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Jugendkirche für Hamburg PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Dienstag, 18. September 2007
Wie kaum zuvor in ihrer Geschichte verändert sich die evangelische Kirche. Die Kirchengemeinden müssen aus Sicht der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann mehr alternative Gottesdienst-Formen anbieten und ihr Profil schärfen. "Es wird nicht jede Gemeinde in einer Stadt ein bisschen Altenarbeit und ein bisschen Jugend- und Chorarbeit anbieten können", sagte Käßmann. Wichtig sei es, dass die Gemeinden eigene Profile bildeten. Neue Wege in der Jugendarbeit geht die evangelische Kirche im Hamburger Westen. Die Bugenhagen-Kirche in Groß Flottbek soll zur ersten nordelbischen Jugendkirche umgewidmet werden.
 

 Es ist das erste grosse gemeinsame Projekt der vier Kirchenkreise Altona, Blankenese, Niendorf und Pinneberg, die bis 2009 zu einem einzigen Kirchenkreis fusioniert werden sollen. Die Pröpste der Kirchenkreise, Horst Gorski (Altona), Arnd Schomerus (Blankenese), Karl-Heinz Melzer (Niendorf) und Thomas Drope (Pinneberg), sowie Jugendpastor Robert Zeidler, der das Projekt leitet, stellten ihre Visionen vor.

Einen Brückenschlag von der Lebenswelt Jugendlicher zur Welt des Glaubens wolle man versuchen, sagte Zeidler. "Wir werden Gottesdienste und Andachten mit besonderen Formen ebenso anbieten wie Konzerte, Ausstellungen oder Theater." Biblische Psalmen als Rap oder eine Rockband vor dem Altar seien Mittel, die Zielgruppe zu erreichen. Mit Aktionen könne man den Glauben zum Erlebnis machen.

Zeidler: "Eine Idee ist zum Beispiel, mit 15 bis 20 Tonnen Sand und Palmen die Kirche in eine Wüstenlandschaft zu verwandeln, um die Wanderung durch die Wüste zu thematisieren." Er sei froh, dass die Fusion zur Stärkung von Arbeitsbereichen genutzt werde, sagte Blankeneses Propst Schomerus. Amtskollege Gorski hofft, dass die Jugendkirche auch Jugendliche aus schwierigen Familienverhältnissen erreicht, die sonst mit kirchlichen Angeboten wenig anfangen können.

Propst Melzer betonte, er sei "sehr stolz, dass die Synoden hier noch mal richtig Geld angefasst haben". Rund 250 000 Euro kostet der Umbau der 1967 geweihten Kirche, die durch die Fusion mit der Nachbargemeinde ihre Funktion als Gemeindekirche verlor. Die Bänke sollen durch mobile Bestuhlung ersetzt, eine neue Lichtanlage installiert werden.

In der Jugendkirche, die in Zukunft auch Uetersenern, Torneschern,Die Kirchengemeinde steht vor grossen inhaltlichen Umbrüchen in der Gemeindearbeit. In Groß Flottbek bilden vier Kirchenkreise jetzt eine Alternative zum Gotteshausverkauf: Die gut 40 Jahre alte Bugenhagenkirche stand aufgrund der 2002 erfolgten Fusion mit der unweit entfernten Gemeinde Groß Flottbek zur Verfügung. Ein junges Team um den Jugendpastor Robert Zeidler plant eine Kirche ohne fixierte Bänke, mit einer professionellen Musik- und Lichtanlage, ohne Kirchenvorstand und mit Aktionen wie Kunstworkshop, Musical, Jugendgottesdienst oder Filmabend.

"Kommen kann natürlich jeder, wir machen keine Alterskontrolle am Eingang", erklärte Robert Zeidler. "Entscheiden tun aber nur die Jugendlichen." Dass sie diese Aufgabe durchaus mit Spass und zugleich im Bewusstsein der grossen Verantwortung in die Hand nehmen, ist deutlich spürbar.

"Ich finde es spannend auszuprobieren, was passiert, wenn wir wirklich einfach machen, was wir uns von Kirche wünschen", sagt Leena. Und Gerhard, ebenfalls vom ersten Tag an dabei, sieht in dem auf sieben Jahre angelegten Projekt die Chance, Jugendliche dauerhaft, also auch über den Konfirmandenunterricht hinaus, zu binden: "Es ist schön, weil hier wirklich etwas von unten entsteht."

Arnd Schomerus, Probst des Kirchenkreises Blankenese, beschreibt den Werdegang: "Eine neue Jugendkirche ist toll. Aber es ist für mich auch immer spürbar, dass der Abschied von diesem Haus für die alte Gemeinde ein ganz wichtiges Thema ist." Und so wechselten sich Orgel und Rockband jetzt beim allerletzten Gemeindegottesdienst ab, um Abschied und Neubeginn musikalisch zu symbolisieren.

Altersheim, Kindergarten und Diakoniestation - die vergleichsweise junge Bugenhagen-Gemeinde expandierte über nahezu vier Jahrzehnte stetig. "Unsere schöne Bugenhagenkirche" ist ein stehender Begriff, und für das ein oder andere treue Schäfchen mag es gewöhnungsbedürftig sein, zwischen den Fürbitten im Jugendgottesdienst nun ein zwölffach gerocktes "Herr erbarme Dich" zu hören.

Neben der Jugendkirche wird es im Grosskirchenkreis, dessen Name noch nicht feststeht, auch ein gemeinsames Jugendpfarramt geben, das die Jugendarbeit unterstützt. Die Eröffnung der Jugendkirche ist für den 1. Dezember angepeilt. Auf dieses Datum freuen sich Jugendpastor Zeidler und die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die mit ihm seit drei Jahren am Konzept arbeiten.

Zu diesem Thema: http://www.jukis.org/Hamburg bekommt JuKi

 
Kirchengemeinde Bugenhagen-Groß Flottbek
Bugenhagenkirche
Bei der Flottbeker Mühle 28
D-22607 Hamburg-Gr. Flottbek

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