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Jugendkirche und Alkohol: HICKS Two PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von pierre roh   
Mittwoch, 15. August 2007

 
Repräsentative Umfragen haben ergeben, dass Jugendliche, die sich in Jugendkirchen engagieren, weit weniger zu unkontrolliertem Alkoholkonsum neigen, als im Schnitt üblich. Jedes Jahr trinken ca. 750 000 Menschen in der Bundesrepublik das erste Mal Alkohol. Für ca. 10% kann dies der Beginn einer zweifelhaften Karriere als Alkoholiker sein.

"Das Gehirn Jugendlicher ist aus zwei Gründen für Alkohol anfälliger", erläutert der Mannheimer Psychologe Dr, Manfred Laucht: "Zum einen verändert sich das Gehirn in dieser Entwicklungsphase (Pubertät) stärker und ist damit auch anfälliger für jegliche Art belastender Erfahrungen. Zum anderen lernen Jugendliche schneller und leichter - und damit lernen sie auch bestimmte Trinkmuster und -vorlieben schneller, die dann dauerhafter abgespeichert werden."

Koma-Saufen, Kampftrinken und Flatrate-Partys - urplötzlich die öffentliche Debatte: Konsumieren Jugendliche Alkohol heute bis der Arzt kommt? Oder kippen allzu besorgte Mahner nur neuen Wein in alte Schläuche? Ständig gibt es immer neue Berichte über Jugendliche im Vollrausch, hemmungslose Alkohol-Orgien und sogenanntes "Koma-Saufen" (engl.: binge-drinking). Einmal zahlen, die ganze Nacht saufen - so geht das Prinzip von so genannten Flatrate-Partys. In Berlin starb jetzt ein 16-Jähriger an den Folgen eines Alkoholexzesses. Mehr als 50 Tequila soll er an einem Abend getrunken haben.

Die Zahl der Jugendlichen, die Alkohol konsumieren, hat in den letzten Jahren erfreulicherweise kontinuierlich abgenommen und scheint derzeit zu stagnieren. Die Zahl derjenigen aber, deren Alkoholkonsum zu Alkoholvergiftungen führt, hat nach Einschätzung von Ärzten und Krankenkassen massiv zugenommen.
 
Suchtexperte Wolfgang Rometsch vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL): "Das "All inclusive"-Trinken zu Pauschalpreisen, früher hiess das schlicht Freitrinken, ist kein neues Phänomen. Das gab es schon immer in fast jedem Schützenfestzelt. Besonders auffällig ist aber, dass eine kleine Gruppe Jugendlicher derart exzessiv trinkt, dass sie einer stationären Krankenhaus- Behandlung bedürfen. Ihr Anteil ist leider immens angestiegen."

Eine Minderheit junger Menschen hat das so genannte Koma-Saufen zum Sport werden lassen, die Zahl der Alkoholvergiftungen steigt. Die Europäische Kommission hat längst reagiert. Dort fordert der Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz, Markos Kyprianou,völlig zu Recht ein striktes Alkoholverbot für Jugendliche unter 18 Jahren. Wird aber, wie die Gegner eines Verbotes meinen, Alkohol für junge Menschen dadurch noch attraktiver? Das mag durchaus sein. Doch Exzesse, die noch dadurch gefördert werden, dass in manchen Diskotheken für einen Pauschalbetrag soviel Alkohol angeboten wird, wie man will, gehen zu weit.
Suchtwoche: 14. - 18. Juni 2007

Das Kampftrinken findet allerdings nicht vorwiegend in Discos, Kneipen oder Bars, sondern in Parks oder anderenTreffpunkten statt. Einzelne Städte sind dazu übergegangen, ein striktes Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen durchzusetzen. Jetzt will die Landespolitik reagieren und unterstützt Pläne der EU-Kommission, die Abgabe von Alkohol an Jugendliche generell zu verbieten.

Dagegen stimmen Verbraucherminister Horst Seehofer ("Olympiade der Verbote") und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing ("nicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt"). Und während christliche Medien noch mit sich ringen, das Thema AIDS langsam auf die Tagesordnung zu heben (die AIDS-Aufklärungsanzeigen der Bundesregierung mit den bunten Kondomen werden regelmässig von christlichen Medien aus ethischen Gründen abgelehnt), bleibt das Thema 'Alkoholmissbrauch bei frommen Jugendlichen' völlig aussen vor.
 
