
Kritik in ökumenischer Eintracht: Evangelische und Katholische Jugendvertreter zeigen sich enttäuscht von im rumänischen Sibiu (Hermannstadt) zu Ende gegangenen Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung (EÖV3). "Sie bringt in vielen wichtigen Bereichen keinen Fortschritt in der Ökumene, fällt in Inhalt und Methodik sogar deutlich hinter den bei der Zweiten Europäischen Ökumenischen Versammlung in Graz 1997 erreichten Konsens zurück", stellen der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ/Düsseldorf) und die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischer Jugend (aej/Hannover) in einer gemeinsamen Erklärung fest.
Im Mittelpunkt der Kritik von katholischer und evangelischer Jugend steht die mangelnde Beteiligungsmöglichkeit der rund 2.100 Delegierten. "Das war nur eine Schein-Partizipation", so der BDKJ-Bundesvorsitzende Dirk Tänzler. Bei einem informellen Treffen während der Versammlung hätten junge Delegierte aus 15 Ländern und allen konfessionellen Traditionen lautstarke Kritik an den mangelnden Beteiligungsmöglichkeiten geübt. In der Tat wurden Wortmeldungen der Delegierten aus Zeitgründen wiederholt stark beschnitten.
Daraufhin boten aej und BDKJ ein alternatives Forum parallel zum offiziellen Programm an. Mehr als 100 Delegierte und Pressevertreter nutzten diese Gelegenheit, um erstmals bei der Versammlung direkt miteinander über ökumenische Zukunftsfragen zu diskutieren.
Dabei äusserten die Delegierten ihre Bereitschaft, den Konziliaren Prozess der europäischen Ökumene weiterzuentwickeln - aber nur wenn eine partizipative Versammlungsform gefunden werde, so Dirk Thesenvitz, Ökumenereferent der aej, der als einer von rund 145 jungen Delegierten an der Versammlung teilnahm.
Positiv bewerten aej und BDKJ den hohen Stellenwert des Klimaschutzes. Die Anregung der Versammlung, ab Herbst 2008 einen "Schöpfungssonntag" zu begehen, wollen die beiden ökumenischen Partner gemeinsam aufgreifen. Ermutigend für die Weiterarbeit am ökumenischen Prozess sei der informelle Kontakt zwischen den verschiedenen Konfessionen gewesen.
"Katholische und Evangelische Jugend in Deutschland werden in ihrer ökumenischen Zusammenarbeit weiterhin Gemeinsamkeiten betonen und nicht das Trennende zementieren", kündigt der BDKJ-Bundesvorsitzende Dirk Tänzler an. Der nächste Schritt sei die Vorbereitung auf den zweiten Ökumenischen Kirchentag 2010 in München. BDKJ und aej werden dort gemeinsam das Zentrum Jugend gestalten. Im nächsten Jahr feiern aej und BDKJ das 50-jährige Bestehen des Ökumenischen Kreuzwegs der Jugend.

Die Bischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Margot Käßmann, ist zuversichtlich, dass die Kirchen ihre ökumenischen Bestrebungen auch in Zukunft weiter verfolgen werden. "Ich denke positiv und ich glaube nicht, dass sich die ökumenische Bewegung rückwärts bewegt", sagte sie während der 3. Europäischen Ökumenischen Versammlung vor Journalisten.
Je mehr die Kirchen mit einer Stimme sprächen, desto glaubwürdiger seien sie. Auch für Menschenrechte und Religionsfreiheit sollten die Kirchen kompromisslos eintreten, "besonders in Ländern, die der EU beitreten wollen", so Frau Käßmann.
Sie äusserte ausserdem den Wunsch, dass künftig junge Christen stärker an Entscheidungsprozessen in den Kirchen beteiligt werden. Zuvor hatten junge Delegierte der Versammlung ein Votum abgegeben, das in die Anschlusserklärung aufgenommen werden soll. Darin geht es unter anderem um Verpflichtungen der Kirchen zu Themen wie Migration und sozialer Gerechtigkeit.
Doch noch Hoffnung für die ÖkumeneZumindest in einem Punkt sind sich die grossen Kirchen einig: der Sonntag ist schützenswert. Als Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung haben Sonn- und Feiertag Einzug ins deutsche Grundgesetz gefunden. Der Rhythmus, alle sieben Tage frei zu haben, ist nach christlichem Verständnis gute Schöpfungsordnung.
Papst Benedikt XVI. hat eindringlich zum Schutz des Sonntags und zum sonntäglichen Gottesdienstbesuch aufgerufen. "Ohne den Herrn und ohne den Tag, der ihm gehört, gerät das Leben nicht", mahnte er am 9. September bei einer Messfeier im Wiener Stephansdom.
Der Sonntag habe sich in der westlichen Gesellschaft zum Wochenende, zur freien Zeit gewandelt. Diese freie Zeit sei gerade in der Hetze der modernen Welt etwas Schönes und Notwendiges. "Aber wenn die freie Zeit nicht eine innere Mitte hat, von der Orientierung fürs Ganze ausgeht, dann wird sie schließlich zur leeren Zeit, die uns nicht stärkt und aufhilft", warnte Benedikt XVI.

Mit Plakaten, Werbung und im Internet hat die evangelische Kirche zeitgleich eine Kampagne zum Schutz des Sonntags gestartet. "Gott sei Dank, es ist Sonntag", lautet der Slogan der Aktion, die die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) heute in Hannover vorstellten. Das erste Plakat wurde vom EKD-Ratsvorsitzenden, Bischof Wolfgang Huber, dem Vorsitzenden der ACK, Landesbischof Friedrich Weber, Methodisten-Bischöfin Rosemarie Wenner und dem orthodoxen Erzpriester Milan Pejic enthüllt.
"Der Sonntag ist ein unentbehrliches Element unserer Sozialkultur", sagte Huber. Mit deren Institutionen müsse sorgsam umgegangen werden. Der Berliner Bischof rügte, dass einige Bundesländer nach der Föderalismusreform die Ladenöffnung an Sonntagen erheblich ausgeweitet und den Advent einbezogen hatten. Mit diesem Vorgehen werde der Schutz des Sonntags in sein Gegenteil verkehrt, so der EKD-Ratsvorsitzende.
"Der Sonntag ist ein Symbol für die Würde und die Freiheit, die dem Menschen von Gott her zukommen. Durch sie ist das Bild des Menschen in unserer Gesellschaft grundsätzlich geprägt; dabei soll es auch bleiben. Deshalb wollen wir den Sonntag als Tag des Gottesdienstes, der Muße und der Besinnung erhalten. Wir laden alle ein, den Sonntag mit dem Motto unserer Kampagne zu begrüßen: ,Gott sei Dank, es ist Sonntag!'" - so der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber zur Sonntags-Initiative.