jugend
In den letzten Jahren wurden vielerorts innovative Formen der Jugendarbeit entwickelt (z. B. Jugendkirchen, regionale Jugendgottesdienste usw.). Mit ihnen verbinden Kirche, Jugendarbeit und Jugendliche vielfältige Hoffnungen. Gerade die Jugendkirchenprojekte stellen sich der Herausforderung, das Evangelium in jugendlichen Lebenswelten zu inkulturieren. Insofern ist die Idee Jugendkirche eine mögliche Konsequenz der Inkarnierung des Evangeliums (Joh. 1, 14).
Ein Forum des Kongresses mit dem Thema 'Jugend (in der) Kirche - Zwischen Gemeindejugend und Jugendkirche' unter der Mitwirkung von Ruth Würfel, Michael Freitag, Ralf Zimmermann, Dr. Andreas Obenauer und Albrecht Berbig sollte Wissenslücken schliessen helfen.
Gelungene Initiativen und Jugendkirchenprojekte wurden vorgestellt und man spürte mit dem Moderator Eberhard Koch folgenden Fragen nach: Welche Faktoren machen Kirche attraktiv für Jugendliche? Wo sind Räume für Jugendliche in unserer Kirche? Ersetzen Jugendkirchen die Gemeindejugend vor Ort oder befruchten und beleben sie sich gegenseitig? Es entspann sich eine weitreichende Diskussion, die sich um adäquate Antworten mühte.
Einen starken musikalischen Akzent setzten der Gospelchor "Angel Company" unter der Leitung von Berthold Engel sowie das Nordbadische Blechbläserensemble unter Leitung des Landesposaunenwartes Armin Schaefer.
"Geistlichen Reichtum" der Kirche deutlich zu machen Landesbischof Ulrich Fischer zeigte sich zufrieden mit dem ersten badischen Gemeindeentwicklungskongress: "Wir haben in Baden einen unglaublichen Reichtum der Möglichkeiten, einen Schatz an geistlicher Vielfalt; davon haben wir heute viel erlebt und mitnehmen können."
Er bezeichnete den Kongress als Ermutigung für alle badischen Christen, die als "Salz der Erde" in die Gesellschaft hineinwirken wollten - als einen Tag "zum Auftanken, zur Ermutigung und Stärkung." 20 Foren und mehr als 70 Ausstellungsstände hätten "einen unglaublichen Reichtum an Möglichkeiten zur Erneuerung des kirchlichen Lebens" gezeigt. Der Kongress habe diese Impulse gesammelt und verstärkt. In den Kirchengemeinden gebe es viele Gelegenheiten, den "geistlichen Reichtum" der Kirche deutlich zu machen.
Beispiele zeigte der "Markt der Möglichkeiten" mit rund 80 Ausstellern. Das Angebot reichte von der christlichen Tradition des Segnens über Vesperkirchen bis hin zum kirchlichen Umweltmanagement "Grüner Gockel" - Vertreter der Jugendkirche aber vermisste man schmerzlich.
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