Kann bei bestimmten Veranstaltungen Alkohol im Jugendkirchen-Café oder gar im Kirchraum angeboten werden? Viele Jugendkirchen stehen vor dieser Frage. Generell scheint es (auch mit Rücksicht auf das Zielpublikum ab 14 Jahren) in keiner mir bekannten Jugendkirche harte Alkoholika oder Alcopops zu geben. In der evangelischen Juki Hannover z.B. gibt es gelegentlich nach Veranstaltungen für Ältere auch Bier im Juki-Café, das im Kirchraum integriert ist.

In der jetzt umgebauten Sankt-Peter-Jugendkulturkirche in Frankfurt/M gab es bereits früher wochenlang Obdachlosenspeisung und den ein oder anderen Empfang, auch mit Sekt. Die katholische Juki Tabgha/Oberhausen dagegen vermeidet, wie viele andere katholische Jukis auch,  jeglichen Verzehr im Kirchraum, dafür ist im Foyer von Tabgha ein Café im Entstehen. Unberührt davon gibt es in allen Jukis Abendmahlfeiern mit Wein.

Wir Christen haben es nämlich mal ganz einfach, denn wir haben das Problem ja gar nicht. Unsere Jugendlichen sind behütet, sie trinken in Maßen statt in Massen und auch erst, wenn das Gesetz es erlaubt. Aber immer! "Wir können nur die Probleme lösen, die wir kennen und besprechen. Das heisst auch, dass wir Tabus durchbrechen müssen", fordert Raphael Gassmann. Die Jugendkirche schafft einen akzeptablen Rahmen, um sich derartigen Problemen zu stellen.

Die Entwicklung eines Suchtproblems ist Lebensalter und Lebenslagen bedingt - sie ist nicht zwangsläufig lebenslang. Deutsche Forscher fanden heraus, dass Mäuse mit gestörtem natürlichen Stress-System bei Belastung mehr Alkohol trinken als normale Mäuse. Dies deutet auf einen genetischen Zusammenhang hin, der auch bei bestimmten Formen von Alkoholismus von Menschen Bedeutung haben könnte, berichtet Rainer Spanagel vom Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie, und gerade die Pubertät ist eine komplizierte Entwicklungsphase. Die Jugendlichen wollen sich vom Elternhaus lösen, haben aber in der sogenannten Erwachsenenwelt noch das eine oder andere Problem, um  sich gleichberechtigt behaupten zu können. Die körperliche Entwicklung, der erste Liebeskummer, schulischer Leistungsdruck erschweren diese Periode des Menschseins enorm.

Drogenbeauftragte der Bundesregierung: Sabine BätzingAlkohol kommt in dieser Phase wie gerufen. Er schmeckt den jungen Erwachsenen zwar erst mal nur bedingt, wirkt aber enthemmend, entspannend und hilft  sich über Verbote hinwegzusetzen. Der Alkohol lässt das mangelnde Selbstvertrauen vergessen und auch die Zukunftsängste werden lässig überspielt. In vielen Cliquen gilt Alkoholkonsum als Zeichen von Stärke, dadurch entsteht der Gruppenzwang mitzutrinken.
 
"Über 10 Millionen Menschen in Deutschland betreiben einen riskanten Alkoholkonsum, 1,7 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig. Diese Zahlen machen deutlich, dass in Deutschland noch zu viel und zu regelmäßig Alkohol getrunken wird. Wir brauchen mehr Aufmerksamkeit gegenüber problematischem Trinkverhalten und vor allem ein von Verantwortung geprägtes Leitbild für den Umgang mit Alkohol. Das muss insbesondere Kindern und Jugendlichen vorgelebt werden", so Sabine Bätzing.
 
Bei Jugendkirchen stellt sich zudem noch die Frage nach der Bedeutung des sakralen Raums, was nach Glaubensverständnis darin noch tolerierbar ist und andererseits die, die sich auch viele Jugendzentren stellen: Wie generell mit Alkohol umgehen?

Verbietet man jeglichen Konsum, wird vor den Räumen im Umfeld der Veranstaltungen unkontrolliert Alkohol getrunken, Schwarzhandel blüht aus dem Kofferaum heraus und die Einwirkungsmöglichkeiten der BetreuerInnen sinken. Schon die amerikanische Prohibition scheiterte kläglich. Jugendliche sagen auf Nachfrage: Ob verboten oder nicht, sie holen sich "ihren Kick", wenn sie wollen.

