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Vorläufiges Konzept der entstehenden Jugendkirche Saar PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Evangelisches Jugendwerk an der Saar   
Dienstag, 7. August 2007

Das Evangelische Jugendwerk an der Saar

„vorangestellt“
 
 

Nach den Shell-Studien von 2000 und 2006 hat die verfasste Religiosität in den letzten  Jahren stark abgenommen. Gleichzeitig wird eine Zunahme an vagabundierender oder Patch-work-Religiosität bei Jugendlichen verzeichnet. Junge Menschen lehnen also den „Glauben“ nicht ab. Es lässt sich sogar in den letzten Jahren ein regelrechter Boom an Jugendgottesdiensten verzeichnen, wo sie regelmäßig praktiziert werden. Dies zeigt u.a.  die Statistik in Württemberg. Dieser Boom geht in Württemberg einher mit erhöhter Zahl von kirchlichen Bands.([1]) Offenbar lehnen Jugendliche nicht grundsätzlich Gottesdienste ab, sondern nur die Gestalt von Gottesdiensten, wie sie  in den meisten Gemeinden der Normalfall ist.([2])

Der „Traditionsabbruch“ Jugendlicher hat laut Impulspapier der EKD viele Gründe. Hierzu gehören der häufige Ausfall schulischer oder familiärer Sozialisationsinstanzen in religiösen Fragen und Riten, die geringe Kenntnis biblischer Geschichten, kirchlicher Lieder und christlicher Lebensinhalte, die Fremdheit gegenüber dem Kirchenraum und dem Kirchenjahr.([3])
Erschwerend kommt hinzu, dass kirchliche Jugendangebote nicht mehr flächendeckend vorzuhalten sind, durch kontinuierliche Kürzungen fand ein erheblicher Personal- und Ressourcen-Abbau statt. Nun wird einerseits, nach dem Impuls-Papier des Rates der EKD, punktuelle Arbeit mit Ausstrahlung und andererseits, gemäß aktueller Reichweitenstudie der aej, eine verstärkte Zielgruppen-Orientierung empfohlen.
Jugendkirche ist genau das: Zielgruppen-ausgerichtetes Leuchtfeuer-Projekt.

Im Geleitwort zum Buch „Innovation Jugendkirche“ schreibt Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und EKD-Ratsmitglied: „…Für die Arbeit mit Jugendlichen heißt das: Es sollen Gemeinde- und Ortsgrenzen überschreitende ’geistliche Zentren’ entstehen. Diese sollen sich an den Lebenswelten und den Lebensstilen Jugendlicher orientieren. Jugendliche sollen selbst gestalten und sich so den Raum aneignen als einen Ort zur Selbstentfaltung, zur Entdeckung eigener Wege des Glaubens und zu altersbezogener Gotteserfahrung. Sie selbst entwickeln, unterstützt von einem festen Stab von Mitarbeitenden, ein altersspezifisches interessantes Programm von Jugendgottesdiensten. Konzerte werden gemeinsam vor- und nachbereitet, es gibt Andachten und Gebete zu ungewöhnlichen Zeiten, Konzerte, Ausstellungen, Räume der Stille bis hin zu Beratung in Glaubens- und Lebensfragen.“(4)

Bewusst ist der vorliegende Text nicht wissenschaftlich verfasst, um auch für Jugendliche leicht verständlich zu sein.

Die Kreissynode des Kirchenkreises Saarbrücken hat in ihrer Tagung am 23. Juni 2007 beschlossen: Sie bittet das EJW Saar um Konzeptionierung und Implementierung einer Jugendkirche (sowie um Mitwirkung in dem Ausschuss ‚Kirchliche Arbeit in der Stadt’).

Entsprechend legt das Evangelische Jugendwerk an der Saar das folgende Konzept vor.



 

[1] Vgl. R. Ulmer, Jugendgottesdienste und Jugendkirche, S.13; Es gibt eine Steigerung der Bandanzahl von 1998 bis 2003 um das Dreifache!

