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Thüringen: Letzter Versuch wurde Beginn lebendiger Jugendkirche PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, 6. September 2007
Die Band des JugendprojektsWo vor drei Jahren kaum noch jemand in den Gottesdienst kam, tummeln sich heute an die 100 vorwiegend junge Menschen in der Kirche. Die erstaunliche Geschichte eines Jugendkirchenprojekts im Nordosten Sachsens. Schwarzbrot gibt es freitags. Sonntag steht Kaffee bereit und Kuchen, den ein befreundeter Bäcker sponsert. Ein bisschen ist das schon die Strategie einer engagierten kirchlichen Jugendarbeit nördlich von Dresden. Eine, die an der Bundesstraße 97 auf halbem Weg nach Hoyerswerda freitags Jungschar »mit richtig Tiefgang« (Schwarzbrot) macht und 14-tägig am Sonntagnachmittag zum evangelistischen Prisma-Gottesdienst für alle einlädt, Kaffee und Kuchen inklusive.

 
Sonntag gegen 16 Uhr wandelt sich die Ruhe rund ums weiße Kirchlein von Großgrabe (Landkreis Kamenz) in Geschäftigkeit. Junge Leute zwischen 14 und 35 Jahren kommen, machen sich nützlich. Aus dem Gotteshaus dringt laute Musik, die Band probt für den Soundcheck. Ein junges Mädchen im Sommerkleid wischt Kirchenbänke ab, jemand füllt Bonbons ins Kollektekörbchen, Jugendliche schleppen Kaffeekannen vom Pfarrhaus zur Kirche.  

JuKi-Teamer Matthias Dobutowitsch tritt als Prediger aufGegen fünf werden sich die Bänke füllen, mit Kindern, Teenys, Jugendlichen und älteren Gemeindemitgliedern. Viele kommen aus dem Ort, aus der Umgebung, aus Oßling, mit dem sich Großgrabe den Pfarrer teilt. »Manche aber auch aus Dresden, Leipzig oder sonst woher«, Studenten, Azubis, die weggegangen sind, doch den Kontakt nicht abreißen lassen zur Kirche in der Heimat, erzählt Dana  Wünsche.
                                                                                            
Die 28-Jährige aus Straßgräbchen mit den dunklen Haaren gehört zum fünfköpfigen Leitungsteam von »Imagine«, der christlichen Jugendarbeit von Großgrabe-Oßling, die wie ein Wunder wirkt und von Dana Wünsche »ein großer Segen« genannt wird. Denn bis 2003 gab es hier kaum noch junge Kirche. »Es war ziemlich leer«, erinnert sich Dana Wünsche.

Bis zu jener Jugendwoche, genannt »Imagine« – »Stell dir vor, was ist, wenn Gott wirklich wahr ist, wenn Gemeinde interessant ist und nicht kalt, grau, leer«. Das fragten junge Christen damals eine Woche lang in ihren Ort, ihre Gemeinde, ihre Heimat hinein. Ein letzter Versuch, doch wieder junge Gemeinde zu schaffen, die einst sehr groß war hier. »Die Resonanz war so riesig, dass wir gesagt haben, wir müssen weitermachen.«

Vor dem Altar steht Susann Kunze. Mit ihren Flipflops, aufgekrempelten Jeans und dem Spaghetti-Top ist die 15-Jährige Teil des Segens, von dem Dana Wünsche spricht. Mit dem Fahrrad ist sie aus dem nahen Bernsdorf hergeradelt, hat heute ihren ersten Auftritt mit der Theatergruppe von »Imagine«. Ein Headset-Mikrofon um den Kopf, übt sie ein kurzes Stück zum Thema »Angst«. »Wir schreiben die Anspiele selbst, setzen uns zusammen, dann kommen die Ideen.« Susann macht Kirche Spaß. »Hier geht richtig was los«, sagt sie und läuft über den grauen Teppich im Altarraum.

Umbauen und einbauen durften die jungen Christen Lichtanlage, Lautsprecher, Teppich. Weil die Kirche in den 1970er-Jahren mal zersaniert worden war, wurden die Arbeiten von der kirchlichen Denkmalpflege genehmigt. »Am Anfang war dies schon schwierig für uns«, erzählt eine ältere Großgraberin. »Aber jetzt ist es gut und wir kommen gern.«

Weil sich Großgrabe und Oßling den Pfarrer teilen, ist der Sonntagsgottesdienst in Großgrabe 14-tägig erst um fünf. »Mit ganz wenig Besuch damals«, sagt Dana Wünsche. »Wir haben gefragt, ob wir nicht hier, zu dieser Zeit, Jugendgottesdienst machen können. Kirchenvorstand und Pfarrer haben uns vertraut und ja gesagt.«

Auch »Input«, die intensivere Jugendarbeit am Freitag mit viel Lobpreis, findet hier statt. »Und weil Einzelne leicht verloren gehen, haben wir Kleingruppen eingerichtet. In denen geht es darum, wie Gehörtes praktisch werden kann«, betont Wünsche.

Teams prägen die Arbeit: Zwei Bands, Moderationsgruppe, Multi-Media-Team, Deko- oder Küchentruppe – möglichst jeder soll Mitarbeiter sein, seine Gaben einbringen. Für Bandmitglied Simon Christoph (22) aus Oßling ist die Gemeinde zur Familie geworden: »mit allen Streitigkeiten und mit aller Liebe«.  
                             prisma__ein_gottesdienst.jpg
»Wir sind Fangemeinde« steht auf einem Banner im Kirchgarten – eigentlich gemünzt auf die Fußball-WM. Die Gemeinde hatte ihre Umgebung vier Wochen lang zum gemeinsamen Gucken eingeladen, »um uns zu begegnen«. Aber hört man Sven Grötschel (32) vom Leitungsteam zu, steht »Fangemeinde« für die gesamte Arbeit. »Begeisterung« ist ihm wichtig. Und sich sagen: »Wir machen das für Gott.« Darum gelte nicht die Devise, weil andere die Hände in den Schoß legen, tu ich das auch. »Wir haben eine Hoffnung, einen Retter. Das wollen wir anderen weitergeben.«

Die Botschaft kommt an in Großgrabe, etwa hundert Leute sitzen mittlerweile im Sonntagsgottesdienst, 60 bis 80 sind freitags dabei. Freizeitangebote wie während der Fußball-WM nehmen bis zu 150 Leute mit. Eine Vision hat Sven Grötschel auch: »Sonntags zweimal die Kirche füllen.«

Termin und Kontakt
Nächster Prisma-Gottesdienst ist am 10. September, 17 Uhr, in der Dorfkirche von Großgrabe direkt an der B97. Kontaktaufnahme über Telefon (035792)595090 oder per E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können

Weitere Informationen unter :

http://www.jukis.org/ Eine erstaunliche Jugendkirche nördlich von Dresden

http://www.imagine03.de/ueberuns

 

 

 
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