Ob sie sich danach aber zuschütten oder auf Alkfreie Getränke umsteigen, hängt im Wesentlichen vom attraktiven Angebot ab. Wer als einzige Alternative zu Alkohol einen "Kinderpunsch" anbietet, der noch teurer ist wie ein alkoholisches Getränk gleicher Menge, wird es schwer haben, Jugendliche freiwillig zu mäßigem Konsum anzuhalten.
 
Gibt es dagegen attraktive, günstige, lecker Frucht-Coctails mit entsprechenden Namen (z.B. "Swimmingpool", "Brainstorm" oder "Erleuchter") als freiwillige Alternative zu Alkohol, kann meist erfolgreich zum Verzicht anregen und Fälle von Missbrauch werden dadurch schneller sichtbar und bieten daher rechtzeitig Möglichkeiten, um darauf Eingehen zu können. 

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat Verantwortliche aufgerufen, mit Jugendlichen über die gesundheitlichen Gefahren exzessiven Alkoholkonsums zu diskutieren. Es sei wichtig, das Thema immer wieder altersgerecht aufzugreifen, erklärte Direktorin Elisabeth Pott am Dienstag in Köln. Die Bundeszentrale hat einen Ratgeber mit dem Titel "Alkohol - reden wir drüber!" herausgegeben.

Neben der konsequenten Umsetzung bestehender Gesetze sei Aufklärung ein wichtiger Ansatz zum verantwortungsvollen Umgang junger Menschen mit Alkohol, betonte Pott. Die 24-seitige Broschüre biete den Angaben zufolge Informationen über Alkoholkonsum und seine Auswirkungen auf den jugendlichen Körper. Sie gibt zusätzlich Tipps, wie man mit ihren Jugendlichen auch in problematischen Situationen im Gespräch bleiben könne.
 


Mehr hierzu unter www.'HICKS' oder bestellen Sie die Broschüre "Alkohol - reden wir drüber!" kann kostenlos bestellt werden bei der

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
51101 Köln
Fax: 0221-8992257
E-mail: \n Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können (03937/3.4.2007)
 
Ich finde Alkohol zum Kotzen
 
Erklärung der Weltgesundheitsorganisation WHO über Jugend und Alkohol:

Die von den Mitgliedstaaten 1995 verabschiedete Europäische Charta Alkohol beschreibt die Leitprinzipien und Zielvorgaben zur Förderung und zum Schutz der Gesundheit und des Wohlergehens aller Bürger in der Region. Die vorliegende Erklärung zielt darauf ab, Kinder und junge Menschen davor zu schützen, einem Druck zum Alkoholkonsum ausgesetzt zu werden, sowie auf eine Minderung des ihnen direkt oder indirekt durch Alkohol zugefügten Schadens.
 
 Die Erklärung bekräftigt die fünf Prinzipien der Europäischen Charta Alkohol:
 
  1.    
  2. * Alle Bürger haben das Recht auf ein vor Unfällen, Gewalttätigkeit und anderen negativen Folgen des Alkoholkonsums geschütztes Familien-, Gesellschafts- und Arbeitsleben.
  3.     * Alle Bürger haben das Recht auf korrekte, unparteiische Information und Aufklärung – von früher Jugend an – über die Folgen des Alkoholkonsums für die Gesundheit, die Familie und die Gesellschaft.
  4.     * Alle Kinder und Jugendlichen haben das Recht, in einer Umwelt aufzuwachsen, in der sie vor den negativen Folgen des Alkoholkonsums und so weit wie möglich vor Alkoholwerbung geschützt werden.
  5.     * Alle alkoholgefährdeten oder alkoholgeschädigten Bürger und ihre Familienangehörigen haben das Recht auf Zugang zu Therapie und Betreuung.
  6.     * Alle Bürger, die keinen Alkohol trinken möchten oder die aus gesundheitlichen oder anderen Gründen keinen Alkohol trinken dürfen, haben das Recht, keinem Druck zum Alkoholkonsum ausgesetzt zu werden und in ihrem abstinenten Verhalten bestärkt zu werden.
 
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