Junge Menschen bewegen sich frei in der Kirche, arbeiten an Projekten, musizieren gemeinsam und übernachten sogar dort. Nach dem Wunsch von Jugendpastor Lars Palme soll so etwas künftig häufiger möglich sein im Kirchenkreis Rendsburg.
Palme verweist dabei auf das Konzept einer Jugendkirche, die sich für einige Tage in einer bestehenden Kirche einnistet. Nachdem genau das im Februar in der Rendsburger Christkirche Realität geworden war, wirbt der Jugendpastor seither für eine Wiederholung des Projekts in anderen Kirchen. "Interessant wäre auch die Verankerung in einer Region", so der Jugendpastor.
Für Palme ist es die erste Pastorenstelle. Der gelernte Bootsbauer hatte sich nach dem Theologiestudium zunächst der Betreuung seiner zwei Töchter gewidmet, bevor er Vikar in der Kirchengemeinde Gettorf wurde. Dort sammelte er über Schulprojekte, Schulabschluss-Gottesdienste und Jugendseelsorge wichtige Erfahrungen für seinen heutigen Arbeitsbereich.

Ein Schwerpunkt ist für Palme die Unterstützung der Jugendarbeit in den Kirchengemeinden durch Anregungen und Fortbildungen. Sein Ziel ist darüber hinaus, dass Jugendgottesdienste zu einer festen Einrichtung werden. Hierbei legt er besonderen Wert auf Abendmahlsfeiern mit Jugendlichen. Das Abendmahl wirke als Gemeinschaftserlebnis anziehend auf Jugendliche, so der Jugendpastor. Doch auch der Kirchenraum als besonderer Ort, den man zum Beispiel durch ungewöhnliche Beleuchtung verwandeln könne, übe Faszination aus. Das Konzept einer mobilen Jugendkirche entsteht.
Ältere und erfahrene Teamerinnen und Teamer bereiten über einen Zeitraum von drei bis vier Monaten mit Jüngeren die Jugendkirche vor. Hauptamtliche begleiten, wo es nötig ist. "Jugendliche können am Besten Jugendliche begeistern", beschreibt Palme die Herangehensweise. Seiner Erfahrung nach seien Jugendliche offen für Glaubensthemen. Sie erwarteten von ihrer Kirche entsprechende Angebote.
Bei der Jugendkirche wird der Kirchraum zweifach erlebt: Zum einen als Raum für alltägliches Miteinander, zum anderen als heiliger Raum, in dem Andachten gefeiert werden. Das mehrtägige Programm der Jugendkirche sollte auch freie Zeiten enthalten. "Es geht nicht darum, dass ein Event den nächsten jagt, sondern auch darum, dass sich Jugendliche zweckfrei und ohne Programmpunkte in der Kirche aufhalten", so der Jugendpastor. Viele Begegnungen und Erfahrungen seien nicht planbar.
Die Kirche in der Hand von Jugendlichen - klappt das? Die Erfahrungen in der Christkirche Rendsburg sprechen dafür. Sie war von den Konfirmanden der Gemeinde deutlich umgestaltet worden. Es gab gemütliche Chill-Out-Zonen zum Entspannen, aber auch ein grelles Neon-Kreuz. Unter der Fragestellung "Was geht - Was glaubst Du?" war Raum zum Nachdenken und zum Gespräch.

Als eine besondere Stärke der Jugendkirche in Rendsburg bezeichnete Palme die grosse Bandbreite der Workshops. "Jeder konnte etwas Passendes für sich auswählen." Taizé-Zelt, Sing-Star-Ecke, Graffiti, Instrumenten-Schnupper-Stunden, Gospelchor, Bibel-Theater, Videoclip-Dancing, Perlen des Glaubens, Jonglieren und vieles mehr wurde an den drei öffentlichen Tagen angeboten. Rund 60 Teilnehmer nutzten die Möglichkeit, einen Brief an Gott zu schreiben. Der Briefkasten befand sich in einer Wolke, die nur über eine Leiter zu erreichen war.
Zwischen 40 und 120 Dauergäste konnten die Betreuer in der Jugendkirche verzeichnen. Diese waren meist über persönliche Kontakte auf das ungewöhnliche Angebot in dem 300 Jahre alten Gotteshaus aufmerksam geworden. Rock- und Gospelkonzerte erwiesen sich als besondere Magneten.
Auch die geistliche Gestaltung der Tage lebte vom Engagement der Teilnehmer. So bereiteten einzelne Gruppen die Andachten vor. Aus einem Workshop wurde dazu sogar ein selbst gedrehter Film mitgebracht, der sich mit der Frage beschäftigte, was uns nach dem Leben im Jenseits erwartet. Im Abschlussgottesdienst, den auch ältere Gemeindeglieder der Christkirchengemeinde besuchten, tauchten verschiedene Elemente der Workshops wieder auf. Thema war die Verschiedenheit des Glaubens und die Suche nach Gemeinsamem, die im Abendmahl mündete.
Von der Gelegenheit, einmal in einer Kirche zu übernachten, machten über 30 Jugendliche Gebrauch. Sorge um das Inventar des Baudenkmals brauchte das insgesamt 15-köpige Betreuerteam während der drei Tage nicht haben. Die Jugendkirche war Gast - entsprechend wurde darauf geachtet, dass sich das Gotteshaus hinterher wieder problemlos in die vertraute Christkirche zurückverwandeln konnte. Begeistert waren die Konfirmanden schon zum Anfang der Aktion: "Jugendkirche ist voll krass, Alter !" schrieb ein Jugendlicher auf die Pinwand am Eingang der Christkirche.

Diese Aktion war Teil der vom Nordelbischen Jugendpfarramt initiierten Veranstaltungsreihe "
HolyDays"
click. Veranstalter waren das Lukashaus, die Christkirchengemeinde und das Zentrum für Kirchliche Dienste.
In einem anderen Arbeitszweig setzt Palme ebenso auf den direkten, sinnlichen Kontakt. "Kirchen sind Stein gewordene Predigten" ist für ihn der Leitsatz der Kirchenpädagogik. Über das Entdecken und Berühren kirchlicher Bauten und Zeugnisse könnten spannende Zugänge zu religiösen Inhalten geschaffen werden.
Die hauptamtliche Besetzung der Stelle eines Jugendseelsorgers zeigte auch, dass Kinder- und Jugendarbeit trotz des gleichzeitig notwendig gewordenen Stellenabbaus im Jugendwerk weiterhin Gewicht haben soll. Damit wird auch dem Anliegen einer Zukunftskonferenz zur Kirchenkreis-Reform Rechnung getragen: Die These, dass Kinder- und Jugendarbeit unverzichtbar sei, hatte damals die höchste Zustimmungsrate.
Pastor Lars Palme ist im Jugendwerk des Kirchenkreises Rendsburg unter 04331/ 72716 zu erreichen oder per E-Mail:
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