[2] R. Ulmer, ebenso, S. 12

[3] Vgl. Impulspapier der EKD, S. 23

4 Lutherisches Verlagshaus GmbH 2006, S.12

 

Konzept:

 

Die Jugendkirche Saar soll ein lebendiger Ort sein, an dem Jugendliche ihre Spiritualität entdecken und leben können. Die Freude am Glauben ist erfahrbar, in einer Sprache, die Jugendliche verstehen. Sie bietet Raum zum Experimentieren und sich Glauben anzueignen. Jugendliche Lebenswelten, ihre Ästhetik und ihre Themen setzen sich in Beziehung zur Kirche.
Die Jugendkirche Saar ist in erster Linie niedrigschwelliges Angebot für Kirchenferne, aber auch inspirierender Ort für kirchennahe Jugendliche, mit  breit gefächertem Programm. Es gibt Jugendgottesdienste, die sind fast wie ein Konzert und Konzerte, die die spirituelle Kraft eines Gottesdienstes haben. Es ist möglich, einfach in das Café zu kommen, bei guter Musik Leute zu treffen und über Gott und die Welt zu reden, während nebenan die Proben für ein christliches Musical laufen, ein Kunstobjekt entsteht, ein Team  den nächsten Jugendgottesdienst plant und sich Jugendliche als SeelsorgehelferInnen ausbilden lassen.


Wer ist verantwortlich?
Träger ist das Evangelische Jugendwerk an der Saar, darüber sind eingebunden die Kirchenkreise, JugendpfarrerIn und die Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend an der Saar (aej).
Die Jugendkirche wird als unselbstständige Einrichtung geführt.


Für wen ist sie?
Hauptzielgruppe sind Jugendliche im Alter von 14 -18 Jahren.
Die Jugendkirche arbeitet dem Wunsch der InteressentInnen entsprechend ausdrücklich
ökumenisch offen und richtet sich an alle Jugendlichen.


Wie arbeitet sie?
Jugendliche werden von Anfang an beteiligt, um eine große Zielgruppen-Nähe zu erreichen. Die Strukturen werden so gestaltet, dass Jugendlichen die Mitarbeit leicht fällt.
Die hauptamtlichen MitarbeiterInnen moderieren, beraten und stellen sicher, dass Jugendliche IHRE Kirche realisieren können.
Eine intensive Vernetzung mit den Kirchengemeinden, der Gemeindejugend, den Schulen, anderen Jugend- und Kultureinrichtungen, den Kulturschaffenden und anderen Jugendkirchen ermöglicht vielfältige Kooperationen.
Die Jugendkirche wird ggf. gemeinsam mit der bisherigen Ortsgemeinde in gegenseitiger Abstimmung genutzt. Gestaltungselemente und technische Einrichtungen der Jugendkirche werden dauerhafter Teil der Kirchenausstattung.


Wann beginnt sie?
Der Projektstart ist im Dezember 2007.
Der Projektaufbau wird bereits als Jugendkirchenarbeit verstanden und entsprechend gestaltet.


Wo entsteht sie?
Gesucht wird eine Kirche, die möglichst viele notwendige und wünschenswerte Kriterien erfüllt. In der Projektierungsphase wird ein Kriterienkatalog erarbeitet. Kirchengemeinden können sich bewerben, Jugendliche können Kirchen vorschlagen. Nach einer Eignungsprüfung entsprechend der Kriterien wird der geeignetste Ort Jugendkirche.
Die Aktivitäten der Jugendkirche sollen von der Basis-Kirche aus auch in der gesamten Region stattfinden.


Was findet statt?
Es gibt fünf Angebotssäulen:
1.
Regelmäßige Jugendgottesdienste
Ein besonderer Schwerpunkt sind Jugendgottesdienste. Sie werden regelmäßig in vier verschiedenen Formaten angeboten. Einmal für kirchenferne, einmal für kirchennahe Jugendliche, in jeweils zwei Ausprägungen (lebhaft wie ein Event und besinnlich-meditativ).
Jugendgottesdienste finden zu Zeiten statt, die dem Lebensrhythmus Jugendlicher entsprechen. In einer Sprache, die sie verstehen, mit Ausdrucksformen und Elementen aus ihren Lebenswelten, mit ihrer Musik. Die Gottesdienste werden unter Einsatz von Multimedia- und Veranstaltungstechnik (die für Kulturveranstaltungen ebenso vorgehalten werden muss) professionell umgesetzt.
Schulgottesdienste werden in Kooperation mit den Schulen durchgeführt.
2.
Jugendseelsorge
Eine  Ausbildung von Jugendlichen als SeelsorgehelferInnen gemäß dem Konzept der Peer-Group-Education ist wichtiger Bestandteil dieses Arbeitsbereichs. Dadurch soll ermöglicht werden, dass während der Betriebszeiten der Jugendkirche immer kompetente Ansprechpersonen vor Ort sind. Auch über die eigene Internet-Homepage können sich Jugendliche mit ihren Fragen und Problemen an die  SeelsorgehelferInnen wenden.
3.
Jugendkulturelle Veranstaltungen
Die Jugendkirche bietet kontinuierlich attraktive, nichtkommerzielle kulturelle Veranstaltungen an, die regelmäßig unterschiedliche Jugendszenen ansprechen. Hierbei sollen örtliche VeranstalterInnen und Gruppen aus der jeweiligen Szene  einbezogen werden. Durch das Einlassen auf den Veranstaltungsort Kirche werden passende spirituelle Ansätze gefunden, die dann in attraktive Gottesdienstformen einfließen.
Besondere kulturelle Veranstaltungen sollen den Blickwinkel der Jugendlichen erweitern und sie zur aktiven Mitgestaltung anregen.
4.
Seminare und Workshops
orientieren sich an den Interessenfeldern der Jugendlichen. Sie vermitteln zusätzliche Kenntnisse und Fähigkeiten und wirken persönlichkeitsbildend. Ehrenamtliche MitarbeiterInnen erhalten Ausbildung, Fortbildung und Begleitung.
5.
Bistrocafé
Das Café ist als niedrigschwelliges Angebot regelmäßig an mehreren Wochentagen von Mittags bis Abends geöffnet und zusätzlich begleitend zu Veranstaltungen. Es wird die Möglichkeit für Internetcafé und für kleinere Kulturangebote wie z.B. Lesungen geben.

