Immer brutalere Gewalt in den Medien hat der Mainzer Kardinal Karl Lehmann kritisiert. Killerspiele und sadistische Folterszenen in Kinofilmen wie "Hostel", sogenannte "Folterpornografie" (torture porn), würden in Deutschland bislang nur unter Experten diskutiert, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz gestern bei der Verleihung des Katholischen Medienpreises in Bonn. In den USA habe diese Entwicklung inzwischen die Frage nach staatlichem Eingreifen aufgeworfen.
Kardinal Lehmann rief dazu auf, die aktuelle Debatte über mögliche schädliche Wirkungen von Gewaltdarstellungen in den Medien in eine breite Öffentlichkeit zu tragen. Killerspiele, im Internet veröffentlichte Videos von Terrorakten und Hinrichtungen, Handyvideos von Schlägereien oder zum Zweck von Mobbing stellten ebenso wie sadistische Folterszenen in Film und Fernsehen höchst problematische Dimensionen der Mediennutzung dar.

Solche Phänomene von Gewalt zu überwinden sei ein "Anliegen von gesamtgesellschaftlichem Interesse", dem sich auch die Medien stellen müssten. Anders als im Umweltbereich oder bei Lebensmitteln habe "die Gesellschaft noch zu wenig Sensibilität für die möglichen ,Schadstoffe‘ in den Medien entwickelt", so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.
Die Gewaltdarstellungen beträfen nicht nur Kinder und Jugendliche - sie seien ein gesamtgesellschaftliches Problem, mahnte Lehmann. Im Computer erzeugte Bilder seien realitätsnäher und per Mausklick leichter verfügbar als etwa in den 50er Jahren.
Dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz bereitet nach eigenem Bekunden auch Sorge, dass Mediennutzer zunehmend selbst gewalttätige Inhalte produzierten. So zeichneten Kinder und Jugendliche Schlägereien mit dem Handy auf, verbreiteten diese per Mobiltelefon oder Internet im Freundeskreis und betrieben mit medialer Unterstützung Mobbing. Auch Terroristen zeigten auf Internetplattformen Videos ihrer Terrorakte und Hinrichtungen.
Die Gesellschaft habe noch zu wenig Sensibilität für die möglichen "Schadstoffe" in den Medien entwickelt, betonte der Kardinal. Im Umweltfragen und bei Schadstoffen in Nahrungsmitteln reagiere sie weitaus feinfühliger. Lehmann forderte, die Diskussion über mögliche Gefährdungen in den Medien aus den Expertenkreisen in die Öffentlichkeit zu tragen.
Kardinal Lehmann kritisierte, dass die Ergebnisse aus den Prüfverfahren der freiwilligen Selbstkontrolle häufig unter Verschluss blieben. Bei der gegenwärtigen Evaluation der Jugendmedienschutzgesetze sei zu prüfen, auf welche Weise auch Eltern und Jugendlichen diese Informationen zugänglich gemacht werden könnten.
"Wir leisten uns ein aufwändiges System der freiwilligen Selbstkontrolle, aber die Einschätzungen der möglichen Gefahren, die dort täglich in den Prüfverfahren ermittelt werden, bleiben unter Verschluss", so Lehmann. Ebenso lägen die Gutachten bei den Obersten Landesjugendbehörden vor. Eltern aber hätten bislang keine Möglichkeit, sich darüber zu informieren.
In der Medienerziehung sollte es nicht um Verbote, sondern um Freiheit in Verantwortung gehen, damit aus medien- und lebenskompetenten Kindern und Jugendlichen Mediennutzer werden, die "Beiträge von Qualität zu schätzen wissen". Auch dazu wolle die Katholische Kirche unter anderem mit ihrem Medienpreis beitragen.

Der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), warnte vor den Folgen der Gewaltdarstellungen. "Lassen wir unsere Kinder nur Gewalttaten anschauen, setzen wir sie der Gefahr aus, selbst verletztend und gewalttätig zu handeln", sagte der Rottenburger Bischof.
Er hob hervor, dass "Sinn- und Glaubensfragen heute nicht mehr nur im Kirchenraum oder im privaten Bereich diskutiert werden, sondern auf der öffentlichen Agenda stehen". Deshalb müsse die Kirche ihre eigene Medienarbeit immer wieder kritisch überprüfen, wie sie es derzeit im Blick auf die Herausforderungen der Digitalisierung tue.
Die wachsende Zahl der Medien eröffne Anbietern und Konsumenten nahezu grenzenlose Freiheiten, die mitunter auch zerstörerisch seien. Andererseits müsse auch die katholische Kirche überdenken, wie weit sie in den neuen Medien präsenter sein müsse. Fürst sprach in diesem Zusammenhang von einem wachsenden Interesse vieler unterschiedlicher Medien an sinn- und werteorientierten Fragestellungen.
Der Katholische Medienpreis bilde einen wichtigen Baustein der kirchlichen Medienarbeit. Mit ihm sollen Journalisten ausgezeichnet und ermutigt werden, "die Zusammenhänge erkennen und nicht nur Schlagzeilen produzieren, die den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Berichterstattung rücken und nicht sich selbst", so Bischof Fürst in Bonn.
Der Katholische Medienpreis

Der Katholische Medienpreis, der seit 2003 jährlich vergeben wird, steht in Nachfolge des seit 1974 verliehenen "Katholischen Journalistenpreises". Verleihen wird die Auszeichnung von der Deutschen Bischofskonferenz in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands e.V. und dem Katholischen Medienverband.
Der Preis soll dazu beitragen, Journalistinnen und Journalisten zu qualitäts- und werteorientiertem Journalismus zu motivieren. Geehrt werden laut Ausschreibung "Beiträge, die die Orientierung an christlichen Werten sowie das Verständnis für Menschen und gesellschaftliche Zusammenhänge fördern, das humanitäre und soziale Verantwortungsbewusstsein stärken und zum Zusammenleben unterschiedlicher Gemeinschaften, Religionen, Kulturen und Einzelpersonen beitragen."
Anlässlich des Welttags der sozialen Kommunikationsmittel 2004 stiftet die Deutsche Bischofskonferenz den "Katholischen Medienpreis". Er steht in Nachfolge des seit 1974 verliehenen "Katholischen Journalistenpreises".
Der Preis soll dazu beitragen, Journalistinnen und Journalisten zu qualitäts- und werteorientiertem Journalismus zu motivieren. Ausgezeichnet werden Beiträge, die die Orientierung an christlichen Werten sowie das Verständnis für Menschen und gesellschaftliche Zusammenhänge fördern, das humanitäre und soziale Verantwortungsbewusstsein stärken und zum Zusam-menleben unterschiedlicher Gemeinschaften, Religionen, Kulturen und Einzelpersonen beitragen.

Es besteht ein besonderes Interesse der Förderung von Beiträgen junger Autorinnen und Autoren. Der Preis ist nicht teilbar und wird mit jeweils € 5000.- in den Kategorien Elektronik und Print verliehen.
Der diesjährige Festakt mit rund 200 Gästen aus Kirche, Politik und Medien wurde von Michaela Pilters, ZDF, moderiert. Die Laudatio auf Angela Graas in der Kategorie elektronische Medien hielt die ZDF-Moderatorin Gundula Gause. Laudator auf den Beitrag von Bastian Obermayer in der Kategorie Print war Professor Dr. Johannes Reiter, Moraltheologe der Universität Mainz.
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