 

Dieses Konzept ist Ausgangsbasis, orientiert sich an der Praxis und wird durch Evaluation (Auswertung) und in der Zusammenarbeit mit allen Beteiligten ständig weiterentwickelt.

Saarbrücken, den 2.8.2007  (aktualisierte Fassung vom 26.10.2007)
Verfasst von Reinhard Loos, Rainer Trappmann, Waltraut Jäger, Peter Spengler, Willi Schönauer.


 

Ausführungsvorschläge

Gremien:
Während der Projektierungsphase werden Trendscout-Teams gebildet, die die Wünsche der Zielgruppe aufspüren und formulieren sowie als MultiplikatorInnen wirken.

Während der Realisierungsphase werden jugendliche Teams gebildet, die in den
unterschiedlichen Handlungsfeldern verantwortlich arbeiten (Gottesdienstgruppe, SeelsorgehelferInnen, Programmgruppe, Technik (Ton, Multimedia, Licht), Gastro-Team, Deko-Gruppe, Internet- und PR-Gruppe, Musicalgruppe...

Ein Beirat  berät und begleitet die Arbeit der Jugendkirche. In ihm sollen vertreten sein:
VertreterIn des Fachbereichs Praktische Theologie der Universität des Saarlandes,
VertreterIn der Evangelischen Studierendengemeinde esg
SchulreferentIn der Kirchenkreise
Der/die Beauftragte der Evangelischen Kirchen bei der Landesregierung
Eine VertreterIn der Ev. Kirche im Rheinland
OberbürgermeisterIn der Stadt Saarbrücken
VertreterIn der Kirchenkreise
Vorsitzende/r der  aej
VertreterIn des Jugendwerks


 

Es wird ein Förderverein gegründet. Der Vereinszweck dient ausschließlich der Förderung der Jugendkirche und trägt zur Gesamtfinanzierung bei.

Ressourcenbedarf:
Die auszuwählende Kirche muss für die beabsichtigte Jugendkirchen-Nutzung ertüchtigt werden.
Hierzu werden entsprechende Fachleute hinzugezogen.

Eine angemessene Ausstattung muss beschafft und installiert werden.
Jugendkirche braucht eine den Aufgaben entsprechende personelle Ausstattung in den Fachbereichen Theologie, Pädagogik, Organisation/Management, Koordination und Leitung, Technik, Hausmeisterdienste, Reinigung. Diese Fachlichkeit ist in einer sinnvollen Mischung aus Hauptamtlichen, Ehrenamtlichen und Honorarkräften zu gewährleisten. Das Jugendwerk steuert in jedem Fall zwei halbe Stellen JugendbildungsreferentInnen bei.

Betriebskosten müssen in angemessenem Verhältnis zwischen Gemeinde- und Jugendkirchen-Nutzung aufgeteilt und als Budget bereitgestellt werden.
Projektkosten sind nur zum Teil über Kostenbeiträge zu finanzieren. Eine attraktive Programmgestaltung erfordert die Bereitstellung eines Budgets für Projekte, Seminare und Veranstaltungen.

Ein entsprechender Finanzierungsplan wird aufgestellt, eine Haushaltsstelle ist zu bilden.

 

 
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